Pizza-Freund nach Einbruch in sein Lieblingsrestaurant verurteilt

Einbrecher zu Bewährungsstrafe verurteilt : Pizza-Freund bricht in Lokal ein: Am nächsten Tag kommt er zum Essen und gibt eine Runde

Seine Liebe zur italienischen Küche wurde einem Mann (21) zum Verhängnis. Erst machte er Schulden in seiner Lieblings-Pizzeria. Dann brach er in das Lokal ein und knackte die Spielautomaten. Am Tag danach kam er wieder, zahlte seine Schulden - und gab eine Runde!

Vom Amtsgericht München kommt ein Strafurteil in einem echt schrägen Fall. Motto: Wer die Rechnungen seiner Lieblingspizzeria ausgerechnet mit dem Geld begleichen will, das er bei einem Einbruch in die Pizzeria erbeutet hat, der hat etwas falsch gemacht und muss dafür mit seiner Freiheit bezahlen. Die zuständige Strafrichterin hat dementsprechend einen arbeitslosen Koch (21) nach fast zweieinhalb Monaten in Untersuchungshaft wegen Diebstahls und Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss der gebürtige Serbe für den entstandenen Schaden gerade stehen.

Nach Feststellung des Gerichts brach der Angeklagte am 20. April 2019 zwischen 2.00 und 2.30 Uhr nachts gewaltsam in die Pizzeria gegenüber seiner Wohnung ein. Er trat dabei ein Fenster nach innen, so dass die Scharniere des Fensters abbrachen. In der Gaststätte brach er zwei versperrte Spielautomaten auf und entwendete die Geldkassetten, in denen sich mindestens 2500 Euro Bargeld befanden. Es entstand insgesamt ein Sachschaden in Höhe von mindestens 1.500,00 Euro.

Der Angeklagte kannte die Pizzeria gut. Er war dort bislang als ein zahlungsunfähiger Gast in Erscheinung getreten, der anschreiben ließ. Am Tag nach dem Einbruch war er erneut zu Gast in dem Restaurant. beglich seine Schulden, lud großzügig auf „seine“ Kosten andere Gäste zu Speisen und Getränken ein und spielte an den Automaten. Der Wirt, der nach dem Einbruch auf verdächtige Gäste achtete, rief die Polizei. Bei seiner ersten Vernehmung am gleichen Tag verwickelte sich der 21-Jährige in Widersprüche. Bei der anschließenden Hausdurchsuchung wurden die Geldkassetten und 1092 Euro aus der Tatbeute in seiner Wohnung gefunden. Der Mann kam in Untersuchungshaft.

Vor Gericht räumte er die Tat ein. Er sei Gastronom und nach Deutschland gekommen, um mehr Geld zu verdienen. In Serbien bekomme er nur 300 Euro im Monat. Aber hier habe es mit der Arbeit nicht geklappt. Deshalb habe er kein Geld gehabt und sei eingebrochen. Die Beute habe er großteils ausgegeben, unter anderem in der Pizzeria und für Drogen. In seinem Schlusswort sagte er: „Ich möchte mich entschuldigen, auch beim Geschädigten. Ich werde mich dankbar zeigen, wenn ich eine Chance erhalte. Ich will in meine Heimat zurück und ein Leben mit meiner Verlobten haben. Es war eine schwere Lektion.“

Die Richterin gab dem jungen Mann die von ihm erhoffte Chance. Begründung: Nach Abwägung aller für und gegen den Angeklagten sprechenden Umstände erscheine eine Freiheitsstrafe von einem Jahr tat- und schuldangemessen. Diese könne zur Bewährung ausgesetzt werden, da die Sozialprognose günstig erscheine. Der Angeklagte lebe in Serbien in geordneten Verhältnissen und habe vor, dorthin zurückzukehren. Zudem sei er geständig sowie schuldeinsichtig und zeigte sich durch die erlittene Untersuchungshaft glaubhaft beeindruckt. Das Gericht hege daher die begründete Erwartung, dass er sich die bloße Verurteilung als Warnung dienen lassen und zukünftig keine Straftaten mehr begehen wird (Az.: 822 Ds 257 Js 139878/19).

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