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Straßenverkehr: Superminis könnten die Städte entlasten

Automobil : Superminis könnten die Städte entlasten

Kleinstwagen unter 3,40 Metern Länge gelten in Japan als eigene Klasse. Marktanteil liegt bei erstaunlichen 40 Prozent.

Bis vor Kurzem galt Carsharing als Entschärfung der Verkehrsprobleme in Ballungsräumen. Gemeint ist, dass sich mehrere Personen ein Auto teilen. Diese sogenannte neue Mobilität schien Zukunft zu haben, als Daimler im Jahre 2009 das Carsharing-Projekt Car2go in Ulm mit Smart-Fahrzeugen startete. Doch schon fünf Jahre später wurde Car2go schon wieder dicht gemacht, weil man nicht in die schwarzen Zahlen kam. Trotz weltweiter Pläne schloss sich Daimler wegen mangelnder Rentabilität 2019 mit der Konkurrenz namens DriveNow von BMW zum Unternehmen Share Now zusammen, um sich nur ein Jahr später nicht nur aus den USA, sondern auch aus London, Brüssel und Florenz zurückzuziehen.

In der derzeitigen Corona-Krise scheint es ohnehin nicht günstig, Autos mit anderen zu teilen. Wer weiß schon, wer vor einem mit feuchten Händen am Lenkrad gesessen hat? Auch eine andere zukunftsträchtig erscheinende Fortbewegungsart litt wegen Corona unter Schwund. Es ist schwierig, in öffentlichen Verkehrsmitteln einen Sicherheitsabstand von mindestens anderthalb Metern einzuhalten.

Was bleibt? Auf dem Fahrrad der Ansteckungsgefahr auszuweichen? Oder doch allein oder zu zweit im eigenen Wagen zu fahren und weiterhin die Straßen zu verstopfen? In Japan herrscht zwar auch chronischer Stau, aber sage und schreibe 40 Prozent des Marktes nehmen die sogenannten Kei-Cars ein, Kleinstwagen, die nicht länger als 3,39 Meter und nicht breiter als 1,48 Meter sein dürfen. Der Hubraum ist auf 660 Kubikzentimeter begrenzt, die Leistung auf 64 PS/47 kW. Besitzer eines Kei-Car müssen zudem keinen Parkplatz nachweisen.

Kleinstwagen bilden in Japan eine eigene Klasse. Sie wären kurzfristig nach Europa lieferbar, allerdings scheint der deutsche Markt den Herstellern aus Fernost nicht mehr so wichtig zu sein.

Die Vielfalt ist beachtlich und das Innere dieser Kleinstwagen von erstaunlicher Geräumigkeit. Die japanischen Importeure in Deutschland könnten beinahe aus dem Stand solche Stadtflitzer liefern und eine Lücke füllen, die kürzlich von Opel (Karl, Adam), Seat, Skoda und Smart (Mii und Citigo, beide Smart-Modelle nur noch elektrisch) hinterlassen wurde. Die Kandidaten heißen Honda N-Box, Mitsubishi eK X, Nissan Dayz, Suzuki Hustler, Toyota Tank. Der Mitsubishi eK X ist sogar zum Auto des Jahres 2020 gewählt worden.

Allerdings sind die japanischen Importeure in den letzten Jahren nicht durch besondere Beweglichkeit aufgefallen – ganz im Gegensatz zu den 1970er Jahren, als sie die europäische Konkurrenz mit günstigen Preisen und Komplettausstattungen das Fürchten lehrten.

Bis auf Weiteres werden wir uns wohl eher mit dem Duo Fiat 500 und Panda, dem Trio Citroën C1, Peugeot 108 und Toyota Aygo oder der Neuauflagen des Hyundai i10 sowie dem überarbeiteten Suzuki Ignis und dem Mitsubishi Space Star begnügen müssen. Für Letzteren wurde eben ein Kampfpreis von 7430 Euro veröffentlicht, der bis Ende Juli gilt – 3000 Euro unter der Liste.

Der Suzuki Hustler erreichte beim japanischen Crashtest die Bestnote. Foto: Suzuki

Auch Peugeot und Fiat wittern das Geschäft in der Krise und locken mit günstigen Preisen für ihrer Kleinstwagen. Bis Ende Juni bietet Peugeot den 108 für eine monatliche Leasingrate von 79 Euro an, und wer einen Fiat kauft, muss die erste Rate erst Anfang 2021 abzahlen. In manchen Fällen ist die Finanzierung sogar zinsfrei.