„Wir können mehr denn je von Einzigartigkeit sprechen“

„Wir können mehr denn je von Einzigartigkeit sprechen“

Seit September 2010 leitet Annette Winkler die Marke Smart. Im Interview mit unserem Mitarbeiter Ingo Reuss gibt die promovierte Wirtschaftwissenschaftlerin Auskunft über die neue Generation des Kleinwagens Smart.

Annette Winkler.
Den neuen Smart wird es auch wieder mit vier Türen geben.

Der Smart Fortwo hat sich in 16 Jahren recht mühsam auf dem Markt etabliert. Welches sind die wichtigsten Fortschritte, die das neue Modell gegenüber seinem Vorgänger zeigt?

Annette Winkler: Von mühsam etabliert kann keine Rede sein; wir haben rund 1,6 Millionen Smart Fortwo verkauft und sind darauf durchaus stolz. Nun folgt das neue Modell des Zweisitzers, zu dessen Vorzügen weiterhin das besonders günstige Verhältnis von Innenraumgröße zu den Außenmaßen auf parkfreundlichen 2,69 Metern Länge gehört. Klare Fortschritte sind zum Beispiel unsere neuen Assistenzsysteme und eine verstärkte Sicherheitszelle. In der Breite wächst das Modell um zehn Zentimeter, dadurch steht den Insassen auf den beiden Sitzen mehr Platz zur Verfügung.

Was spricht neben dem Längenmaß und den kurzen Karosserie-Überhängen noch für den Fortwo, der am 21. November auf den Markt kommt?

Winkler: Wir haben auch den Wendekreis auf außergewöhnlich niedrige 6,95 Meter verringert. Ein weiterer Fortschritt sind die neuen sparsamen Dreizylinder-Motoren, die zukünftig Renault an uns liefert, und vor allem das Doppelkupplungsgetriebe, das auf Wunsch anstelle des serienmäßigen Fünfgang-Schaltgetriebes eingebaut wird. In der Basis wird also der Fortwo erstmals manuell geschaltet.

Mit dem neuen Smart Fortwo verbinden Sie weiterhin den Anspruch der Einzigartigkeit? Gilt das auch für den neuen Forfour?

Winkler: Ja, beim Fortwo können wir mehr denn je von Einzigartigkeit sprechen. Viele der Besonderheiten des Fortwo haben wir auf den Forfour übertragen. Der Viersitzer basiert auf dem Zweisitzer, ist jedoch 80 Zentimeter länger und bietet mehr Flexibilität und Platz für Familien samt Gepäck. Die beiden hinteren Sitze können umgeklappt werden, das Gepäckraumvolumen wächst dann von 255 Liter auf 975 Liter.

Entspricht die angepeilte Kundschaft weitgehend der jetzigen?

Winkler: Beim Fortwo in jedem Fall. Unsere Zielgruppe reicht von den 18-Jährigen bis hinauf ins hohe Alter. Die Hälfte der Kundschaft sind Männer, die andere Hälfte Frauen, und zwar fast klassenlos.

Welchen Verkaufsmix erwarten Sie zwischen dem Zweitürer Fortwo und dem Viertürer Forfour?

Winkler: Der Fortwo ist die Säule unserer Marke. Wir erwarten etwa zwei Drittel der Nachfrage beim Zweisitzer und etwa ein Drittel beim Viersitzer.

Der letzte Forfour war nicht erfolgreich, er wurde 2006 eingestellt. Wurden Fehler beim Konzept, der Markteinführungskampagne oder der Preisgestaltung gemacht?

Winkler: Das war vor meiner Zeit bei Smart, dazu kann ich wenig sagen. Der neue Viersitzer ist nur 660 Euro teurer als der Zweisitzer. Dafür bekommt der Kunde bei anderen Modellen noch nicht einmal zwei weitere Türen. (Der Fortwo kostet ab 10 895 Euro, d. Red.) Früher war dieser Preisabstand deutlich größer. Ein weiterer Vorteil für beide neuen Smart ist der platzsparende Heckmotor - ein wichtiges Argument im Kleinwagen-Segment.

Was hat die Daimler-Tochter Smart bewogen, mit Renault zusammenzugehen? Forfour und Renault Twingo wurden ja gemeinsam entwickelt.

Winkler: Beide Marken haben viel Erfahrung mit Kleinwagen , und Renault war sehr offen für ein Fahrzeug mit Heckantrieb . Nur damit konnten wir die sehr geringen Außenmaße bei guten Innenraumverhältnissen konstruieren. Beide Partner haben großen Wert darauf gelegt, dass die unterschiedlichen Produkte ganz typisch für die jeweilige Marke werden. Deshalb sehen die Fahrzeuge völlig unterschiedlich aus und fahren sich auch anders.

Gab es hauptsächlich wirtschaftliche Aspekte für die Kooperation, wobei der Twingo rund 2000 Euro preisgünstiger werden wird?

Winkler: Die Wirtschaftlichkeit in der Entwicklung und Produktion war natürlich wichtig. Gerade im Kleinwagen-Segment ist der Wettbewerb groß, und ohne Kooperation hätten wir unseren Kunden verschiedene Lösungen für die neuen Autos kaum anbieten können.

Wann kommt die Dieselversion und wann die Elektrovariante des Smart Fortwo ?

Winkler: Einen Diesel wird es bei Smart nicht mehr geben, die Nachfrage war zuletzt äußerst gering. Der bisherige Fortwo Electric Drive, der erst vor gut zwei Jahren auf den Markt kam, wird weiter angeboten. 2016 werden wir auch die neue Baureihe mit der nächsten Generation des Elektroantriebs ausstatten. Etwa zeitgleich startet das neue Fortwo Cabrio. Elektrisches Fahren ist perfekt für die Stadt, und deswegen wird es Fortwo und Forfour mit Elektromotor geben.