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Urteil: Türsteher bei Techno-Party dürfen Mann (44) Zutritt verweigern

Urteil bestätigt Türsteher : Mit 44 Jahren zu alt zum Mitfeiern: Mann musste bei Techno-Festival draußen bleiben

Das ist hart. Ein Mitvierziger wollte mit zwei Freunden auf ein Techno-Festival. Aber die Türsteher ließen die Gruppe nicht rein. Motto: Zu alt! Das roch zwar nach Diskriminierung. Aber die Justiz gab den Türstehern Recht. Bis jetzt.

Bei Veranstaltungen für bestimmte Zielgruppen können unter Umständen dazu nicht passende Personen vom Zutritt ausgeschlossen werden. Dabei kann dann eventuell auch auf das Alter der Betroffenen abgestellt werden, ohne dass dies automatisch eine verbotene Diskriminierung darstellt.

Das folgt aus einem Urteil des Amtsgerichts München. Es hat die Klage eines Münchner Selbstständigen gegen eine Münchner Eventfirma auf eine Entschädigung wegen Altersdiskriminierung in Höhe von 1.000 Euro abgewiesen. Der damals 44jährige hatte mit zwei Freunden im August 2017 das von der Beklagten veranstaltete Event „Isarrauschen“ auf der Praterinsel besuchen wollen. Ihm wurde jedoch der Einlass verwehrt. Auf Nachfrage wurde ihm als Grund genannt, dass er zu alt sei.

Der Mitvierziger sah darin einen Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Er habe die Abweisung als besonders kränkend empfunden. Er sehe auch nicht so alt aus. Das könne seine deutlich jüngere Partnerin bestätigen, die bestimmt nicht mit ihm zusammen wäre, wenn er wie ihr Vater aussähe. Außerdem rechtfertige das von der Eventfirma geltend gemachte Veranstaltungskonzept ja auch nicht Muslime, Frauen, Behinderte oder Homosexuelle auszuschließen.

Die beklagte Eventfirma verwies darauf, dass man aufgrund beschränkter Kapazitäten des Veranstaltungsbereichs das Personal am Einlass angewiesen habe, nicht passende Gäste abzuweisen. Dabei habe kein generelles Einlassverbot für Personen ab 35 Jahren bestanden. Die Zielgruppe der Veranstaltung seien jedoch Personen zwischen 18 und 28 Jahren gewesen. Daher würden Gäste älteren Semesters, gerade auch in Gruppen, wohl auch künftig abgewiesen werden. Die Entscheidung über den Einlass erfolge dabei nach dem äußeren Eindruck der Gäste. Die Gäste würden nicht nach ihrem Alter gefragt. Um eine homogene Gruppe zu erhalten, würden die Gäste aber nach einer bestimmten Zielgruppe ausgesucht. Diese solle vom Aussehen her passend gekleidet, vom Alter her optisch in die Zielgruppe passen und auch nicht alkoholisiert oder anderweitig berauscht sein. Der Kläger und seine Freunde hätten optisch nicht in diese Zielgruppe gepasst, so die beklagte Eventfirma, was auch an deren optischen Alter gelegen haben mag.

Die zuständige Richterin am Amtsgericht München - deren Alter nicht bekannt ist - gab daraufhin der Beklagten Recht und wies die Klage des Mitvierzigers ab. Begründung: Laut Gesetz sei eine „Benachteiligung aus Gründen des Alters“ verboten, die „typischerweise ohne Ansehen der Person“ zustande kommt oder bei der „das Ansehen der Person eine nachrangige Bedeutung hat“. Allein das Alter und nicht das Ansehen der Person muss demnach der Grund für die Benachteiligung sein. Dies ist jedoch bei Veranstaltungen, wo eine individuelle Auswahl der Beteiligten anhand mehrere Kriterien erfolge, nicht der Fall.

Aufgrund der Darlegungen der Parteien ging das Gericht davon aus, dass es sich bei dem Event „Isarrauschen“ um eine Veranstaltung handelte, bei der junge Münchner Electronic-DJs auflegten. Teilweise sei es ein Open-Air gewesen. Die Kapazität auf der Praterinsel sei auf 1.500 Gäste beschränkt gewesen. Der Einlass wurde durch Türsteher geregelt. Der Eintritt am Nachmittag war gratis, später war am Einlass ein Eintritt zu zahlen. dazu die Amtsrichterin: „Eine Unterscheidung beim Einlass nach dem optischen Alter ist bei solchen Veranstaltungen nicht nur typisch, sondern hält auch einer vernünftigen Betrachtungsweise stand.“ Bei derartigen Disco-Veranstaltungen stehe nicht allein die Musik im Vordergrund, sondern das gemeinsame Feiern. Das Gelingen einer solchen Veranstaltung hänge damit entscheidend von einer gelingenden Interaktion unter den Gästen ab. Daher sei eine Auswahl der Gäste, um einen gelungen Abend zu gestalten, vernünftig um den Interessen der Gäste und des Veranstalters gerecht zu werden. Die daraus entstehende Benachteiligung für den Mitvierziger sei hinnehmbar, weil dem Kläger in München viele weitere ähnliche Veranstaltungen, auch bei der Beklagten, zur Verfügung stehen, bei denen nicht eine bestimmte und jüngere Zielgruppe angesprochen werden soll.

So weit das Urteil des Amtsgerichts München vom 10. Oktober 2018 (Az.:122 C 5020/18). Es ist noch nicht rechtskräftig. Der Kläger hatte dagegen Berufung eingelegt. Diese wurde am 31. März 2020 vom Landgericht München I zurückgewiesen. Der Kläger hat daraufhin Revision zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe eingelegt. Wann dort entscheiden werden wird, das ist offen.