Tagung: Künstliche Intelligenz als Chance und Risiko für die Justiz

28. EDV-Gerichtstag in Saarbrücken : Künstliche Intelligenz und Justiz: Der Mensch muss die Kontrolle behalten

Smartphone, künstliche Intelligenz, Elektronische Daten-Verarbeitung. Die Auswirkungen der digitalen Revolution sind überall. Aber was bedeutet das für den Staat, für die Justiz, für die Bürger? Darum geht es beim 28. EDV-Gerichtstag in Saarbrücken.

Die Welt ändert sich in atemberaubender Geschwindigkeit - und wir sind mittendrin. Das macht vielen Menschen Angst. Sie fürchten sich vor der Globalisierung, vor der modernen Digitaltechnik und vor vielen anderen Dingen. Gegen diese Angst hilft Wissen. Wer in einem konkreten Feld Bescheid weiß, der kann dort die Dinge einordnen. Er kann Chancen und Risiken abwägen. Und auf der Basis dieser Abwägung lässt sich Zukunft gestalten. Stück für Stück in vielen Bereichen. Genau darum geht es alljährlich beim EDV-Gerichtstag in Saarbrücken.

Unter dem Motto „Digitalisierung und Recht - Herausforderungen und Visionen“ treffen sich dabei in diesem Jahr an der Universität des Saarlandes rund 950 Juristen und IT-Experten aus Deutschland und der Welt. So viele Teilnehmer wie beim 28. EVD-Gerichtstag zwischen dem 18. und 20. September 2018 gab es noch nie. Sie stammen aus der Justiz, der Verwaltung, der Polizei, der Politik und der Wissenschaft. Es geht ihnen darum, die Zukunft der Justiz im Rahmen der rasant fortschreitenden technischen Entwicklung positiv und im Interesse der Allge+meinheit zu gestalten. Einer der Schwerpunkte in diesem Jahr wird beim Thema Künstliche Intelligenz - kurz KI - liegen.

Denn diese KI macht den Einzelnen und sein Verhalten zunehmend berechenbar und vorhersehbar. KI-Systeme verarbeiten massenhaft Daten aus verschiedenen Quellen - auch von Smartphone-Apps und aus sozialen Netzwerken. Sie werden von Versicherungen, von Werbeunternehmen oder Firmen und von Staatsorganen genutzt. Sie erstellen Beurteilungen darüber, ob jemand einen Kredit bekommt, ob jemand krank wird, ob jemand kriminell wird oder ob an einem bestimmten Ort ein Verbrechen bevorsteht. Und wenn die Lampe im Kontrollraum zu einer bestimmten Zeit an einem Ort auf der Landkarte blinkt, dann schickt KI einen Streifenwagen mit Polizisten dort hin. Aber wer kontrolliert diese KI? Wer schützt die Daten? Und vor allen Dingen: Wie behält der Mensch die Kontrolle?

Fragen wir diese stehen im Mittelpunkt des vom gleichnamigen Verein veranstalteten Deutschen EDV-Gerichtstages. Seit 28 Jahren treffen sich die Experten auf dem Saarbrücker Campus zu diesem bundesweit größten Fachkongress seiner Art nebst Begleitausstellung von rund 50 Firmen mit Produkten zum Thema IT und Recht. In einer Reihe von Vorträgen und Arbeitsgruppen werden die einzelnen Themen abgearbeitet. Im Eröffnungsvortrag wird der Bundesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Ulrich Kelber, sich speziell mit den Herausforderungen durch Künstliche Intelligenz für den Datenschutz befassen. Ein weiterer Schwerpunkt wird die automatische Aufzeichnung und Verschriftung von mündlichen Verhandlungen in Strafprozessen sein. Oder die dreidimensionale Rekonstruktion von Örtlichkeiten bei Straftaten, die Polizisten eine nachträgliche Begehung des Tatortes ermöglicht. Oder die Frage, mit welchen technischen Einrichtungen sich Hass-Mails und Posts in sozialen Netzwerken und anderswo besser sichern und somit zur Basis einer möglichen Strafverfolgung machen lassen.

Diese Wechselwirkungen im Datenaustausch zwischen Bürgern und Behörden sind voller Chancen und Risiken. Sie erleichtern die Teilhabe des Einzelnen am Rechtssystem und erhöhen so seinen Schutz. Gleichzeitig sind sie aber auch ein Einfallstor für Angriffe aus dem Cyberraum oder gar durch technische Einrichtungen und Sicherheitslücken in den benutzten Geräten. Hier sollen die wichtigen Daten geschützt und mögliche Angriffe darauf möglichst minimiert werden. Das bedeutet unendlich viel Detailarbeit - immer und immer wieder.

Auch das ist eines der Spezialgebiete der Experten des EDV-Gerichtstages. Es geht ihnen um den großen Überblick und um die daraus abgeleiteten, kleinen und praktikablen Lösungen im Detail. Oder mit den Worten von Professor Dr. Stephan Ory, dem Vorsitzenden des Vereins Deutscher EDV-Gerichtstag: Man dürfe sich bei der Beschäftigung mit den moderner Technik nicht im Klein-Klein verlieren. Das passiere zwar ganz schnell. Man müsse aber dennoch immer auch den strategischen Ansatz im Auge behalten. Das sei ganz wichtig. Es gehe darum, die moderne Technik sinnvoll und im Interesse der Allgemeinheit zu nutzen.

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