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Kindergeld für Studenten: Semestergebühren sind als Mehraufwendungen abziehbar

Kindergeld für Studenten: Semestergebühren sind als Mehraufwendungen abziehbar

Gute Nachricht für die Eltern von Studenten: Die verpflichtenden Ausgaben für ein Semesterticket sind bei der Berechnung eines möglichen Kindergeldanspruchs zu beachten.

München. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass im Studium verpflichtend zu entrichtenden Semestergebühren grundsätzlich insgesamt als abziehbarer ausbildungsbedingter Mehrbedarf zu qualifizieren sind. Dies gilt nach dem bei Juris veröffentlichten Urteil auch, wenn der Studierende durch Zahlung der Semestergebühren privat nutzbare Vorteile wie Semesterticket für den Nahverkehr erlangt (Az.:III R 38/08).

In dem vom BFH entschiedenen Fall begehrte der Kläger für seinen an der Universität studierenden Sohn Kindergeld. Die beklagte Familienkasse lehnte dies ab, weil die vom Sohn erzielten Einkünfte den maßgeblichen Jahresgrenzbetrag überschritten hätten. Dabei ließ die Familienkasse die vom Sohn bezahlten Semestergebühren, die zur Fortsetzung des Studiums verpflichtend zu entrichten waren, nicht zum Abzug zu. Der Vater klagte und bekam vor dem Finanzgericht in erster Instanz Recht. Das Gericht betonte, die Semestergebühren seien insgesamt als ausbildungsbedingter Mehrbedarf abziehbar, so dass die Einkünfte des Sohnes nicht über dem maßgeblichen Jahresgrenzbetrag lägen.

Der Bundesfinanzhof ist dieser Ansicht gefolgt. Er lehnte die Auffassung der Verwaltung ab, wonach die Semestergebühren als Mischkosten zu beurteilen sind und darin enthaltene Einzelpositionen nur dann abgezogen werden können, wenn die erhebende Institution diese getrennt ausweist. Die Semestergebühren stellen - so der BFH - insgesamt ausbildungsbedingte Mehraufwendungen dar, weil der Studierende diese Gebühren in voller Höhe zwingend entrichten muss.
Es liege auch keine schädliche private Mitveranlassung vor, sofern der Studierende privat nutzbare Vorteile (wie ein Semesterticket) erlange. Maßgeblich hierfür sei, dass der Studierende nicht frei über den Erwerb solcher mit der Semestergebühr entgoltener Leistungen entscheiden könne. Schließlich stehe dem Abzug der Kosten für ein in der Semestergebühr enthaltenes Semesterticket auch nicht entgegen, dass die Kosten des Studierenden für die Fahrten zwischen seiner Wohnung und der Universität bereits mit den Sätzen der Entfernungspauschale berücksichtigt würden. Die Abgeltungswirkung der Entfernungspauschale greife in einem solchen Fall nicht ein, weil die Aufwendungen für ein Semesterticket nicht durch die Fahrten zwischen Wohnung und Universität veranlasst seien. red/wi