Urteil: Krankenkasse bezahlt nicht für Entfernung von Tätowierung

Urteil zu Kosten von Laser-Behandlung : Tätowierung mit Kirchblüten auf dem Schulterblatt: Krankenkasse muss Entfernen nicht bezahlen

Viele Menschen lassen sich tätowieren, weil sie diesen Körperschmuck schön finden. Eine solche Tätowierung ist also keine Krankheit im rechtlichen Sinn. Deshalb wird die Entfernung eines Tattoos in der Regel auch nicht von der Krankenkasse bezahlt.

Versicherte haben keinen Anspruch gegen ihre Krankenkasse auf Übernahme der Kosten für eine Laserbehandlung zur Entfernung einer Tätowierung auf dem Schulterblatt. Das gilt auch dann, wenn das Tattoo nicht den Erwartungen des Versicherten entspricht und bei diesem eine depressive Symptomatik hervorruft. Das hat das Sozialgericht Stuttgart entscheiden.

Die betroffene Frau, die auf ihrem rechten Schulterblatt bereits eine Tätowierung mit asiatischen Schriftzeichen hatte, wollte diese zur Verschönerung mit einem Kirschblütenmotiv umrahmen lassen. Sie empfand das Ergebnis jedoch nicht als schön und als zu dunkel. Bereits vier Tage nach der Tätowierung begann die Frau deshalb eine Laserbehandlung zur Entfernung der Tätowierung. Nach zehn Tagen hat sie außerdem wegen einer depressiven Symptomatik sieben Sitzungen bei einem Facharzt für Psychotherapie begonnen. Nach knapp fünf Monaten nahm sie zudem eine Behandlung mit Antidepressiva bei einer Fachärztin für Psychiatrie auf, die sie nach zwei bis drei Monaten beendete.

Die Betroffene fordert von der Krankenkasse die Übernahme der Kosten für die Entfernung der Tätowierung. Sie ist der Ansicht, die Tätowierung sei die Ursache ihrer psychischen Krankheit. Eine Krankenbehandlung habe an der Ursache anzusetzen und nicht an den Symptomen. Weitere psychotherapeutische Behandlung habe sie abgelehnt, da sie hierdurch keine Besserung ihres Gesundheitszustandes erwartet habe, durch die Entfernung der Tätowierung jedoch schon.

Das Gericht hat ihre Klage abgewiesen. Begründung: Die Entfernung der Tätowierung verschaffe nur ein anderes Aussehen, habe aber keine Auswirkungen auf Körperfunktionen. Und weiter zum konkreten Tattoo: Die Tätowierung wirke im konkreten Fall nicht entstellend. Da im Alltag ein Verdecken leicht zu bewerkstelligen sei, verursache die Tätowierung keine solche erhebliche Auffälligkeit, dass sie selbst bei flüchtigen Begegnungen „im Vorbeigehen“ Reaktionen hervorrufe. Die Tätowierung gefährde also objektiv nicht die Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft.

Nicht entscheidend sei, so die Richter abschließend. dass die Klägerin subjektiv die Tätowierung als entstellend empfinde und die Tätowierung für sie eine psychische Belastung darstelle. Psychische Beeinträchtigungen rechtfertigten lediglich einen Anspruch auf psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung, aber keine Eingriffe in den krankenversicherungsrechtlich gesunden Körper (Urteil vom 01.03.2018 – S 27 KR 916/16).

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