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Urteil: Hundehalter haftet, wenn er das Tier nicht unter Kontrolle hat

Wichtiges Urteil für Tierfreunde : Tiere als Gefahr: Wer Hund oder Katze nicht unter Kontrolle behält, muss für Schäden haften

Wer ein Tier hält, der muss auch ohne persönliches Verschulden für die typischen Risiken der Tierhaltung gerade stehen. Dazu gehört auch das Ausbüxen eines Vierbeiners nebst Radau, Unfall und Verletzung von Menschen.

Wer ein Auto fährt, der muss die so genannte Betriebsgefahr tragen. Er haftet also - meist abgedeckt durch eine Haftpflichtversicherung - für Schäden aus dem Betrieb des Fahrzeugs. Etwas ähnliches gibt es auch bei der Haltung von Tieren. Dazu hat das Oberlandesgericht Koblenz im Fall eines Hundehalters klargestellt: Das unkontrollierte Umherlaufen von Hunden als Reaktion auf das Zusammentreffen mit anderen Hunden stelle eine typische tierische Verhaltensweise dar. Deshalb müsse der Hundehalter (anteilig) haften, wenn infolge eines solchen „Hundegetümmels“ ein Schaden entsteht (Az.: 12 U 249/18).

Der Vorfall, über den der 12. Zivilsenat zu entscheiden hatte, ereignete sich, als die betroffene Klägerin ihre beiden Jack-Russell-Terrier an der Leine ausführte und das Grundstück des Beklagten passierte. Dort lief plötzlich der Hund des Beklagten vom Grundstück hinunter und auf die beiden Terrier zu. In der Folge entstand zwischen den Hunden ein „Getümmel“, in dem die Klägerin stürzte, während sie weiterhin die Leinen ihrer Hunde festhielt. Die Frau zog sich bei dem Sturz eine Radiuskopffraktur im Bereich des Ellbogens zu. Wegen der erlittenen Verletzung und der hiermit einhergegangenen Einschränkungen klagte sie auf Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von mindestens 6.000 Euro.

Vor dem Landgericht in erster Instanz machte die Klägerin geltend, ihr Sturz sei durch den heranstürmenden Hund des Beklagten verursacht worden. Der Beklagte konterte unter anderem damit, dass die Klägerin sich in den Leinen der eigenen Hunde verheddert und dadurch gestürzt sei. Damit hatte er in erster Instanz Erfolg. Das Landgericht wies die Klage der Verletzten mit der Begründung ab, der Frau sei es nicht gelungen darzulegen, dass der Sturz auf das Verhalten des Hundes des Beklagten zurückzuführen sei. Vielmehr sei nicht auszuschließen, dass sich lediglich ein allgemeines Lebensrisiko beim Sturz der Frau verwirklicht habe. Damit argumentierte das Landgericht mit der im Zivilrecht geltenden Grundsatzregelung beim Geltendmachen von Schadensersatz. Danach muss jemand, der etwas von einem anderen fordert, darlegen und beweisen, dass der andere für den Schaden verantwortlich ist.

Mit dieser Argumentation war das Oberlandesgericht in zweiter Instanz nicht einverstanden. Es gib nämlich auch Ausnahmen von der beschrieben Grundregel - beispielsweise beim Betrieb von Autos oder dem Halten von Tieren. In diesen Ausnahmefällen wird argumentiert, dass jemand, der eine besondere Gefahr für andere schafft auch für deren Risiken gerade stehen muss.

Im konkreten Fall folgerte das Oberlandesgericht daraus: Es sei unschädlich, dass die Klägerin nicht eingrenzen könne, weshalb sie letztlich zu Fall kam. Entscheidend sei, dass der Hund des Beklagten Auslöser des „Getümmels“ und der Sturz unmittelbare Folge dieses „Getümmels“ gewesen sei. Damit habe sich bei dem Sturz die von dem Hund ausgehende so genannte Tiergefahr realisiert, das heißt die in dem unberechenbaren, instinktgesteuerten Verhalten des Tieres liegende Gefahr. Denn das unkontrollierte Umherlaufen von Hunden als Reaktion auf das Zusammentreffen mit anderen Hunden stelle eine in vorgenanntem Sinne typische tierische Verhaltensweise dar. Allerdings müsse sich die Klägerin die von ihren eigenen Hunden ausgehende und mitursächlich gewordene Tiergefahr anspruchsmindernd anrechnen lassen, so das Oberlandesgericht. Die Höhe dieses Mitverschuldens sei im konkreten Fall mit einem Drittel zu bewerten, so die Oberrichter. Ihre Entscheidung ist rechtskräftig.