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Eltern können Kosten für Internat in Schottland von Steuer absetzen

Eltern können Kosten für Internat in Schottland von Steuer absetzen

Eltern können die Kosten für den Internatsbesuch eines hoch begabten Kindes in Schottland von der Steuer absetzen, wenn dieser Schulbesuch medizinisch angezeigt ist. Das hat der Bundesfinanzhof in München entschieden.

München. Die obersten deutschen Finanzrichter stuften die Ausgaben für ein Eliteinternat in Schottland als außergewöhnliche Belastungen der Eltern ein, die steuerlich zu berücksichtigen sind. (Az.: 2011 VI R 37/10). Basis dafür sei Paragraf 33 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes. Danach wird die Einkommensteuer auf Antrag ermäßigt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsläufig größere Aufwendungen als der überwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverhältnisse, gleicher Vermögensverhältnisse und gleichen Familienstands (außergewöhnliche Belastung) erwachsen. Hierzu gehören insbesondere Krankheitskosten und zwar auch dann, wenn sie der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen, unter der ein unterhaltsberechtigtes minderjähriges Kind des Steuerpflichtigen leidet.

Im Streitfall wechselte der Sohn der Kläger, bei dem ein Intelligenzquotient von 133 festgestellt worden war, von der zweiten in die vierte Grundschulklasse. Anschließend besuchte er ein Gymnasium. Auf Grund von Verhaltensauffälligkeiten empfahl sowohl der Allgemeine Sozialdienst als auch die Hausärztin des Kindes den Besuch einer Hochbegabtenschule in Schottland. Da eine solche Schule für die Altersgruppe, in der sich das Kind in den Streitjahren befand, in Deutschland nicht verfügbar war, sei die Unterbringung in Schottland therapeutisch notwendig, um der Fehlentwicklung des Kindes entgegen zu wirken und eine bleibende seelische und soziale Schädigung zu verhindern. Ein nachträglich hinzugezogener Amtsarzt bestätigte diese Diagnose.

In ihren Einkommensteuererklärungen für die Jahre 2001 und 2002 machten die Kläger Schul- und Internatskosten in Höhe von 51.616 Mark (2001) und in Höhe von 23.457 Euro (2002) erfolglos als außergewöhnliche Belastungen geltend, weil die medizinische Notwendigkeit der Internatsunterbringung des Kindes nicht durch ein zuvor erstelltes amtsärztliches Attest nachgewiesen worden war. Finanzamt und Finanzgericht winkten ab.

Die Familie zog daraufhin vor den Bundesfinanzhof (BFH). Der hob die Vorentscheidung auf und schickte die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Finanzgericht (FG) zurück. Begründung: Der Nachweis einer Krankheit und der medizinischen Indikation der Behandlung nach der neuen BFH-Rechtsprechung müsse nicht mehr zwingend durch ein vor Beginn der Behandlung eingeholtes amts- oder vertrauensärztliches Gutachten bzw. Attest eines öffentlich-rechtlichen Trägers geführt werden. Er könne vielmehr auch noch später und durch alle geeigneten Beweismittel geführt werden. Deshalb werde das Finanzgericht nun zu prüfen haben, ob der Besuch der schottischen Schule wegen der Hochbegabung des Kindes medizinisch angezeigt war. In einem solchen Fall können die geltend gemachten Kosten unmittelbare Krankheitskosten sein. Dies gilt dann auch für Kosten einer auswärtigen der Krankheit geschuldeten Internatsunterbringung, selbst wenn diese zugleich der schulischen Ausbildung dient. red/wi