Glück oder Geschick: Fiskus will Steuern auf Pokergewinne kassieren

Glück oder Geschick: Fiskus will Steuern auf Pokergewinne kassieren

Der Fiskus hat erfolgreiche Poker-Spieler ins Visier genommen. Aus Sicht der Finanzämter ist das Kartenspiel eine Frage des Geschicks, und die Einnahmen sind steuerpflichtig.

Köln. Die Gewinne eines erfolgreichen Pokerspielers unterliegen der Einkommenssteuer. Das hat das Finanzgericht Köln laut Rechtsportal Juris entschieden (Az.: 12 K 1136/11).

In dem Verfahren, dass demnächst in zweiter Instanz vor dem Bundesfinanzhof weitergehen soll, hat ein Flugkapitän gegen das Finanzamt geklagt. Der Pilot nimmt seit vielen Jahren an Pokerturnieren teil und hat in den letzten Jahren Preisgelder im sechsstelligen Bereich gewonnen. Dieses Geld hat das Finanzamt in dem angefochtenen Steuerbescheid als Einkünfte aus Gewerbebetrieb besteuert. Es steht auf dem Standpunkt, dass Gewinne aus Pokerspielen nur bei einem Hobbyspieler steuerfrei seien. Betreibe ein Steuerpflichtiger das Pokerspiel dagegen berufsmäßig, so erziele er sowohl mit seinen Spielgewinnen als auch mit seinen Fernseh- und Werbegeldern steuerpflichtige Einkünfte.

In der mündlichen Verhandlung vor dem Finanzgericht stritten die Beteiligten nun darum, ob beim Pokern das Glück oder das Geschick überwiegt. Der Vertreter der Finanzverwaltung verglich das Pokerspiel mit einer sportlichen Auseinandersetzung, bei der derjenige mit den besten analytischen und psychologischen Fähigkeiten gewinne. Demgegenüber sagte der Kläger: "Jeder kann ein Pokerturnier gewinnen. Gerade die großen Turniere werden immer wieder von Anfängern gewonnen. Letztendlich entscheidet das Kartenglück". Das Ganze sei also ein Glücksspiel - und ähnlich wie beim Lotto müsse der Gewinn deshalb steuerfrei sein.

Das Gericht schlug sich anschließend auf die Seite des Finanzamtes und wies die Klage des Flugkapitäns ab. Begründung: Die Gewinne eines Pokerspielers unterliegen jedenfalls dann der Einkommenssteuer, wenn der Spieler regelmäßig über Jahre hinweg erfolgreich an namhaften, mit hohen Preisen dotierten Turnieren teilnehme. Es komme dann für die Beurteilung der Steuerpflicht nicht darauf an, ob der Erfolg beim Pokerspiel für einen Durchschnittsspieler oder bezogen auf ein einzelnes Blatt auf Zufallsergebnissen beruhe. Maßgebend sei, ob der Steuerpflichtige nach seinen individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten mit guten Erfolgsaussichten an renommierten Pokerturnieren teilnehmen könne und wiederholt Gewinne erziele. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Revision zum Bundesfinanzhof wurde zugelassen. red/wi

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