Urteil: Wanderwege müssen im Winter nicht durchgängig gestreut werden

Zu Fuß im Winter unterwegs : Wandern in der kalten Jahreszeit: Wege müssen nicht durchgängig gestreut werden

Viele Wanderer mögen die kalte Jahreszeit. Dann ist es ruhig und man kann gut durchatmen. Aber Achtung: Die Wege können glatt sein. Denn auch ausgewiesene Wanderwege müssen nicht durchgängig gestreut werden.

Wanderer können im Winter auf unbefestigten Wald- und Feldwegen nicht damit rechnen, dass diese durchgängig gestreut werden und damit gefahrlos benutzt werden können. Das hat das Landgericht Coburg laut Rechtsportal Juris entschieden (Az.: 24 O 15/19).

Im konkreten Fall ging es um eine Frau, die Ende Februar 2018 auf einem öffentlich beworbenen Wanderweg auf das Plateau eines Berges gewandert war. Laut Juris lag der benutzte Weg lag auf dem Gebiet der später verklagten Stadt. Schon auf dem Hinweg erkannte die Frau, dass der Weg zwar stellenweise gestreut worden war. Man konnte jedoch auch Stellen erkennen, die nicht gestreut und deshalb glatt waren. Auf dem Rückweg stürzte die Betroffene und zog sich dabei erhebliche Verletzungen zu. Dafür machte sie die Stadt verantwortlich.

Sie behauptete vor Gericht, sie sei wegen einer Vereisung des Weges gestürzt. Vor und auch nach der entsprechenden Stelle sei der Weg geräumt und gestreut gewesen. Die glatte Stelle habe sie nicht erkennen können. Der Sturz sei deshalb, trotz der versuchten Unterstützung durch ihren Lebensgefährten, nicht zu vermeiden gewesen. Das sei nicht ihre Schuld gewesen. Wegen der ordnungsgemäßen Räumung und Streuung des Weges zu Beginn ihrer Wanderung hätte sie darauf vertrauen dürfen, dass der gesamte Weg ausreichend gesichert sei. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Die Stadt wies die Verantwortung für den Sturz zurück. Sie verwies darauf, dass ein Winterdienst auf den gesamten unbefestigten Wald- und Feldwegen im Anschluss an einen Ausflugsparkplatz nicht mehr durchgeführt werde. Dies sei auch gar nicht möglich.

Das Landgericht Coburg gab der Stadt Recht und wies die Klage der Frau ab. Nach Auffassung der Richter existiert eine Räum- und Streupflicht nach dem Bayerischen Straßen- und Wegegesetz nämlich nur für Straßen und Wege innerhalb geschlossener Ortschaften. Ein solcher Weg war hier jedoch nicht betroffen. Deshalb sei lediglich die möglich Verletzung einer allgemeinen Verkehrssicherungspflicht zu prüfen gewesen. In diesem Zusammenhang müssten aber nur diejenigen Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden, die erforderlich und zumutbar sind. Eine völlige Gefahrlosigkeit eines Weges müsse hierdurch gerade nicht erreicht werden, so das Gericht.

Im Rahmen der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht sei vielmehr nur denjenigen Gefahren zu begegnen, mit denen ein durchschnittlicher Wanderer im Normalfall gerade nicht rechnen müsse. Die Klägerin habe jedoch angegeben, der Weg sei schon auf dem Hinweg zum Bergplateau immer wieder stellenweise glatt gewesen. Schon allein deshalb musste sie nach Auffassung des Landgerichts auch auf dem Rückweg mit glatten Passagen rechnen, entsprechend vorsichtig sein und sich zur Vermeidung eines Sturzes eben notfalls auch auf dem "Hosenboden" fortbewegen.

Auch die Argumentation der Klägerin, sie habe notgedrungen den Rückweg talwärts antreten müssen, auf dem sie letztendlich stürzte, ließ das Landgericht nicht gelten. Nach diesem Vortrag hätte die Klägerin vielmehr schon vom Hinweg absehen müssen, nachdem sie erkannt hatte, dass der Weg entgegen ihrer Vermutung gerade nicht durchgängig geräumt und gestreut war. Weil sie sich aber dennoch zum weiteren Aufstieg entschlossen hatte, blieben der Sturz auf dem Rückweg und seine Folgen ihr eigenes Risiko. Die Stadt müsse dafür nicht aufkommen. So das Landgericht Coburg. Das Urteil ist rechtskräftig.