Diebstahl und Drohung mit Gewalt: Ladendieb zu Haftstrafe verurteilt

Kostenpflichtiger Inhalt: Diebstahl und Drohung mit Gewalt : Ladendieb droht Mitarbeiter von Supermarkt: Landgericht verhängt mehrjährige Haftstrafe

Probleme mit der Freiheit: Nach rund 14 Jahren hinter Gittern kam ein Saarländer (30) aus dem Knast. Er hatte viel nachzuholen, trank Alkohol, nahm Drogen. Dann klaute er in einem Supermarkt, drohte einem Angestellten, beschimpfte Polizisten. Nun sitzt er wieder in Haft.

Das Landgericht hat einen mittlerweile 31 Jahre alten, mehrfach vorbestraften Saarländer wegen schweren räuberischen Diebstahls, Beleidigung und Verletzung von Weisungen der Führungsaufsicht zu insgesamt viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Außerdem ordneten die Richter die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt an. Der Angeklagte hatte in seinem Schlusswort vor Verkündung des Urteils seine Bereitschaft zu einer entsprechenden Suchttherapie erklärt.

Tödliches Feuer in Wohnhaus gelegt

Die jetzt abgeurteilten Straftaten hatten sich im Sommer 2019 ereignet - nachdem der Mann wenige Wochen zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden war. Dort hatte er wegen schwerer Straftaten insgesamt rund 14 Jahre verbracht. Nach Feststellung einer psychiatrischen Gutachterin kommt der Angeklagte nach den jahrelangen Gefängnisaufenthalten „in der Freiheit einfach nicht zurecht.“ Schon in jungen Jahren habe er schwere Verhaltensauffälligkeiten gezeigt. Im Alter von 16 Jahren hatte er gemäß Strafregister bereits Delikte wie Diebstahl, Sachbeschädigung oder Körperverletzung verübt. Anschließend lebte er in einer betreuten Wohngruppe in einem Therapiezentrum für junge Menschen im Saarland. Dort legten er und ein Mitbewohner eines Nachts im März 2005 Feuer, zwangen eine Mitarbeiterin zur Herausgabe von Wertsachen und hauten ab in Richtung Berlin. Im Dachgeschoss des Hauses schliefen zu dieser Zeit zwei junge Frauen (17 und 18 Jahre alt). Eine von ihnen starb in der Nacht des Brandes, die andere zwei Tage später an den Folgen des Feuers. Vier Hausbewohner konnte die Feuerwehr retten.

Zwei junge Frauen starben

Der anschließende Strafprozess vor der Jugendkammer gegen den heutigen Angeklagten und seinen damaligen Mitangeklagten fand wegen des jugendlichen Alters der Betroffenen unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Interesse der Medien am Ablauf und an den Hintergründen der Tat war enorm. In einem Artikel dazu in unserer Zeitung brachte es ein Beobachter in einer Mischung aus Trauer und Ratlosigkeit so auf den Punkt: „Zwei arme Mädchen sind gestorben, weil zwei blöde Jungs eine große Dummheit gemacht haben.“ Aber es ging um mehr als nur um eine Dummheit in jener Nacht. Am Ende stuften die Richter das Ganze zwar nicht als Mord ein, so wie von manchen gefordert. Aber sie werteten die Geschehnisse unter anderem als schwere Brandstiftung mit Todesfolge und verurteilten den heutigen Angeklagten, der kurz nach dem Feuer in Berlin festgenommen worden war, zu siebeneinhalb Jahren Jugendstrafe.

Angriff auf Mithäftling im Gefängnis

Diese Haftstrafe verbüßte der Saarländer in der Justizvollzugsanstalt für junge Straftäter in Ottweiler. Dort begann er eine Lehre und arbeite zeitweise in der Schreinerei. Während der Arbeit verübte er laut Registerauszug die nächste schwere Straftat. Sie richtete sich gegen einen Mithäftling, über den andere angeblich gesagt haben sollen, dass er etwas zum Nachteil des heutigen Angeklagten vorhabe. Im Oktober 2009 griff der Angeklagte den besagten Mithäftling in einem abgelegenen Raum für Lackierarbeiten an und stieß ihm ein Stecheisen in den Bauch. Der junge Mann erlitt eine vier Zentimeter tiefe Stichwunde in der Nähe des Bauchnabels und musste fast zwei Wochen ins Krankenhaus. Das Landgericht Saarbrücken verurteilte den mittlerweile erwachsenen Angeklagten deshalb wegen gefährlicher Körperverletzung zu sechseinhalb Jahren Haft. Diese Zeit kam zu der siebeneinhalbjährigen Strafe wegen des Feuers im Saarland dazu. Ebenso wie eine einmonatige Haftstrafe wegen des öffentlichen Zeigens verfassungswidriger Nazi-Symbole.

