Vulkanasche lässt Flug platzen: Wer haftet für Folgen von Verspätung?

Vulkanasche lässt Flug platzen: Wer haftet für Folgen von Verspätung?

Gegen Naturgewalten wie einen Vulkanausbruch ist auch die moderne Technik machtlos. Aber wer muss haften, wenn deshalb die Flieger auf dem Boden bleiben und Urlauber Tage zu spät auf die Arbeit kommen?

München. Ein Urlauber kann von seinem Reiseveranstalter keinen Schadensersatz wegen Verdienstausfalls und zusätzlicher Unterbringungskosten verlangen, wenn sein Rückflug wegen einer Vulkanaschewolke abgesagt wurde und er deswegen erst eine Woche später als geplant die Heimreise antreten konnte. Das hat das Amtsgericht München laut Rechtsportal Juris entschieden (Az.: 222 C 10835/11).

Der spätere Kläger hatte bei einem Münchner Reiseunternehmen eine einwöchige Pauschalreise nach Mombasa in Kenia gebucht. Der Weg hin war kein Problem. Aber der Rückweg. Der für Mitte April 2010 geplante Rückflug wurde infolge der Vulkanaschewolke des Eyjafjallajökull abgesagt. Der Reisende konnte erst sieben Tage später den Nachhauseweg antreten. Der Mann fordert daraufhin Schadensersatz vom Reiseveranstalter. Er machte die zusätzlichen Unterbringungskosten in Höhe von 180 Euro, Verdienstausfall in Höhe von 583 Euro sowie Telefonkosten in Höhe von 161,37 Euro geltend. Das Reiseunternehmen weigerte sich zu zahlen. Schließlich könne es für die Naturgewalten nichts.

Dieser Sichtweise schloss sich das Amtsgericht an: Dem Kläger stehe ein Schadenersatzanspruch gegen den Reiseveranstalter nicht zu. Zwar könne ein Urlauber wegen einer mangelhaften Reise Schadenersatz verlangen. Dabei werde das Verschulden des Reiseunternehmens auch grundsätzlich vermutet, so dass es seine Sache wäre, sich zu entlasten. Allerdings könne im vorliegenden Fall als gerichtsbekannt zu Grunde gelegt werden, dass der Flugverkehr im maßgeblichen Zeitraum wegen der Vulkanaschewolke gesperrt war und grundsätzlich keine Flüge stattfanden.
Ein derartiges von außen kommendes Ereignis, das keinen betrieblichen Zusammenhang aufweise, nicht vorhersehbar und auch durch äußerste vernünftigerweise zu erwartende Sorgfalt nicht abwendbar sei, führe nicht zur Haftung des Beklagten. Es handele sich vielmehr um höhere Gewalt, für die der Reiseveranstalter nicht verantwortlich gemacht werden könne.

Und weiter: Ein möglicher Ersatzanspruch gegen das beklagte Unternehmen ergebe sich auch nicht aus der Fluggastrechteverordnung, da das Reiseunternehmen kein Luftfahrtunternehmen im Sinne der Verordnung sei. Welche Ansprüche Reisende nach dieser Verordnung haben, das beantwortet das Bundesjustizministerium auf seiner Internetseite: Bei einem Flugausfall auf Grund der Luftraumsperrung wegen Vulkanasche habe der Fluggast die Wahl, ob er von der ausführenden Fluggesellschaft den Flugpreis zurückerstattet haben möchte oder ob er eine kostenlose Umbuchung auf einen späteren Flug wünscht. Zudem habe der betroffene Anspruch auf folgende Betreuungsleistungen" wie Verpflegung, zwei kostenlose Telefonate (bzw. Telefaxe oder E-Mails) sowie, falls notwendig, auch eine Hotelunterbringung. Ein Anspruch auf eine zusätzliche Ausgleichszahlung, der einem Flugpassagier im Allgemeinen bei einer Annullierung zustehen würde, bestehe insoweit aber nicht. Und weil die Fluggesellschaft an dem Flugausfall kein Verschulden treffe, können auch sonstige Schäden (zum Beispiel auf Grund eines versäumten Geschäftstermins) nicht ersetzt verlangt werden. So weit das Bundesjustizministerium. red/wi

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