| 19:24 Uhr

Strafprozess: Schülerin monatelang missbraucht
Aufmerksame Mutter stoppte Missbrauch in Familie von Bekannter

Viele Fälle von sexuellem Missbrauch passieren in der eigenen Familie. Also genau dort, wo Kinder sicher sein sollten. Symbolfoto.
Viele Fälle von sexuellem Missbrauch passieren in der eigenen Familie. Also genau dort, wo Kinder sicher sein sollten. Symbolfoto. FOTO: Uwe Zucchi / picture alliance / dpa
Saarbrücken. Eine Saarländerin und deren Liebhaber haben über Monate die Tochter der Frau sexuell missbraucht. Ein Video davon landete aus Versehen bei der Mutter einer Mitschülerin der Achtjährigen. Die rief die Polizei. Von Wolfgang Ihl
Wolfgang Ihl

Wegen sexuellen Missbrauchs in mehr als 30 Fällen muss sich das Liebespaar aus dem Saarland vor dem Landgericht verantworten. Die 40 Jahre alte Hausfrau und ihr 60 Jahre alter Liebhaber sollen über Monate die acht Jahre alte Tochter der Frau in ihre Sexspiele einbezogen und missbraucht haben.



Beide Angeklagte haben dies am ersten Prozesstag bis ins Detail zugegeben. Weil sie mit diesen Geständnissen dem acht Jahre alten Mädchen eine Aussage vor Gericht erspart haben, können sie mit einer deutlichen Strafmilderung rechnen. Gemäß einer Absprache zwischen den Prozessbeteiligten sollen am Ende des Verfahrens jeweils Haftstrafen zwischen sieben und acht Jahren verhängt werden.

Die Geständnisse der Angeklagten



Nach Aussage der beiden Angeklagten kennen sich der Mann und die Frau seit Jahren aus der Nachbarschaft in einer mittelgroßen Kommune im Saarland. Sie, ihre jeweiligen Ehepartner und Kinder wohnen Haus an Haus. Der Ehemann der Frau ist deutlich älter als sie, schwer krank und zeitweise pflegebedürftig. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich offenbar das sexuelle Verhältnis der Frau mit dem freundlichen und temperamentvollen Mann von nebenan, wenn der zu Besuch kam.

Die Angeklagten weiter: Die sexuellen Kontakte hätten in der ersten Etage des Hauses stattgefunden, dort wo die Schlafzimmer sind. Auch dann, wenn sich der schwer kranke Ehemann der Frau in der Etage tiefer aufhielt. Deshalb sollte die zu Beginn sieben Jahre alte Tochter der Frau Schmiere stehen „falls der Papa hoch kommt.“ Aus diesem Aufpassen sei ein Zusehen und schließlich ein Mitmachen bei verschiedenen sexuellen Praktiken geworden, so die Angeklagten.

Sexspielzeug als Geschenk für Mutter und Tochter

Das Mädchen habe quasi die Rolle der Frau übernommen, während die Mutter der Kleinen zusah und Schmiere stand. Dann tauschten sie die Rollen. Das Ganze steigerte sich bis zu dem Punkt, an dem der Mann richtig mit der Achtjährigen schlafen wollte. Das unterband die Mutter allerdings jeweils. Warum, das konnte sie vor Gericht nicht erklären. Vielleicht war es ja Eifersucht. Oder mit den Worten der Frau: „Ich hatte den Eindruck, dass er meine Tochter mehr liebt als mich.“

Das wies der angeklagte Mann vor Gericht zurück: „Es war nicht so, dass ich jemand bevorzugt habe.“ Das habe die Frau nur aus Eifersucht geglaubt. Er habe beide – Mutter und Tochter – gleich behandelt. Wohl vor diesem Hintergrund schenkte er Mutter und Tochter zwei Vibratoren, den „kleinen für die Kleine und den großen für die Große“. Außerdem schickte er dem Mädchen Sex-Bilder und Sex-Videos (auch von sich selbst), damit sie „weiß, wie es geht“. An anderen Tagen schickte die Frau dem Mann Sex-Bilder und Sex-Videos von sich selbst und auch in Aktion mit dem Kind. Der Mann habe sie darum gebeten, erklärte sie vor Gericht. Er habe gesagt: „Schick mir Videos von Dir und der kleinen Maus.“ Das habe sie dann gemacht. Auch wenn sie „irgendwie schon“ gewusst habe, dass es „nicht in Ordnung ist“. Aber: „Ich wollte geliebt werden. Ich habe es aus Liebe gemacht.“

Video landet auf dem falschen Handy

Dann kam das Schicksal dem kleinen Mädchen zu Hilfe. Während ihre Mutter mit der Mutter einer Mitschülerin per WhatsApp kommunizierte ging eines der Sex-Videos aus Versehen mit raus. Die Angeklagte bat zwar noch eindringlich und mehrfach darum, dieses Video „ nicht ansehen und sofort löschen“. Aber die Mutter der Mitschülerin war neugierig geworden und sah sich das Video an. „Was ist das denn für eine kranke Scheiße“ dachte sie erschüttert und rief sofort die Polizei.

Aber kein Beamter habe an jenem Abend zu ihr nach Hause kommen können, um sich das Video anzusehen. Stattdessen wurde die Frau gebeten, damit am nächsten Morgen zur Wache zu kommen. Das geschah auch. Und nachdem der erste Polizist das Video gesehen hatte, lief zwischen Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht alles in rekordverdächtiger Zeit. Innerhalb von einem Tag war der Haftbefehl gegen die Mutter da und sie kam in Untersuchungshaft. Ihr Liebhaber folgte wenige Tage später. Dank der Mutter der Mitschülerin war der sexuelle Missbrauch des kleinen Mädchens beendet. Oder mit den lobenden Worten der Vorsitzenden an die Zeugin: „Sie haben alles richtig gemacht. Sie haben dazu beigetragen, dass die Sache zu Ende ging.“