Freiheit nach 14 Jahren hinter Gittern

Nach mehr als 14 Jahren in verschiedenen Justizvollzugsanstalten, zuletzt in Diez, wurde der mittlerweile 30 Jahre alte Angeklagte schließlich im Frühjahr 2019 aus der Haft entlassen. Er hatte einen großen Teil seiner Jugend und die komplette Zeit als junger Erwachsener bis hin zum eher gesetzten Alter hinter Gittern verbracht. Aus Sicht der psychiatrischen Gutachterin im aktuellen Prozess führte dies zu einer deutlichen Reifeverzögerung bei dem Angeklagten. Er habe praktisch nie gelernt, wie man sich als ein Erwachsener in Freiheit benimmt. Dazu kämen die früheren Verhaltensauffälligkeiten sowie Probleme mit Alkohol und Drogen. Vor diesem Hintergrund hatte die Justiz nach der Haftzeit so genannte Führungsaufsicht angeordnet. Dabei wurde dem 30-Jährigen ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Der hilft einerseits beim Eingliedern ins tägliche Leben, überwacht aber andererseits auch die Einhaltung von Weisungen der Justiz an den Betroffenen. Im konkreten Fall ist dies ein Verbot des Konsums von Alkohol und/oder Drogen, das durch regelmäßige Test überwacht wird. Jeder Verstoß ist eine mögliche Straftat.

Alkohol, Drogen und ein Leben auf der Straße

Das schien den Saarländer offenbar nicht richtig zu interessieren. Nach Aussage des zuständigen Sozialarbeiters kam der junge Mann zu Anfang zwar zu den anberaumten Treffen und arbeitete beispielsweise bei der Suche nach Arbeit oder einer eigenen Wohnung mit. Er habe auch die gewünschten Tests auf Drogen und Alkohol abgeliefert. Aber davon seien zwei Tests positiv auf Alkohol und diverse Drogen gewesen. Darauf angesprochen soll der Angeklagte gesagt haben, dass er nach so vielen Jahren im Gefängnis eben „einiges nachzuholen“ habe. Der Sozialarbeiter weiter: Innerhalb weniger Wochen sei der Mann dann nach und nach raus aus der Betreuung durch die Führungsaufsicht, habe auf der Straße gelebt, Alkohol und diverse Drogen konsumiert. Er stürzte quasi in die Freiheit ab.

Ladendiebstahl nebst Bedrohung, Beleidigung und mehr

Im August 2019 - kurz vor seinem 31. Geburtstag - ging der Saarländer in einen Supermarkt in Saarbrücken. Nach eigener Aussage hatte er Hunger, weil er seit Tagen nichts gegessen hatte. Und in die Wärmestube sei er nicht gegangen. Dort hätte er zwar etwas zu essen bekommen. Aber wegen seines ungepflegten Äußern habe er sich geschämt. Also sei er in den Supermarkt. Dort entwendete er laut Anklageschrift drei Packungen Fleisch (Preis: 14,14 Euro) sowie zwei Küchenmesser mit 17 und 19 Zentimeter langer Klinge (Preis: 19,97 Euro). Mit diesem Waren im Gesamtwert von 34,11 Euro passierte er die Kasse. Aber dann wurde er vom Filialleiter angehalten, der ihn auf den Diebstahl ansprach und die Herausgabe der Ware forderte. Der Angeklagte ging darauf nicht ein. Nach Aussage des Filialleiters verwies er vielmehr auf eines der eingesteckten Messer.

Richter verhängen erneut mehrjährige Haftstrafe

Damit - so die Feststellung des Landgerichts in seinem aktuellen Urteil - sei aus dem normalen Ladendiebstahl ein schwerer räuberischer Diebstahl geworden. Der Angeklagte habe dem Filialleiter mit dem Einsatz des Messers und damit mit einer konkreten Gefahr für Leib und Leben gedroht, um den Besitz der Beute zu erhalten. Das sei eine schwere Straftat und keine Bagatelle. Dies wirke sich deutlich auf die Höhe der erforderlichen Strafe aus, so die Richter des Landgerichts weiter. Hinzu komme das Verhalten des Angeklagten nach der Haftentlassung. Schon nach den positiven Drogentests habe er angekündigt, dass er sich nicht an die Vorgaben der Führungsaufsicht halten wolle, also erneut Straftaten verüben werde. Das gehe so nicht und müsse bestraft werden. Ebenso wie die diversen Beschimpfungen gegenüber den Polizeibeamten, die den Saarländer kurz nach der Tat in der Nähe des Supermarktes festnehmen konnten. Unter dem Strich sei deshalb für alle drei Anklagepunkte zusammen - den räuberischen Diebstahls, die Beleidigungen und die Verstöße gegen die Weisungen der Führungsaufsicht - eine Strafe von insgesamt viereinhalb Jahren Haft angemessen.

Eine neue Chance auf ein Leben in Freiheit?

Hiervon müsste der Saarländer nach derzeitigem Stand und bei Anrechnung der Untersuchungshaft noch rund vier Jahre verbüßen. Am Ende wäre er dann 35 Jahre alt, wovon er mehr als 18 Jahre hinter Gittern verbracht hätte. Aber das muss nicht sein. Mit dem Urteil des Landgerichts bekommt der Saarländer auch eine Chance. Die erste Hälfte der noch offenen Strafe könnte er nämlich in einer Entziehungsanstalt verbringen. Und falls er dort mit Erfolg seine Suchtprobleme in den Griff bekommt, dann könnte er eventuell nach der Therapie von etwa zwei Jahren vorzeitig unter Bewährung entlassen werden. Dann wäre der Mann etwa 33 Jahre und stünde wieder unter Aufsicht eines Bewährungshelfers und hätte entsprechende Vorgaben zu erfüllen. Vielleicht klappt es ja dann mit dem Leben in Freiheit.