Urteil: Zu spät am Flughafen? Kein Geld nach geplatztem Traumurlaub!

Urteil zu Sicherheitskontrollen am Flughafen : Reisende verpassen Flug in den Urlaub auf Bali - und bekommen kein Geld zurück

Reisende in ferne Länder sollten rechtzeitig am Flughafen sein. Neunzig Minuten vor dem Abflug ihrer Maschine kann dabei schon zu spät sein. Dazu ein aktuelles Gerichtsurteil.

Das Landgericht Koblenz hat klargestellt, dass Reisende in ferne Länder selbst für ihr rechtzeitiges Erscheinen am Flughafen verantwortlich sind. Dabei müssen sie laut Rechtsportal Juris auch an längere Sicherheitskontrollen denken. Wenn sie dies nicht beachten, dann bleiben sie auf dem Schaden sitzen, wenn sie ihr Flugzeug verpassen und deshalb der Urlaub platzt. Zwei Urlauber, die erst 90 Minuten vor Abflug am Check-In-Schalter erschienen waren und aufgrund einer länger dauernden Sicherheitskontrolle wegen fehlenden Personals ihren Flug verpassten, bekamen deshalb keinen Anspruch auf Schadensersatz gegen ihr Reiseunternehmen zugesprochen (Az.:13 S 38/19 - juris).

Das Ehepaar hatte bei dem Reiseunternehmen eine 17-tägige Pauschalreise nach Indonesien/Bali zum Preis von 2.798 Euro gebucht. Laut Reiseplan sollte der Hinflug am 25.Oktober 2018 um 17:35 Uhr vom Flughafen Frankfurt am Main erfolgen. Die Urlauber gaben nach ihrem eigenen Vortrag das Gepäck gegen 16:00 Uhr auf und gingen anschließend unmittelbar zur Passkontrolle, wo sie sich gut 90 Minuten vor Abflug einfanden. Zu diesem Zeitpunkt hätten sich dort bereits rund 400 Flugpassagiere befunden, die von lediglich zwei Bundespolizisten kontrolliert werden sollten. Aufgrund dessen habe das Paar erst gegen 17:30 Uhr den Flugsteig erreicht, wo ihnen der Zustieg verweigert wurde. Stattdessen wurde das Gepäck der Eheleute wieder aus dem Flugzeug ausgeladen. Das Reisebüro bot dem Paar gegen Zuzahlung von 1.640 Euro einen Ersatzflug an. Das lehnte die Betroffenen wegen der Kosten ab. Das Unternehmen zahlte dem Paar anschließend einen Stornobetrag von 559,60 Euro zurück. Den Restbetrag wollte das Paar vor Gericht einklagen.

Das Amtsgericht Westerburg gab dieser Klage in erster Instanz statt. Es sah einen Anspruch auf Schadensersatz gegen das Reiseunternehmen als gegeben an. Dabei ging das Amtsgericht davon aus, dass die Reise mangelhaft gewesen sei, weil das Reiseunternehmen schon die Flugleistung und damit im Ergebnis die Reiseleistung insgesamt nicht erbracht habe. Die Unterbesetzung der Bundespolizei sei an diesem Punkt dem Reiseveranstalter zuzurechnen, wobei es auf dessen Verschulden nicht ankomme. Das Unternehmen war mit diesem Urteil nicht einverstanden und legte Berufung ein. Das Landgericht Koblenz hat der Berufung stattgegeben und die Klage abgewiesen.

Begründung: Grundsätzlich hafte ein Reiseveranstalter unter Umständen zwar auch ohne Verschulden für Reisemängel. Dies gelte aber nur, soweit sich nicht ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht habe oder soweit der Reisende nicht selbst den Mangel verschuldet habe. Im konkreten Fall komme es an diesem Punkt maßgeblich darauf an, ob die von den Urlaubern für die Sicherheitskontrolle sowie das Boarding eingeplanten gut 90 Minuten als ausreichend anzusehen seien oder nicht.

Dagegen spreche die Argumentation des Reiseunternehmens, dass es in den Reiseunterlagen den Passagieren empfehle, spätestens zwei Stunden vor Abflug am Check-In-Schalter zu sein. Den Zugang dieser Reiseunterlagen habe das betroffene Ehepaar zwar bestritten. Dies entlastet die Betroffenen nach Feststellung des Landgerichts aber nicht. Eher im Gegenteil: Wenn die Urlauber die Reiseunterlagen mit den notwendigen Informationen tatsächlich nicht erhalten haben sollten, dann hätten sie nämlich die Verpflichtung gehabt, sich über die Abflugformalitäten zum Beispiel beim Flughafenbetreiber zu erkundigen. Dieser wiederum empfehle Passagieren, sich mindestens zwei bis drei Stunden vor Abflug am Check-In-Schalter einzufinden. Dieser Empfehlung seien die Urlauber nach ihrem eigenen Vortrag aber nicht nachgekommen. Sie seien 90 Minuten vor dem Abflug vor Ort gewesen. Damit hätten sie selbst das Risiko in Kauf genommen und zu verantworten, dass nicht ausreichend Zeit für die Abflugformalitäten bleibe. Die Urlauber seien also am Scheitern der Reise selbst schuld. Deshalb stehe ihnen kein Anspruch auf Schadensersatz gegen das beklagte Reiseunternehmen zu, so das Landgericht. Die Entscheidung ist rechtskräftig.