Statt nur Elektroautos ist eine Vielfalt von Antriebsarten denkbar

Automobil : Statt nur E-Autos ist eine Vielfalt von Antriebsarten denkbar

Die Politik setzt derzeit voll auf den Umstieg auf Elektroautos. Doch gegen den Stromspeicher Batterie sprechen der hohe Energieverbrauch bei der Produktion, die ökologisch fragwürdige Gewinnung von Rohstoffen wie Lithium, die konzeptbedingten Grenzen über den Kurzstrecken- oder Stadtverkehr hinaus und die Jahrzehnte dauernde Umstellung der privaten Pkw-Flotte.

Synthetische Kraftstoffe, E-Fuels genannt, die nicht aus Erdöl hergestellt werden, könnten eine optimale Übergangslösung sein, um schon heute die CO2-Bilanz zu verbessern. E-Fuels werden klimaneutral mithilfe von Strom per Elektrolyse aus Wasser und Kohlendioxid (CO2) produziert. Der Strom erzeugt aus Wasser Wasserstoff und Sauerstoff. Im nächsten Schritt reagiert der Wasserstoff mit CO2.

Stammt der Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen (Wind, Wasser, Sonne) und wird das CO2 aus der Atmosphäre oder aus Biomasse entnommen, können Verbrennungsmotoren CO2-neutral und frei von Stickoxiden (NOx) betrieben werden.

Wie die Zeitschrift Auto, Motor und Sport (10/19) berichtet, ist die Herstellung von E-Fuels derzeit aber noch mindestens doppelt so teuer wie die der jeweiligen erdölbasierten Kraftstoffvarianten. Mit steigender Menge und sinnvollen gesetzlichen Regelungen könne die Produktion aber wirtschaftlich werden.

Jörg Adorf, Chefvolkswirt beim Mineralölkonzern Shell, erklärt im Interview mit der Zeitschrift die Vorzüge dieser auch als Power-to-Liquids (PtL) bezeichneten Kraftstoffe: „Sie können über die bestehende Infrastruktur verteilt und von bestehenden Fahrzeugflotten nahezu nahtlos verwendet werden.“

In marktrelevanten Mengen würden diese Kraftstoffe jedoch nicht vor 2030 erwartet, teilweise auch noch später, schränkt Adorf ein. Sein Unternehmen plädiert für Technologie-Offenheit. „Für die einzelnen Transportmittel wird es in Zukunft unterschiedliche Antriebs- und Kraftstofflösungen geben“, sagt Adorf. „Selbst im Jahr 2040 werden Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren noch eine wichtige Rolle spielen, vor allem im Straßengüterverkehr mit schweren Lastkraftwagen.“

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