Urteil zum Reiserecht: Urlaub auf Madagaskar ohne Fotokoffer: Minderung des Reisepreises möglich

Urteil zum Reiserecht : Urlaub auf Madagaskar ohne Fotokoffer: Minderung des Reisepreises möglich

Alles was schön ist, das muss fotografiert werden. Noch nie in der Geschichte der Menschheit wurden so viele Bilder gemacht, wie im Zeitalter von Smartphone und Co. Aber was ist, wenn die Technik im Urlaub verloren geht? Dazu ein aktuelles Gerichtsurteil.

Es soll ja Leute geben, die erst beim Anschauen und Zeigen der Fotos sehen, wo sie in Urlaub gewesen sind. Für manche dieser Menschen zählt das vorzeigbare Bild vom Leben mehr als das wirkliche Leben mit all seinen vielfältigen Eindrücken, Bildern, Geräuschen oder Gerüchen. Aber nicht alle Leute sind so extrem. Auch ganz normale Menschen sind heutzutage ohne funktionsfähigen Fotoapparat - oft ist es ein Smartphone - nicht wirklich entspannt. Ohne Bilder von ihren Erlebnissen fehlt ihnen etwas. Das einzelne Foto wirkt nämlich oft als visuelle Brücke in schöne Erinnerungen. Aber ohne funktionsfähiges fotografisches Gerät gibt es keine Fotos. Das ist besonders ärgerlich im Urlaub in der weiten Welt. Wenn dort der Fotokoffer verloren geht, dann ist der Frust natürlich besonders groß.

Das Landgericht Frankfurt hat in einem solchen Fall deshalb einem Ehepaar eine Minderung des Reisepreises von 25 Prozent zugesprochen. Das Paar hatte eine Rundreise nach Madagaskar gebucht. Bei Ankunft am Zielort fehlte ein Koffer. In diesem befanden sich Teile der Fotoausrüstung, insbesondere das Ladegerät für die Akkus sowie Ersatzakkus. Erst nach sechs Tagen erhielt die Urlauber das Gepäckstück wieder ausgehändigt.

Die Reiserechtskammer des Landgerichts sah darin eine so schwerwiegende Beeinträchtigung der Reise, dass sie den Betroffenen einen Anspruch auf Minderung von 25 Prozent des Reisepreises für die Tage ohne Koffer zubilligte. Eine weitergehende Minderung war nach Ansicht der Richter nicht gerechtfertigt, obwohl die Klägerin und ihr mitreisender Ehemann während des ersten Teils der Rundreise die Eindrücke von Land, Natur und Sehenswürdigkeiten nur in ihrer Erinnerung festhalten und hierüber keine Fotografien fertigen konnten. Aber auch eine geringere Minderung kommt nach Ansicht des Gerichts nicht in Betracht. Insbesondere müsse die Höhe der Minderung nicht deshalb reduziert werden, weil die Urlauber die Fotoausrüstung unberechtigterweise in den besagten Koffer gelegt haben. Begründung. Da das Minderungsrecht des Reisenden unabhängig von einem Verschulden des Reiseveranstalters bestehe, komme auch ein Mitverschulden der Betroffenen nicht in Betracht. Das Urteil ist nicht rechtskräftig (Az.: 2-24 O 20/19).

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