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Geschäftsführer wegen 284 000 Euro Schmiergeld zu Bewährungsstrafe verurteilt

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SymbolbildLocation:München FOTO: Andreas Gebert (dpa)
Saarbrücken. Der EX-Chef einer Logistik-Firma soll beim Geschäft mit Leiharbeitern abkassiert haben. Diese Arbeiter wurden seiner Firma von zwei Zeitarbeitsunternehmen vermittelt. Im Gegenzug kassierte der Manager für sich privat bis zu 2,25 Euro Schmiergeld pro Arbeitsstunde.


Das Geld kam Monat für Monat in kleinen Scheinen und steckte meistens in einem Couvert. Innerhalb von drei Jahren soll der frühere Geschäftsführer eines großen Auto-Service und Logistik Unternehmens im Saarland mehr als 284 000 Euro Schmiergeld von zwei Geschäftspartnern kassiert haben. Das Landgericht Saarbrücken hat den heute 60 Jahre alten Manager deshalb wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Als Bewährungsauflage soll der Angeklagte 100 000 Euro an die Landeskasse zahlen.

Der 60-Jährige hatte die Anklagevorwürfe in vollem Umfang eingeräumt. Laut Anklageschrift begannen die Geschäftsbeziehungen zwischen ihm und zwei Zeitarbeitsfirmen im Jahr 2006. Damals war er Geschäftsführer der saarländischen Tochter eines europaweit tätigen Logistikunternehmens, das im großen Stil Dienstleistungen rund um Autos anbietet. Um diese vor Ort zu erbringen wurden Leiharbeiter eingesetzt. Diese Arbeitnehmer kamen ab 2006 unter anderem von zwei Zeitarbeitsunternehmen an deren Spitze ein Ehepaar stand. Die Frau kannte den Angeklagten aus ihrer früheren Tätigkeit für ein anderes Unternehmen. Deshalb kannte sie nach eigener Aussage auch bestimmte Gepflogenheiten im Umgang mit dem Firmenchef. Von daher seien sie und ihr Mann nicht überrascht gewesen, als der Mann ihnen klar machte, dass es Aufträge von seiner Seite nur dann gebe, wenn er persönlich davon profieren würde. Ohne entsprechende Regelung laufe nichts.

Die beiden saarländischen Zeitarbeitsunternehmen ließen sich darauf ein. Zunächst wurden demnach monatliche Festbeträge in Höhe von rund 9000 Euro (7000 Euro per Überweisung und 2000 Euro bar) abgemacht - bei einem angedachten Auftragsvolumen von etwa 40 000 Arbeitsstunden im Jahr. Später wurde das Ganze so geändert, dass der Angeklagte pro überlassenen Arbeitnehmer abhängig vom Einsatzgebiet einen Anteil zwischen 1,75 und 2,25 Euro pro Stunde bekommen sollte. Dabei wurde monatlich genau abgerechnet. Ab dem Jahr 2009 floss das Geld nach Erkenntnis der Ermittler nur noch in bar. Es wurde meistens dem Angeklagten in verschlossenen Couverts von den Eheleuten übergeben. Die hatten es zuvor bei ihrer Bank in kleinen, unauffälligen Scheinen abgehoben.

In dem angeklagten, nicht verjährten Zeitraum zwischen 2010 und 2013 sollen so insgesamt 284 405 Euro an den Angeklagten geflossen sein. Die Höhe der monatlichen Zuwendungen schwankte dabei umsatzabhängig zwischen 950 und 35 000 Euro. Auch als die Unternehmen der Eheleute - deren wichtigster Kunde der Auto-Logistiker war - in Schieflage gerieten, mussten sie weiter zahlen. Das konnte nicht gut gehen. Beide Unternehmen sind seit Ende 2014 und Anfang 2015 insolvent. Außerdem wurden die Eheleute wegen Bestechung im geschäftlichen Verkehr und Steuerhinterziehung zu Bewährungsstrafen von 22 Monaten und 21 Monaten verurteilt.

Die ganze Sache war bei einer Betriebsprüfung der Zeitarbeitsfirmen aufgeflogen. Die Eheleute hatten die Ausgaben zur Klimapflege mit ihrem Hauptauftraggeber nämlich fein säuberlich aufgelistet und dokumentiert, um sie als notwenige Betriebsausgaben beim Finanzamt geltend zu machen. So konnten sie bis zu besagter Prüfung auf Steuererstattungen hoffen. Und als dann die Ermittler kamen, gaben der Mann und die Frau alles zu. Das machte auch der Angeklagte. Diese Geständnisse wirkten bei allen Beteiligten deutlich strafmildernd. Bei dem 60-Jährigen kam noch dazu, dass er rund 300 000 Euro Steuerschulden aus den illegalen Schmiergeld-Einnahmen an sein heimisches Finanzamt in Süddeutschland bezahlt hat. Dort lebt der Mann zwischenzeitlich offenbar von Einnahmen aus Firmenbeteiligungen im familiären Umfeld.