Richter müssen klären: Hat der Porsche 911 einen zu kleinen Tank?

Urteil : Richter müssen klären: Hat der Porsche 911 einen zu kleinen Tank?

Die Justiz hat im Fall eines Porsche 911 Cabrio klargestellt: Es entspricht dem Stand der Technik, wenn ein Auto nicht den kompletten Sprit aus dem Tank zieht, sondern zur Sicherheit für den Motor einige Liter drin lässt.

Ein Porsche 911 mit einem 67 Liter Tank ist nicht mangelhaft, wenn der Bordcomputer nach einem Kraftstoffverbrauch von 59 Litern keine Restreichweite mehr anzeigt. Das hat das Oberlandesgericht Hamm bestätigt. Es hat die Klage eines Porsche-Käufers auf Rückabwicklung des Kaufvertrages wegen vermeintlicher Mängel des Autos abgewiesen (Az.: 28 U 165/13).

Der Betroffene hatte 2011 einen Porsche 911 Turbo S Cabriolet zum Preis von 176.500 Euro gekauft. Laut Katalog fasst der Tank des Sportwagens 67 Liter. Kurze Zeit nach der Fahrzeugübergabe bemängelte der Mann, dass der Bordcomputer nach einem Verbrauch von 59 Litern Benzin eine Restreichweite von 0 km anzeige. Deshalb könne er das im Katalog angegebene Tankvolumen nicht nutzen und wolle das Auto zurückgeben. Nach Anhörung einer Sachverständigen konnte der 28. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm jedoch keinen Sachmangel bei dem verkauften Porsche 911 feststellen.

Dazu die Richter: Die Konstruktion der Tankanlage entspreche dem Stand der Technik. Es stelle keinen Mangel dar, dass das im Ausstattungskatalog angegebene Tankvolumen von 67 Litern nicht vollständig für den Fahrbetrieb genutzt werden könne. Diese Angabe sei nicht mit der Menge des verfahrbaren Kraftstoffs gleichzusetzen. Zum Schutz des Motors vor schädlichen Schwebteilchen im Kraftstoff sei es nicht zu beanstanden, wenn - wie von der Sachverständigen beim Porsche festgestellt - eine Restmenge von etwa 3,3 Litern Benzin von der Kraftstoffpumpe im Pumpensumpf des Tanks nicht zu erreichen sei.

Zudem lasse die Reichweitenanzeige eine weitere Kraftstoffrestmenge von bis zu 3,1 Litern unberücksichtigt. Auch diese vom Hersteller gewollte Computereinstellung diene dem Schutz des Motors und sei nicht zu beanstanden. Sie solle verhindern, dass der Tank so weit leer gefahren werde, dass die Kraftstoffpumpen - etwa bei extremen Kurvenfahren - Luft ansaugen könnten, was ebenfalls zu Motorschäden führen könne. Wenn der Bordcomputer des Porsche nur die Restreichweite anzeige, die gefahrlos mit dem Auto zurückgelegt werden könne, sei dies kein Sachmangel des Fahrzeuges.

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