Tierhalter bei Rauferei unter Hunden im Gesicht verletzt: Wer zahlt?

Wichtiges Urteil für Hundehalter : Frei laufender Hund greift Bulldogge an der Leine an: Mann fällt hin und wird im Gesicht verletzt

Wichtiges Urteil für Hundehalter: Wenn bei einer Rauferei unter den Vierbeinern ein Mensch verletzt wird, dann kommt es nicht darauf an, welcher Hund zugebissen hat. Sondern darauf, wer den Streit angefangen hat. Der Halter dieses Tieres muss dann eventuell zahlen!

Das Oberlandesgericht Karlsruhe hat einem Hundehalter insgesamt 5100 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld zugesprochen. Der Mann war bei einer Rauferei zwischen seiner angeleinten Bulldogge und einem frei laufenden Terrier ausgerutscht und ins Gesicht gebissen worden. Welcher Hund konkret zugebissen hatte, das konnte zwar nicht geklärt werden. Trotzdem machten die Richter die Halterin des Terriers für die Verletzungen des Mannes verantwortlich, weil der frei laufende Terrier den Streit angefangen hatte (Az.: 7 U 86/18).

Der betroffene Mann war im November 2015 mit seinem Hund, einer Bulldogge, im Bereich Weinheim auf einem Spaziergang. Der Hund war an der Leine. Eine Hundehalterin wollte ihren Hund, einen Terrier, ebenfalls ausführen. Der Terrier saß im Auto. Als die Frau den Kofferraum öffnete, sprang der nicht angeleinte Terrier aus dem Fahrzeug und lief auf den Mann und dessen Hund zu. Im Verlauf des folgenden „Gemenges“ kam der Mann zu Fall und wurde im Gesicht gebissen. Die Bisswunde am Ohr musste genäht, die Wunde unterhalb des Auges ärztlich versorgt werden. Der freiberuflich tätige Verletzte war fünf Tage arbeitsunfähig und hat eine Narbe davon getragen.

Er forderte deshalb von der Halterin des Terriers Schadensersatz und Schmerzensgeld. Das Landgericht Mannheim hat die Klage in erster Instanz mit der Begründung abgewiesen, es sei nicht feststellbar, ob der Kläger von seinem eigenen Hund oder dem Hund der Beklagten gebissen wurde. Der Verletzte ging in Berufung. Mit Erfolg. Der 7. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe hat ihm in zweiter Instanz wegen der Verletzung am Kopf ein Schmerzensgeld in Höhe von 2.000 EUR und Ersatz für Verdienstausfall in Höhe von 3.100 EUR zugesprochen.

Auf die Frage, welcher Hund den Kläger gebissen hat, kommt es nach Feststellung der Richter nicht an. Entscheidend sei vielmehr, dass der Terrier der Frau die Verletzung des Klägers jedenfalls verursacht habe. Der nicht angeleinte Hund sei auf den Mann und dessen Bulldogge knurrend und bellend zugestürmt. Der Terrier habe mit der Bulldogge, die er nach Angaben seiner Halterin „nicht mochte“, eine Rauferei begonnen. Dabei sei der Halter der Bulldogge verletzt worden. Dies wirke zu Lasten der Hundehalterin. Ihr sei die Aggressivität ihres Hundes bekannt gewesen, da dieser wenige Wochen vor dem Ereignis einen anderen Terrier angegriffen und dessen Halterin in die Hand gebissen hatte. Die Beklagte hafte damit für den vollen Schaden, der dem Kläger entstanden ist, nämlich für den Verdienstausfall in Höhe von 3.100 EUR. Außerdem müsse die Frau dem Verletzten ein angemessenes Schmerzensgeld zahlen. Insoweit sei mit Blick auf die Verletzungen des Mannes und die Rechtsprechung in vergleichbaren Fällen ein Betrag von 2.000 Euro angemessen. So weit das Oberlandesgericht. Das Urteil ist rechtskräftig.

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