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Volvo XC40: Ein kleiner Schwede, der Großes leistet

Automobil : Ein kleiner Schwede, der Großes leistet

Der XC40, Volvos kleinstes SUV, wurde zum Auto des Jahres 2018 gekürt. Den Titel hat sich der Kompakte redlich verdient.

Welten liegen zwischen dem bayerisch-biederen München und dem schlampig-charmanten Prenzlauer Berg im ehemaligen Ostberlin. Und es sind knapp 600 Kilometer von dort unten im Süden bis nach Berlin. Mit dem frischgebackenen Auto des Jahres 2018, dem neuen Kompakt-SUV XC40 von Volvo, ist das weder ein Problem noch eine Strapaze.

Dass dieser begehrte Titel zurecht an den jungen Schweden ging, erahnt man auf den ersten Blick: Alles am und im XC40 riecht nach Premium, sieht so aus und fühlt sich dementsprechend hochwertig an. Der nur 4,43 Meter lange, kompakte Volvo fällt mit eigenständigem Design aus dem Rahmen, denn er ist viel kantiger als seine großen Markenbrüder XC60 und XC90. Doch bei intensiverem Kontakt erweist er sich am Ende als typischen Vertreter der schwedischen Marke. Kein Wunder also, dass 60 Fachjournalisten aus 23 Ländern Volvos kleinstes SUV mit großem Vorsprung zum Auto des Jahres gewählt haben.

Der XC40 zeigt zwar wie seine Markenbrüder an der Front „Thors Hammer“, wie Volvo die vordere Leuchtengrafik nennt. Doch ansonsten hebt sich der Wagen vom Volvo-Rest ab, etwa mit einem neu designten Kühlergrill. Anders wirken auch seine markante Einbuchtung an den Seiten sowie das Dach im frischen, zweifarbigen Look. Es verströmt Kompakt-SUV-typisch verspieltes Flair. Patriotischen Humor beweist Volvo mit einem winzigen Schwedenfähnchen, das seitlich zwischen Haube und Kotflügel hervorlugt. Den insgesamt recht massiven Auftritt verstärken bei der besonders sportlichen R-Design-Variante die schicken 18-Zoll-Felgen (Serie: ab 17 Zoll, maximal 21 Zoll).

Das Interieur des XC40 zeigt sich wesentlich jünger und frischer als bei Volvo üblich. Statt edlen Elementen wie Holzdekor und Analog-Uhr geben digitale Instrumente und ein riesiger 12,3-Zoll-Bildschirm im Hochformat den Ton an. Nach einiger Eingewöhnung gibt sich das Infotainmentsystem weitgehend bedienungsfreundlich. Allerdings sind einige Funktionen zu weit in den Tiefen der Menüs versteckt. Zum Ausgleich dafür sind alle Bedienelemente optisch und haptisch auf höchstem Niveau.

Erstaunlich viel Platz bietet der XC40 vorne wie hinten. Selbst Fahrer mit dem Basketball-Gardemaß von zwei Metern finden hinterm Lenkrad bequem Platz. Kopf- und Beinfreiheit stimmen auf den Rücksitzen ebenfalls, und der Langstreckenkomfort ist hervorragend. Das liegt besonders an den Sitzen, die bei schneller Fahrt mit sehr gutem Seitenhalt und Straffheit glänzen, auf weiter Reise aber dennoch mit Dauerkomfort.

Der XC40 ist angenehm leise: Bei 140 km/h meint man, höchstens mit Tempo 80 dahinzurollen. In seinem Stammrevier der städtischen Straßen wieselt der XC40 agil um die Ecken. Man spürt lediglich manchmal, dass er ganz schön Ballast mit sich herumschleppt. Im Vergleich zur allgemeinen Volvo-Linie gibt sich der XC40 insgesamt sportlich-straff, und zwar in jedem seiner Fahrmodi. Anders die Lenkung, die im „Eco“-Modus zu indirekt wirkt. „Comfort“ oder gar „Dynamic“ passen besser zum dynamisch ausgelegten Allrounder.

Im Stadtverkehr wirkt sich die SUV-typische gute Rundumsicht durch die erhöhte Sitzposition sehr positiv aus. Was die relativ breiten hinteren Dachsäulen verdecken, zeigt beim Rangieren oder Einparken die 360-Grad-Kamera am großen Display übersichtlich an. Volvos Start-Stopp-Automatik ist geradezu perfekt.

Der 190-PS-Diesel mit seinen fulminanten Schubkraft von 400 Nm hat etwas mit dem Gewicht von 1,8 Tonnen zu kämpfen, das er in Bewegung halten muss. Deshalb wirkt manchmal die an sich souveräne Achtgang-Automatik unentschlossen. Bei durchschnittlich 120 km/h auf der Autobahn fließen 6,8 Liter pro 100 Kilometer durch die Leitung. Im Gesamtmix aus Stadt, Landstraße und Autobahn kommt man mit 6,4 Liter. Das ist zwar eine relativ deutliche Überschreitung des Normverbrauchs (5,1 Liter Diesel), aber das verzeiht man dem charmanten Schweden wegen seiner vielen Vorzüge.

Insgesamt macht der Volvo XC40 einen sehr guten Eindruck. Er ist vor allem als City-SUV konzipiert, was allein schon seine kompakten Außenmaße zeigen. Wahrscheinlich liegt Volvo ganz richtig mit seiner Auslegung als relativ kurzem Allrounder, der dennoch für weite Strecken taugt. Die Fahrleistungen des D4-Diesel sind in jeder Hinsicht ausreichend für flottes und dennoch sparsames Vorankommen – auch in Kombination mit Allradantrieb und Automatik. Im Feld der Premium-Konkurrenten wie Audi Q3, BMW X1 oder Mercedes GLA dürfte der kleine Schwede künftig eine große Rolle spielen.