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Unfall zu spät gemeldet: Vollkasko von Auto muss eventuell nicht zahlen

Verlust der Vollkasko droht : Tipp vom Gericht: Einen Unfall sollte man (auch) der eigenen Versicherung rechtzeitig melden

Wer zahlt nach einem Unfall im Straßenverkehr? Die Haftpflichtversicherung des Verursachers oder die eigene Vollkasko? Die Antwort ist nicht immer einfach. Unser Tipp dazu schon.

Wer einen Verkehrsunfall hat, sollte dies (auch) seiner eigenen Vollkaskoversicherung lieber gleich anzeigen. Das schadet nichts. Aber zu langes Abwarten kann teuer werden. Erfolgt die Schadensanzeige nämlich erst dann, wenn die in den Versicherungsbedingungen geregelte Meldefrist schon verstrichen ist, geht der Versicherungsnehmer unter Umständen leer aus. Darauf hat der 11. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Braunschweig in einem Beschluss hingewiesen (Az. 11 U 131/19).

In dem konkreten Verfahren hatte eine Autofahrerin ihre Vollkaskoversicherung nach einem Verkehrsunfall in Anspruch genommen. Weil die Frau den Verkehrsunfall aber nicht innerhalb der in den Versicherungsbedingungen genannten Wochenfrist, sondern erst über ein Jahr später bei der Versicherung angezeigt hatte, ging sie leer aus. Der 11. Zivilsenat führte dazu in seinem Hinweisbeschluss aus, dass die Versicherungsnehmerin mit der verspäteten Anzeige gegen ihre Obliegenheiten aus dem Versicherungsvertrag verstoßen habe. Dass sie zunächst die berechtigte Erwartung gehabt habe, der Unfallgegner werde für den Schaden aufkommen, ändere daran nichts. Die Meldefrist fange mit dem versicherten Ereignis zu laufen an, unabhängig davon, ob der Versicherungsnehmer sich entschließe, seine Kaskoversicherung in Anspruch zu nehmen oder nicht.

Durch die verspätete Meldung im konkreten Fall habe die Versicherung den von der Klägerin behaupteten Unfallhergang nicht mehr überprüfen können. Weil die Klägerin ihr beschädigtes Fahrzeug bald nach dem Unfall veräußert habe, sei auch eine Besichtigung des Fahrzeugs nicht mehr möglich gewesen. Damit bestätigte das Oberlandesgericht die Linie der ersten Instanz. Die Versicherungsnehmerin nahm ihre Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil des Landgerichts Braunschweig nach dem Hinweisbeschluss deshalb mangels Aussicht auf Erfolg zurück.