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Superlicht und Helmkino fürs Motorrad

Superlicht und Helmkino fürs Motorrad

Mehr Weitblick und Informationen sollen künftig auch das Motorradfahren sicherer machen. Dazu hat BMW ein Motorrad mit Laserlicht-Scheinwerfer und einen Helm mit Head-up-Display vorgestellt. Letzteres soll sogar nachrüstbar sein.

BMW hat das Design des Konzept-Helms an den Retro-Roadster R nineT angepasst.
Das Konzept-Bike K 1600 GTL von BMW ist das erste Motorrad weltweit mit Laserlicht.

Wer rast schon gerne 28 Meter weit blind auf der Landstraße dahin? Weder Auto- noch Motorradfahrer. Deshalb hat BMW nach Automobilen jetzt erstmals auch für Motorräder ein Head-up-Display entwickelt, das ständig wichtige Infos ins Sichtfeld des Fahrers projiziert.

Um Infos wie Tempo, Drehzahl, Ganganzeige oder Warnhinweise wahrzunehmen, muss man nicht mehr auf die Instrumente hinab blicken und somit bei 100 km/h 28 Meter weit im Blindflug dahinrasen.

Den mit Head-up-Display ausgestatteten Helm bezeichnete BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich bei der Weltpremiere in Las Vegas sogar als den "Helm der Zukunft". BMW ist bekannt für Synergieeffekte zwischen Automobil und Motorrad . Das war einst beim ABS der Fall, jüngst beim Toter-Winkel-Warner.

Neben dem Head-up-Display hat die BMW-Motorrad-Sparte auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas eine weitere Neuheit enthüllt: ein Laserlicht, das in Fernlicht-Stellung im Konzept-Bike K 1600 GTL doppelt soweit leuchtet wie bisherige Scheinwerfer. Ein LED-Scheinwerfer kommt auf gut 300 Meter Leuchtweite, Xenonlicht und sehr gutes Halogen-Fernlicht schaffen auch rund 300 Meter. Die neue Laser-Technologie strahlt zehnmal so intensiv wie LED-Scheinwerfer und sorgt bereits in der neuen Luxuslimousine 7er und im Hybrid-Sportwagen i8 für extremen Durchblick. Das Laser-Fernlicht im Tourenmotorrad K 1600 GTL reicht nicht nur 600 Meter weit, sondern leuchtet die Fahrbahn besonders präzise aus und hat eine extrem lange Lebensdauer. Außerdem spart es Platz und ist wartungsfrei.

Derzeit sei zwar die Laserlicht-Technologie in einem Motorrad noch zu kostenintensiv für eine Serienfertigung. Jedoch werde sich daran laut BMW wegen steigender Stückzahl in der Automobilindustrie schon bald etwas ändern und somit der Einsatz im Motorrad mittelfristig sinnvoll werden. Allerdings ist anzunehmen, dass die Technologie zuerst in hochpreisigen Motorrädern wie der K 1600 GTL mit 160 PS starkem Sechszylinder-Motor kommen wird. Diese kostet momentan 23 400 Euro.

Ein weiterer Sicherheitsgewinn aus dem Automobilbau könnte schon bald das Head-up-Display für Motorradhelme sein, das BMW ebenfalls zur CES 2016 vorgestellt hat. Seit 2003 sorgen solche Displays in Automobilen der Marke dafür, dass der Fahrer Informationen direkt im Sichtfeld hat, sodass er nicht abgelenkt wird.

Im Motorradhelm erscheinen frei wählbare Daten direkt im Sichtfeld des Fahrers auf einer transparenten Scheibe vor seinem rechten Auge. Dadurch entfällt der gefährliche Wechsel der Blickrichtung zwischen Verkehrsgeschehen und Instrumenten. Neben Fahrzeuginfos wie Drehzahl oder eingelegter Gang werden auch Geschwindigkeitsbegrenzungen und Schilder eingespiegelt. Außerdem können im Head-up-Display Route und Richtungshinweise des Navigationssystems erscheinen.

Eine integrierte, nach vorn gerichtete "Action Camera" ermöglicht es, bequem und sicher die Fahrvideos aufzuzeichnen. Eine nach hinten gerichtete Kamera kann die Funktion eines digitalen Rückspiegels erfüllen. Diese reizvolle Ausstattung des neuartigen Head-up-Display-Helms könnte schon bald fester Teil eines neuen Helmmodells sein. Im derzeitigen Vorserienmodell werden die Komponenten über die linke Lenkerarmatur sowie von einem Multicontroller im Motorrad gesteuert. Die Technologie zur Anzeige von Informationen kann laut BMW künftig auch bei bestehenden Helmen nachgerüstet werden und finde auch in Halbschalenmodellen Platz.

Bei einer ersten Anprobe auf der CES erschien die Anzeige von Tempo, Schildern oder Warnhinweisen störungsfrei im Sichtfeld.

Projektleiter Michael Heimrath kündigte gegenüber unserer Zeitung an, dass BMW in naher Zukunft noch weitere Innovationen vom Auto aufs Motorrad übertragen werde.

BMW stellte diese fürs Motorrad neuartige Technologie in Las Vegas ausgerechnet in Kombination mit dem puristischen Nostalgie-Roadster R nineT vor, der seit zwei Jahren erhältlich ist. Doch laut Heimrath ist dies kein Widerspruch: "Dank des Head-up-Displays könnte man gerade bei solch klassischen Motorrädern die Zahl und Größe der Instrumente weiter reduzieren."