Falsche Bewertung auf eBay oder anderswo: Was kann man dagegen tun?

Geschäfte im Internet : Falsche Bewertung auf eBay oder anderswo: Was kann man dagegen tun?

Kaufen und Verkaufen im Internet hat viel mit Vertrauen zu tun. Und dieses Vertrauen stützt sich oft auf die Bewertungen eines Verkäufers durch seine Kunden. Eine falsche Bewertung kann hier viel Schaden anrichten. Dazu unser Rechts-Tipp.

Verkäufer von Waren im Internet müssen falsche Bewertungen des Geschäfts durch ihre Kunden nicht hinnehmen. Sie können sich dagegen wehren. Das ergibt sich aus einem Urteil des Amtsgerichts München. Es hat nach dem Verkauf eines Luxus-Hifi-Verstärkers klargestellt: Die falsche Bewertung der entsprechenden Ebay Transaktion durch den Käufer stelle eine Pflichtverletzung im Rahmen des Kaufvertrags dar. Diese Pflichtverletzung führe zu einem Löschungsanspruch des falsch bewerteten Verkäufers, den dieser vor Gericht durchsetzen könne (Az.: 142 C 12436 /16).

Damit zu den Einzelheiten des Falles aus dem Jahr 2016: Der Verkäufer hatte damals bei eBay einen „Burmester 808 MK 3 Vollausstattung im Best/Neu- Zustand, keine 100 Betriebsstunden“ zum Verkauf angeboten. In der Beschreibung hieß es: „Der 808 MK3 wird in der Originalverpackung geliefert“. Der Käufer erwarb den Hifi-Verstärker zum Preis von 7500 Euro. Das Gerät wurde an ihn mit der Originalverpackung versandt. Der Käufer gab anschließend auf eBay über den Kauf folgende negative Bewertung ab: „Keine Originalverpackung, deshalb ist jeglicher Versand mehr als ein Risiko!!!“. Die Bewertung des Verkäufers insgesamt wurde daraufhin auf dem Portal von 100 Prozent positiv auf 97,1 Prozent herabgesetzt.

Der Verkäufer war damit nicht einverstanden. Er forderte den Käufer mehrfach zur Zurücknahme der Bewertung auf. Der weigerte sich, dies zu tun. Begründung: Der Verstärker sei gegen seinen Willen versandt worden. Er habe dem Verkäufer mitgeteilt, dass er die Ware persönlich abholen oder mit einer Spedition abholen lassen werde. Dennoch sei die Ware verschickt worden - und zwar nicht im aktuellen Karton von Burmester.

Der Verkäufer erhob daraufhin Klage vor dem Amtsgericht München. Der zuständige Richter gab ihm Recht und verurteilte den Käufer dazu, der Entfernung der von ihm abgegebenen negativen Bewertung zuzustimmen. Diese Zustimmung sei konkret in dem von der eBay International AG gestellten Formular „Antrag auf Bewertungslöschung“ zu erklären.

Begründung: Im Rahmen des zwischen den Parteien geschlossenen Kaufvertrags treffe den Käufer die Nebenpflicht, eine wahrheitsgemäße Bewertung im eBay Bewertungsportal über den Verkäufer und die Transaktion abzugeben. Dazu der Richter grundsätzlich: „Wahrheitsgemäße Bewertungen nach einer eBay Auktion sind ein zentrales Informationsinstrument der Internetplattform eBay, da damit anderen potentiellen Käufern Informationen über frühere Käufe und damit Kenntnisse über den Verkäufer, der ansonsten nicht greifbar ist und zuweilen lediglich als beliebiger eBay- Mitgliedsname erscheint, vermittelt werden. Bewertungen stellen damit quasi eine Kundenempfehlung bzw. Warnung dar.“ Daraus ergebe sich ein zentrales Interesse des Verkäufers auf eBay an einer zutreffenden Bewertung. Dies spiegelt sich auch in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von eBay wider. „Danach besteht eine Pflicht zu wahrheitsgemäßen Angaben und sachlich gehalten Bewertungen“.

Das Urteil weiter zum konkreten Fall: Die Bewertung des Käufers „keine Originalverpackung“ sei unzutreffend und falsch gewesen, da es sich tatsächlich um die originale Verpackung gehandelt habe. Außerdem habe sich der Käufer im Rahmen des E-Mail-Verkehrs mit der Versendung der Ware einverstanden erklärt, da er ausdrücklich um die Mitteilung der Sendungsnummer gebeten habe. Der Käufer habe also eine falsche Bewertung abgegeben. Durch die Abgabe der falschen Bewertung sei dem Verkäufer ein Schaden und eine Beeinträchtigung seiner Rechte entstanden. Denn: „Gerade das Bewertungsprofil eines eBay Verkäufers trägt ganz wesentlich dazu bei, ob und wie viele Käufer mitbieten und wie viel damit letztlich als Kaufpreis gezahlt wird.(…) Wird dieses Profil durch eine negative Bewertung beeinflusst, ist darin selbst schon der Schaden zu sehen.(…) Die Bewertung eines Verkäufers ist das Aushängeschild für sein Gewerbe. Negative Bewertungen führen jedoch dazu, dass ein Käufer vom ersten Eindruck abgeschreckt ist und einen Verkäufer mit besseren Bewertungen vorzieht.“

So weit das rechtskräftige Urteil des Amtsgerichts München. Es zeigt, dass und wie man sich gegen falsche Bewertungen im Netz mit Erfolg wehren kann.

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