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Gericht: Pflicht zum Tragen von „Alltagsmasken“ gilt weiter

Corona im Alltag : Pflicht zum Tragen von „Alltagsmasken“ bleibt bestehen

Der Streit über die Pflicht zum Tragen von Alltagsmasken zum Schutz vor Corona geht weiter. Auch vor den Gerichten wird pro und contra argumentiert. Aber bis auf weiteres bleibt die Maskenpflicht bestehen.

Die Pflicht zum Tragen einer „Alltagsmaske“ zum Schutz gegen Corona gilt weiter. Das hat das Oberverwaltungsgericht Münster gestern per Eilbeschluss entschieden. Die Richter gehen davon aus, dass die in der Coronaschutzverordnung von Nordrhein-Westfalen angeordnete „Maskenpflicht“ voraussichtlich weiterhin rechtmäßig ist. Das genügt in einem Eilverfahren, wo rein technisch das Pro und Kontra einer Maßnahme nicht umfassend diskutiert und mit letzter Sicherheit geklärt werden kann.

Im konkreten Fall wehrt sich ein Mann aus dem Kreis Kleve gegen die Verpflichtung, in bestimmten sozialen Situationen, etwa beim Einkaufen oder bei der Benutzung des Personenverkehrs eine textile Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. Er beanstandet insbesondere, dass die Alltagsmasken ungeeignet seien, Ansteckungsgefahren zu minimieren, da sie die Viren hustender Menschen nicht aufhalten könnten. Auch sei zu befürchten, dass die Maske dazu führe, dass Abstände nicht mehr eingehalten würden. Überdies entstünden Gesundheitsgefahren dadurch, dass die auf dem Markt angebotenen Masken mit Chemikalien belastet seien.

Das Oberverwaltungsgericht hat den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung jedoch abgelehnt. Wie bereits in früheren Entscheidungen hat der zuständige 13. Senat ausgeführt, es sei voraussichtlich nicht zu beanstanden, dass der Verordnungsgeber einer aktuellen Empfehlung des Robert Koch-Instituts gefolgt sei. Danach sei bei dem derzeitigen Erkenntnisstand davon auszugehen, dass auch ggf. privat hergestellte textile Mund-Nase-Bedeckungen eine Filterwirkung auf Tröpfchen und Aerosole entfalten könnten, die zu einer Reduzierung der Ausscheidung von Atemwegsviren über die Ausatemluft führen könne. Hierdurch erscheine es möglich, dass ihr Tragen einen Beitrag zur Verlangsamung der Ausbreitung des von Mensch zu Mensch übertragbaren Coronavirus leiste.

Die Richter weiter: Dass es unter der Vielzahl wissenschaftlicher Meinungen auch andere Stimmen gebe, die eine Wirksamkeit der einfachen Mund-Nase-Bedeckung gänzlich verneinten, stehe dem genannten Ergebnis nicht entgegen. Der Verordnungsgeber habe einen Einschätzungsspielraum. Er verletzte diesen Spielraum grundsätzlich nicht dadurch, dass er bei mehreren vertretbaren Auffassungen einer den Vorzug gebe - so lange er dabei nicht feststehende, mit seiner Sicht nicht vereinbare Tatsachen ignoriere. Vorläufiges Fazit: :Es sei voraussichtlich unbedenklich, wenn der Verordnungsgeber davon ausgehe, dass unbemerkte Übertragungen des Virus allein durch kontaktbeschränkende Maßnahmen nicht hinreichend zu vermeiden seien, weshalb es flankierend zusätzlich des Tragens einer Mund-Nase-Bedeckung bedürfe.

Und zu den vorgetragenen Argumenten gegen das Tragen einer Maske: Der Senat gehe unter Berücksichtigung der aktuellen Erkenntnislage davon aus, dass die Mund-Nase-Bedeckung keine allgemeinen Gesundheitsgefahren für den Träger hervorrufe. Insbesondere sei nicht davon auszugehen, dass sich solche aus der möglichen Schadstoffbelastung der für die Herstellung der Masken verwendeten Textilien ergäben, da insoweit dieselben rechtlichen Vorgaben gelten würden wie bei anderen Kleidungsstücken. Im Übrigen stehe es den Benutzern frei, unter den vorhandenen (schadstofffreien) Masken zu wählen.

Angesichts der anhaltenden Berichterstattung in den Medien zum Schutzzweck der Mund-Nase-Bedeckung sei auch nicht davon auszugehen, dass diese eine „trügerische Sicherheit“ beim Träger hervorriefen, vielmehr dürfte allgemein bekannt sein, dass weitere Schutzvorkehrungen, wie etwa die Einhaltung des Sicherheitsabstands, durch das Tragen der Maske nicht obsolet würden. Schließlich erschienen die damit verbundenen Einschränkungen angesichts des Schutzzwecks hinnehmbar. Die Trageverpflichtung sei räumlich und zeitlich begrenzt. Geeignete Bedeckungen seien üblicherweise in jedem Haushalt vorhanden oder könnten selbst hergestellt bzw. im örtlichen Handel kostengünstig erworben werden. Zudem gebe es Ausnahmebestimmungen, beispielsweise für Personen, die aus medizinischen Gründen keine Mund-Nase-Bedeckung tragen könnten.

So weit das OVG von Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Münster. Der Beschluss ist unanfechtbar (Az.: 13 B 675/20.NE).