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Schwerer Sturz bei Firmenlauf: War das ein Arbeitsunfall?

Arbeitsunfall oder Lebensrisiko : Schwerer Sturz mit Armbruch bei Firmenlauf: War das ein Arbeitsunfall oder nicht?

Gemeinsam ist Sport bei einem Firmenlauf besonders schön. Aber Achtung: Wer bei einem solchen Lauf mitmacht, der tut dies laut Sozialgericht unter Umständen auf eigenes Risiko. Ein Sturz ist dann kein Arbeitsunfall.

Das Sozialgericht Dortmund hat entschieden, dass die Teilnahme an einem großen Firmenlauf keinen Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung begründet. Ein Arbeitnehmer habe deshalb im Falle eines Unfalls bei einem für eine Vielzahl von Firmen und Einrichtungen organisierten Firmenlauf keinen Anspruch auf Entschädigungsleistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung (Az.: S 17 U 237/18).

Im konkreten Fall ging es um eine Mitarbeiterin eines Jobcenters. Sie nahm zusammen mit 80 Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen an einem von einem privaten Veranstalter organisierten, insgesamt 10.000 Menschen umfassenden Firmenlauf teil. Dabei stürzte sie und erlitt eine Fraktur des rechten Handgelenks. Die zuständige Berufsgenossenschaft lehnte die Anerkennung eines Arbeitsunfalles jedoch ab, da es sich bei dem Firmenlauf weder um Betriebssport noch um eine Gemeinschaftsveranstaltung des Jobcenters gehandelt habe.

Die betroffene Frau wehrte sich mit einer Klage beim Sozialgericht. Ohne Erfolg. Nach Auffassung des Sozialgerichts Dortmund hat die Klägerin keinen Anspruch auf Feststellung, dass das Ereignis beim Firmenlauf ein Arbeitsunfall gewesen sei. Denn: Die Betroffene habe den Unfall nicht bei der Ausübung ihrer Beschäftigung als solcher erlitten. Sie habe den Unfall auch nicht bei einer Aktivität erlitten, die mit ihrer Beschäftigung in engem rechtlichen Zusammenhang stehe.

Begründung: Die Betroffene habe bei der unfallbringenden Tätigkeit insbesondere nicht an einem (versicherten) Betriebssport teilgenommen. Ein solcher Betriebssport müsse Ausgleichs- und nicht Wettkampfcharakter besitzen, so die Richter. Der Sport müsse diesen Ausgleichszweck durch eine Regelmäßigkeit anstreben. Dieses Merkmal treffe auf den einmal jährlich stattfindenden Firmenlauf, welcher auch durch einen Wettkampfcharakter geprägt sei, nicht zu.

Außerdem habe es sich bei der unfallbringenden Tätigkeit auch nicht um eine betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung gehandelt. Maßgebend für eine Einordnung als Gemeinschaftsveranstaltung sei das vom Arbeitgeber verfolgte Ziel, mit der Veranstaltung die Betriebsgemeinschaft zu fördern. Auch dies treffe auf den Firmenlauf nicht zu. Zwar habe der Arbeitgeber die Klägerin durch bestimmte Fördermaßnahmen bei der Teilnahme am Firmenlauf unterstützt. Nach dem Vortrag der Klägerin habe ihr Arbeitgeber die Veranstaltung beworben und genehmigt, zudem habe er Trikots gestellt und die Startgebühr entrichtet.

Bei der Veranstaltung habe es sich – so das Sozialgericht Dortmund in der weiteren Urteilsbegründung – jedoch nicht um eine Veranstaltung des Jobcenters gehandelt. Der Firmenlauf sei von einem privaten Veranstalter für eine Vielzahl anderer Firmen und deren Beschäftigten organisiert worden. Es habe sich um eine groß angelegte Veranstaltung gehandelt, die eine Anzahl von Laufteilnehmern angezogen habe, von denen die Läuferinnen und Läufer der Einrichtung der Klägerin nicht einmal ein Prozent ausgemacht haben. Entsprechend könne dem Firmenlauf nicht der Charakter eines Events zum besseren Kennenlernen und Verstehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters beigemessen werden. Der Lauf sei also keine unfallversicherungsrechtlich geschützte Gemeinschaftsveranstaltung gewesen und der Sturz der Klägerin kein Arbeitsunfall. So weit das Sozialgericht in seinem noch nicht rechtskräftigen Urteil.