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Krank und einsam: Mutter darf ihren Sohn (8) in Reha begleiten

Krank und einsam: Mutter darf ihren Sohn (8) in Reha begleiten

Wer nicht alleine in Kur kann, der hat oft ein Problem mit den Kosten für seine Begleitperson. Die muss die Rentenkasse nämlich nur übernehmen, wenn es medizinische Gründe gibt.

Gießen. Die Mutter eines achtjährigen Sohnes darf den Jungen in eine Kur begleiten. Das Sozialgericht Gießen hat die Deutsche Rentenversicherung Bund in einem Eilverfahren verpflichtet, die Kosten für die Unterbringung der Mutter während der Rehabilitationsmaßnahme zu übernehmen (Az.:S 4 R 284/11).

Die Rentenversicherung hatte in dem vom Rechtsportal Juris veröffentlichten Fall dem Jungen, der an Neurodermitis und psychischen Störungen leidet, eine sechswöchige Kur in einer bayrischen Fachklinik für Kinder und Jugendliche bewilligt. Seine Mutter wandte sich danach an die Rentenversicherung und bat darum, ihren Sohn begleiten zu dürfen. Sie begründete dies damit, allein wäre für ihren Sohn die Reha nicht möglich, es sei ansonsten mit weiteren gesundheitlichen Problemen zu rechnen. Ihr Sohn habe starke Ängste und deswegen eine ambulante Psychotherapie begonnen. Die Therapeutin habe empfohlen, im schlimmsten Fall die Reha-Maßnahme nicht anzutreten. Außerdem verwies die Mutter auf eine Bescheinigung des Kinderarztes, in der dieser ohne Anwesenheit der Mutter eine Gefährdung des Kurerfolges annahm. Zudem legte die Frau eine weitere befürwortende Bescheinigung ihrer Hausärztin vor.

Aber die Rentenversicherung lehnte den Antrag auf Übernahme der Unterbringungskosten unter Hinweis auf ihre Richtlinien zur Kinderheilbehandlung ab. Kosten für die Mitnahme eines Elternteils würden danach von ihr bei Kindern im Vorschulalter und ansonsten nur in besonders gelagerten Ausnahmefällen, beispielsweise bei schwerstbehinderten Kindern, übernommen. Außerdem sei eine Begleitung durch ein Elternteil wegen der guten Betreuung in der Fachklinik nicht erforderlich.

Das Sozialgericht Gießen sah dies völlig anders und gab dem Antrag der Mutter statt. Begründung: Nach den Richtlinien reichten medizinische Gründe aus, um die Unterbringung einer Begleitperson zu ermöglichen. Eine Begrenzung auf schwerstbehinderte Kinder lasse sich diesen Richtlinien nicht entnehmen. Und die erforderlichen medizinische Gründe lägen im konkreten Fall vor, so das Gericht weiter. Der Stellungnahme des Kinderarztes komme insoweit ein besonderes Gewicht zu, da dieser als Facharzt für Kinder-und Jugendheilkunde über besondere Sachkunde verfüge. red/wi