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Gericht: Trotz Corona haben Väter das Recht auf Umgang mit ihrem Kind

Eltern in der Corona-Krise : Gericht: Auch in Zeiten von Corona haben Väter ein Recht auf Umgang mit ihren Kindern

Zum Schutz vor Corona müssen Menschen aus verschiedenen Haushalten Abstand halten. Das leuchtet ein. Aber was passiert mit Kindern, die nach der Trennung der Eltern nur bei einem Elternteil leben? Dürfen sie den anderen Teil nicht mehr besuchen?

Auch die aktuelle Corona-Pandemie mit ihren strengen Umgangs- und Abstandsregeln führt nicht automatisch dazu, dass einem Elternteil der Umgang mit seinem getrennt von ihm lebenden Kind verweigert werden kann. Das hat der 1. Familiensenat des Oberlandesgerichts Braunschweig durch Beschluss vom 20. Mai 2020 (1 UF 51/20) entschieden.

Im konkreten Fall geht es um ein fünf Jahre altes Mädchen. Der Vater des Kindes hatte beim Familiengericht in Braunschweig eine Umgangsregelung erwirkt. Diese Regelung sah Kontakte am Wochenende mit Übernachtungen vor. Dagegen wehrte sich die Mutter. Sie legte Beschwerde zum Oberlandesgericht ein und beantragte hierfür Verfahrenskostenhilfe. Der Antrag hatte keinen Erfolg. Der 1. Familiensenat entschied, dass der Umgang mit dem Vater dem Kindeswohl diene. Die Mutter sei auch nicht berechtigt, die Kontakte aufgrund der Corona-Pandemie zu verweigern. Die Pandemie biete weder einen Anlass, bestehende Umgangsregeln abzuändern, noch den Umgang auszusetzen, so das Fazit des Oberlandesgerichts.

Die Richter weiter zu der Abwägung zwischen den strengen Corona-Abstandsregeln und dem Recht auf Umgang mit dem eigenen Kind: Der entscheidende Punkt sei das Wohl des Kindes. Auch wenn der Vater und das Kind nicht in einem Haushalt leben würden, sei der Umgang deshalb trotz Corona-Regeln nicht verboten. Der Umgang zwischen einem nicht betreuenden Elternteil und seinem Kind gehöre nämlich zu dem absolut notwendigen Minimum zwischenmenschlicher Kontakte.

Etwas Anderes gelte nur dann, wenn der Kontakt aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht möglich sei - etwa wegen Quarantäne, Ausgangssperre oder der nachweislichen Infektion des umgangsberechtigten Elternteils oder eines Angehörigen seines Haushalts mit Covid 19. Dann bestehe die Gefahr einer Infektion des Kindes, die dessen Wohl gefährde oder einschränke. Die Erkrankung des Kindes selbst stehe vor diesem Hintergrund einem Umgang dagegen grundsätzlich nicht zwingend entgegen. Das kranke Kind könne auch von dem zum Umgang berechtigten Elternteil versorgt und gepflegt werden. Ob und wie weit das möglich ist, das wäre dann eine Frage der Bewertung der Umstände des Einzelfalles am Maßstab des Kindeswohls.