Urteil: Ein Schäfer muss seine Arbeit machen und sich um die Tiere auch kümmern

Verantwortung für andere Lebewesen : Urteil: Ein Schäfer muss seine Arbeit machen und sich um die Tiere auch kümmern

Profitstreben, Eigennutz oder Bequemlichkeit sind nicht alles. Wer Verantwortung für andere Lebewesen trägt, der muss ihnen und ihren Bedürfnissen auch gerecht werden. Sonst läuft etwas falsch.

Ein Schäfer muss sich um seine Schafe kümmern und sie regelmäßig scheren. Wenn er das nicht tut, dann sind Behörden und Justiz am Zug. Das hat das Verwaltungsgericht Trier klargestellt. Es hat die behördliche Anordnung gegen einen Schäfer aus der Eifel bestätigt, wonach dieser seine Schafe jährlich mindestens einmal selbst oder durch andere zu scheren hat. Außerdem wurde der Mann verpflichtet, die anlässlich einer Nachkontrolle seiner Tiere durch eine Tierarzt entstandenen Gebühren zu tragen. So weit die 8. Kammer des Verwaltungsgerichts Trier mit zwei Urteilen vom 20. November 2019.

Der Betroffene hält seine Schafe nach Feststellung des Gerichts auf dem Gebiet des Eifelkreises Bitburg-Prüm. Bei den Tieren handelt es sich um eine Mischung aus Texelschaf und Heidschnucke. Bereits im Jahr 2016 führte das Veterinäramt des Landkreises mehrere Kontrollen durch, bei denen jeweils circa 100 Mutterschafe nebst Lämmern angetroffen wurden. Hierbei wurde unter anderem das Fehlen eines Unterstandes sowie der Pflegezustand der Altschafe beanstandet. Bei einer weiteren Kontrolle am 24. Juli 2018 stellte die Amtstierärztin dann fest, dass ein Großteil der Altschafe nicht geschoren war. Die Tiere hätten sich fast ausschließlich im Schatten aufgehalten und sich größtenteils auf den Erdboden gedrückt. Ferner hätten sie eine schnelle, pumpende Atmung gezeigt. Die Temperatur habe zum Zeitpunkt der Kontrolle im Schatten 22 Grad Celsius betragen. Auf telefonische Nachfrage habe der Schäfer zugesichert, die Schur bis zum 31. Juli 2018 durchzuführen. Bei der daraufhin am 1. August 2018 durchgeführten Kontrolle seien jedoch mindestens zwei Altschafe nicht geschoren gewesen.

Daraufhin wurde der Landkreis in zwiefacher Hinsicht aktiv. Für die Nachkontrolle am 1. August 2018 forderte er Gebühren und Auslagen in Höhe von 116,66 Euro. Außerdem erließ der Kreis eine tierschutz- und tierseuchenrechtliche Verfügung gegen den Betroffenen. Danach sind alle Schafe regelmäßig, und zwar mindestens einmal jährlich, zu scheren oder scheren zu lassen. Als Richtzeit für die Schur gelte der Zeitraum Mitte Mai bis Ende Juni. Sowohl gegen den Gebührenbescheid (8 K 2665/19.TR) als auch gegen die tierschutzrechtliche Verfügung (8 K 2669/19.TR) hat der Schäfer Klage erhoben. Ohne Erfolg. Das Verwaltungsgericht hat beide Klagen des Schäfers abgewiesen.

Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass beide Bescheide des Landkreises rechtmäßig seien. Die nicht erfolgte Schur stelle nämlich einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, wonach Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen zu pflegen seien. Hinsichtlich der Schafe des Klägers gehöre die jährliche Schur zur erforderlichen Pflege, da diese keinen natürlichen Wollwechsel aufwiesen. Andernfalls drohe ein Verfilzen des Vlieses, wodurch das Wärmeregulationsempfinden der Tiere empfindlich gestört werde. Um derartige Verstöße gegen das Tierschutzgesetz künftig zu vermeiden, sei die tierschutzrechtliche Anordnung notwendig, so die Richter.

Und weiter: Der angeordnete Zeitpunkt der Schur, im Zeitraum Mitte Mai bis Ende Juni, entspreche den wissenschaftlichen Erkenntnissen und stelle sicher, dass die Schafe den jeweiligen klimatischen Bedingungen am besten begegnen könnten. Die vor Erlass der tierschutzrechtlichen Anordnung am 1. August 2018 durchgeführte Nachkontrolle sei vor diesem Hintergrund erforderlich gewesen, um die bei der vorigen Kontrolle festgestellten tierschutzrechtlichen Verstöße zu kontrollieren, weshalb der Kläger auch diese Gebühren und Auslagen zu tragen habe.