Feuer in Flüchtlingsheim: Prozess neu aufgerollt

Kostenpflichtiger Inhalt: Brandstiftung als versuchter Mord? : Feuer in Flüchtlingsheim in Losheim: Strafprozess gegen Brandstifter wird neu aufgerollt

Anfang 2018 legte ein Syrer Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft. Drei Bewohner wurden verletzt. Wegen Brandstiftung und Körperverletzung wurde der Mann deshalb bereits verurteilt. Aber war das Ganze auch versuchter Mord?

Nach dem Feuer in einem als Flüchtlingsunterkunft benutzten Haus in Losheim muss sich ein früherer Bewohner erneut wegen versuchten Mordes und weiterer Delikte vor dem Landgericht verantworten. Im ersten Anlauf des Verfahrens hatten die Richter den 20 Jahre alten Syrer lediglich wegen Brandstiftung und Körperverletzung zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt und nicht wegen versuchten Mordes. Dieses Urteil hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe so nicht akzeptiert. Er schickte die Akten zurück nach Saarbrücken, wo es gemäß Antrag der Staatsanwaltschaft nun erneut auch um den Verdacht des versuchten Mordes gehen wird.

Die Anklagebehörde hatte die Brandstiftung in Losheim von Anfang an als versuchtes Tötungsdelikt mit gemeingefährlichen Mitteln eingestuft. Begründung: Der junge Mann habe am Abend des 4. Januar 2018 gegen 20 Uhr in seinem Zimmer eine Wolldecke auf seinem Bett mit einem Feuerzeug angezündet. Danach habe er das Haus verlassen und sei zu einem Bekannten gegangen. Dabei habe er genau gewusst, dass zu diesem Zeitpunkt zumindest zwei weitere Mitbewohner in ihren Zimmern waren, weil er die beiden Männer zuvor im Flur getroffen hatte. Trotzdem sei der Beschuldigte nach dem Anzünden der Decke einfach gegangen. Damit - so der Oberstaatsanwalt - habe der Angeklagte zumindest billigend in Kauf genommen, dass sich ein Feuer in dem Haus entwickelt, bei dem andere Menschen verletzt oder sogar getötet werden.

So weit kam es zum Glück nicht. Die beiden Flurnachbarn und ein dritter Mitbewohner aus dem Dachgeschoss bemerkten den Rauch. Selbst löschen konnten sie das massiv um sich greifende Feuer aber nicht. Sie brachten sich in Sicherheit und alarmierten die Feuerwehr. Bis auf leichte und eher kurzfristig wirksame Nachwirkungen des Rauches blieben die drei Männer unverletzt. Der Angeklagte kam in der Nacht nicht in sein Zimmer zurück und schlief bei Bekannten. Tags darauf ging der 20-Jährige zur Polizei. Er gab den Beamten sogar das Feuerzeug, mit dem er die Wolldecke angezündet habe.

Dieser äußere Ablauf der Ereignisse ist klar. Der innere Ablauf aus Sicht des Angeklagten soll nun in den nächsten Tagen möglichst genau rekonstruiert werden. Ob und inwieweit das funktionieren wird, das ist unklar. Es wird maßgeblich von dem Angeklagten abhängen. Er ist kein einfacher Mensch. Nach Feststellung einer Gutachterin im ersten Strafprozess von 2018 leidet der junge Syrer unter einer Persönlichkeitsstörung. Er sei bizarr, eigenbrötlerisch und impulsiv. Sein Verhalten wirke sinnlos und überzogen. Diesen Gedanken griff damals auch der Verteidiger des Angeklagten auf. Er betonte, dass er sich bei der Brandstiftung um eine sinnlose und gedankenlose Tat aus unerfindlichen Gründen gehandelt habe. Aber sein Mandant habe bestimmt niemanden töten wollen. Ob das Gericht dies am Ende des aktuellen Strafprozesses erneut so sehen wird, das ist offen. Auch eine Verurteilung des Angeklagten wegen versuchten Mordes wäre keine Überraschung. Der Prozess wird fortgesetzt.

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