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Radfahrer ohne Helm riskiert Mitschuld bei Unfall mit Kopfverletzung

Radfahrer ohne Helm riskiert Mitschuld bei Unfall mit Kopfverletzung

Wer ohne Kopfschutz mit dem Fahrrad unterwegs ist, macht dies quasi auf eigenes Risiko. Selbst wenn er/sie verkehrwidrig von einem Auto angefahren und schwer am Schädel verletzt wird, muss die Auto-Versicherung unter Umständen nicht voll haften.

Das Oberlandesgericht Schleswig hat einer Radfahrerin, die keinen Schutzhelm trug, ein Mitverschulden von 20 Prozent angerechnet, nachdem sie bei einem Unfall schwer am Kopf verletzt worden war. Dabei stellten die Richter fest: Wenn ein Radfahrer mit einem anderen Verkehrsteilnehmer (Auto, Radfahrer oder andere) kollidiert und dabei Kopfverletzungen erleidet, die ein Fahrradhelm verhindert oder gemindert hätte, muss er sich ein Mitverschulden anrechnen lassen ( Az.: 7 U 11/12).

Die betroffene Frau war mit ihrem Fahrrad unterwegs zur Arbeit. Sie trug keinen Fahrradhelm. Am rechten Fahrbahnrand parkte ein Auto. Dessen Halterin öffnete unmittelbar vor der Radfahrerin von innen die Fahrertür. Die Frau auf dem Rad hatte keine Chance. Sie konnte nicht mehr ausweichen, fuhr gegen die Fahrertür und stürzte zu Boden. Dabei fiel sie auf den Hinterkopf und zog sich schwere Schädel-Hirnverletzungen zu. Sie musste zwei Monate im Krankenhaus bleiben und danach in ambulante Behandlung. Die Frau meinte daraufhin, dass die Halterin des Autos und deren Kfz-Haftpflichtversicherung in vollem Umfang Schadensersatz und Schmerzensgeld zahlen müssen. Die Autofahrerin und ihre Versicherung verteidigten sich damit, dass die Fahrradfahrerin ein Mitverschulden an den schweren Kopfverletzungen treffe, weil sie keinen Helm getragen habe.

Dieser Sichtweise schlossen sich die Richter teilweise an. Sie stellten fest: Die Fahrradfahrerin treffe ein Mitverschulden an den erlittenen Schädelverletzungen, weil sie keinen Helm getragen und damit Schutzmaßnahmen zu ihrer eigenen Sicherheit unterlassen hat (Verschulden gegen sich selbst). Zwar bestehe für Fahrradfahrer nach dem Gesetz keine allgemeine Helmpflicht.

Fahrradfahrer seien heutzutage jedoch im täglichen Straßenverkehr einem besonderen Verletzungsrisiko ausgesetzt. Auf Grund der Fallhöhe vom Sattel aus, der fehlenden Möglichkeit, sich abzustützen (die Hände stützen sich auf den Lenker, der keinen Halt bietet) und ihrer höheren Geschwindigkeit, gegenüber Fußgängern, seien Radfahrer besonders gefährdet, Kopfverletzungen zu erleiden. Gerade dagegen solle und könne ein Helm schützen. Und besonders teuer seien geeignete Helme auch nicht. Deshalb kann nach Einschätzung der Richter nach dem heutigen Erkenntnisstand grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass ein verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens beim Radfahren einen Helm tragen wird, soweit er sich in den öffentlichen Straßenverkehr begibt. Und wenn ein Radfahrer dies nicht tut, dann muss er sich unter Umständen ein Mitverschulden in eigener Sache anrechnen lassen. red/wi