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Rollende Autoreifen beschädigen Garagentor
Augen auf und richtig aufpassen: Winterreifen im Kofferraum sichern!

Reifenmontage in einer Werkstatt in Erfurt. Symbolfoto.
Reifenmontage in einer Werkstatt in Erfurt. Symbolfoto. FOTO: dpa / Martin Schutt
Oldenburg. Es ist wieder so weit. Die Winterreifen müssen runter - und die Sommerreifen drauf. Das hört sich einfach an. Aber es kann richtig daneben gehen. Und dann ist das Garagentor kaputt. Von Wolfgang Ihl
Wolfgang Ihl

Wer im Kofferraum seines Autos Reifen transportiert, der muss für eine ordentliche Sicherung des Ladegutes sorgen. Macht er dies nicht, dann muss er für den Schaden gerade stehen, den herausrollende Reifen verursachen. Das hat das Oberlandesgericht Oldenburg in einem Hinweisbeschluss klargestellt.


Autofahrer fährt Sommerreifen liegend in die Werkstatt

Im konkreten Fall hatte ein Mann aus Wilhelmshaven seine Reifen von Winter auf Sommer in einer Werkstatt wechseln lassen. Die neu anzubringenden Sommerreifen hatte er im Kofferraum mitgebracht. Dazu hatte er die Rückenlehne der Rückbank umgeklappt und die Reifen nebeneinander in den Kofferraum gelegt.



Reifenhändler stellt die Winterreifen in den Kofferraum

Der Reifenhändler hatte nach der Montage die Rückenlehne hochgeklappt und die alten Winterreifen nebeneinander stehend in den Kofferraum geräumt. Der Wilhelmshavener fuhr nach Hause. Dort angekommen fuhr er rückwärts seine abschüssige Garageneinfahrt hinab und öffnete von innen per Fernsteuerung die Kofferraumklappe. Die Klappe ging auf.

Stehende Reifen rollen gegen Garagentor - Schaden: 6000 Euro

Daraufhin machten sich die aufrecht transportierten Winterreifen selbstständig. Sie rollten aus dem Kofferraum heraus und beschädigten das Garagentor. Dabei soll ein Sachschaden von rund sechstausend Euro entstanden sein.

Autofahrer verklagt Reifenhändler auf Schadensersatz

Der Autofahrer macht dafür den Reifenhändler verantwortlich. Dieser hätte die Winterreifen nicht stehend verladen dürfen. Zumal er selbst die Sommerreifen extra liegend angeliefert habe. So weit der Kläger im konkreten Fall. Er sieht bei sich selbst keine Verantwortung für den entstandenen Schaden. Schließlich habe er auf Grund der abgedunkelten Scheiben im Fond seines Fahrzeugs nicht bemerken können, dass die Rückenlehne hochgeklappt worden sei.

Richter weisen Klage des Mannes ab

Das Landgericht wies die Klage des Mannes ab. Der Zivilsenat des Oberlandesgerichts bestätigte diese Entscheidung. Begründung: Dem Mann stehe kein Anspruch auf Schadensersatz zu. Niemand außer ihm selbst sei für die Beschädigung des Garagentores durch die rollenden Reifen verantwortlich. Durch einen kurzen Blick in den hinteren Bereich seines Fahrzeugs hätte der Autofahrer ohne weiteres feststellen können, dass die Rückenlehne hochgeklappt worden sei. Den Kofferraum trotzdem gleichsam blindlings zu öffnen, zeuge von einer solchen Sorglosigkeit, dass den Mann jedenfalls ein so überwiegendes Verschulden treffe, dass ein etwaiges Verschulden des Reifenhändlers vollständig dahinter zurücktrete. Der Mann müsse daher seinen Schaden selbst tragen, so das Oberlandesgericht (Az.: 9 U 21/17).