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So geht Autofahren 2040

Automobil : So geht Autofahren 2040

Zukunftsforschung und neue Techniktrends geben einen interessanten Ausblick auf den Autoverkehr in 20 Jahren. In acht Bereichen lässt sich beschreiben, wie unsere private und berufliche Mobilität im Jahr 2040 aussehen wird.

Die Mobilitätswende wird die kommenden Jahre bestimmen, ganz gleich wie schnell sich der Vormarsch der E-Mobilität gestaltet. Bereits heute lässt sich deutlich am Zeithorizont erkennen, wie unsere Mobilität, wie Autofahren, im Jahre 2040 aussieht. Hier die acht wichtigsten Bereiche zum Fahren 2040.

1. Nutzen statt besitzen. Wir werden viel mehr leasen, leihen und teilen.

Schon heute streamen wir Fernsehen und Musik nach Bedarf. Auch die Zahl der Carsharing-Anbieter und -Nutzer wächst kontinuierlich. Das Auto im Abo wie ein Handy-Vertrag wird 2040 weit verbreitet und so normal wie heute Leasing oder Finanzierung sein. Vorreiter in Deutschland ist Care by Volvo mit einem teuren, aber bequemen Alles-inklusiv-Mobilitätspaket sowie Mercedes-Benz mit „me Flexperience“, allerdings nur in Essen und Bochum. Porsche und BMW probieren Vergleichbares in den USA.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Die Nutzer genießen immer mehr Komfort und die Hersteller können höhere Preise durchsetzen. Alle sechs Monate ein neues Auto, keine Inspektionstermine, keine Reifenwechsel, und selbst das Tanken wird gegen Gebühr übernommen.

Die zuverlässige Lebensdauer eines Fahrzeugs wird für den Nutzer uninteressant. Besonders wichtig ist, dass bei Elektroautos die Lebensdauer der Batterie für den Abo-Kunden keine Rolle spielt.

2. Der Fahrer wird zum Fahrgast – im Robo-Taxi oder im autonomen Pkw.

Ob vollautonomes Fahren 2025 oder 2030 Realität wird, ist gleichgültig. 2040 wird es die normale und gängige Form der Beförderung sein. Den Anfang im Mobilitätsmarkt werden kleine, langsame Robo-Cabs (selbstfahrende Taxis) und Robo-Shuttles (Kleinbusse als Ruftaxis) machen. Sie reduzieren den Pkw- und Großbus-Verkehr der Innenstädte, sie fahren auf Handyruf vor und befördern dank intelligenter Routenplanung in einem Rutsch die Fahrgäste mit ähnlichen Zieladressen.

In einigen Megacitys werden Google und Amazon kostenlose Flotten von Robo-Taxis einsetzen. Während der Fahrt sehen die Passagiere Werbespots und die Betreiber verwerten alle gewonnenen Daten.

Personelles Autofahren, bei dem man hinterm Lenkrad sitzt und einen Führerschein in der Tasche hat, wird es 2040 nur noch in Ausnahmefällen oder in besonders gekennzeichneten Gebieten geben. Feuerwehren und Rettungsdienste steuern weiterhin manuell, damit sie ihre Ziele im Notfall auch dann schnell erreichen, wenn Zentralcomputer und autonome Steuerungen ausfallen.

3. Kaum Unfälle und nie mehr Punkte in Flensburg

Menschen werden vom Handy abgelenkt, sind müde und unkonzentriert. Computern und elektronischen Autosteuerungen passiert das nicht. Ab dem Zeitpunkt, ab dem autonome Fahrsysteme weniger Störungen oder Unfälle verursachen als menschliche Fahrer, werden Regierungen und Behörden das persönliche Fahren mit Vehemenz einschränken, um es bald ganz zu verbieten.

Das autonome Fahren, bei dem nahezu keine Unfälle mehr passieren, entspricht der europäischen Verkehrs-Strategie „Vision Zero“ (null Verkehrsopfer). Die mit Sensoren, Radar, Laser und Künstlicher Intelligenz rollenden Autos oder besser Personen-Beförderungs-Mobile (People Mover) bringen noch eine „unmenschliche“ Eigenart mit sich: Sie fahren nie zu schnell. Eine Verkehrssünder-Kartei in Flensburg ist dann ebenso überflüssig wie Schilder am Straßenrand mit der maximal zulässigen Geschwindigkeit.

4. Die Kfz.-Steuer gibt es nicht mehr, die Mobilitätssteuer gilt für alle.

Im Jahr 2040 ist Deutschland nicht mehr das Land von 2019. Die Digitalisierung wird unsere Gesellschaft umgekrempelt haben. Viele Menschen werden immobil. Sie werden zuhause nichts tun oder zuhause arbeiten.

Diejenigen, die noch Büros, Kollegen oder Kunden persönlich aufsuchen müssen, fahren autonom und entrichten statt der Kfz-Steuer die Mobilitätssteuer. Diese wird mittels Mobilfunk-Ortungsdaten errechnet und dient gleichzeitig zur Verkehrssteuerung. Wer zu Spitzenzeiten mobil sein will, zahlt mehr, wer Belastungslücken nutzt, zahlt weniger.

5. Der Staat kann alles steuern. Private Mobilität wird besonders teuer.

Natürlich wird es auch 2040 im Sinne der Freiheit noch private Mobilität geben. Ob sie höher besteuert wird als dienstliche Fahrten, die dem Bruttosozialprodukt dienen, ist letztendlich eine politische Frage. Innereuropäische Langstrecken-Reisen werden meist mit Hochgeschwindigkeitszügen und vereinzelt mit komfortablen, autonomen Flugdrohnen bewältigt.

Das bestehende Autobahnnetz bleibt jedoch nicht ungenutzt, hier fahren rund um die Uhr Lastwagen-Konvois und stellen den immens gewachsenen Warenverkehr sicher. Es wird auch noch autonome Limousinen für den Mittelstreckenverkehr geben, sowohl für Dienst- wie für Privatreisen. Hier sind auch weiterhin Verbrennungsmotoren im Einsatz. Als Treibstoff dient Synfuel (synthetisches Benzin), und das alles funktioniert vollkommen CO2-neutral.

6. Tankstellen der Zukunft: Strom, synthetisches Benzin und Landeplätze für Drohnen

Der Antriebs-, Kraftstoff- beziehungsweise Energiemix wird in gut 20 Jahren wesentlich weiter aufgefächert sein. Neben Benzin, Diesel, Autogas und Erdgas wird es an jeder Tankstelle Strom-Ladesäulen geben. Auch synthetisches Benzin, das aus Biomasse hergestellt werden kann, wird 2040 zum Energie-Repertoire gehören, vermutlich jedoch ebenso wie Wasserstoff für Brennstoffzellenfahrzeuge nur an den besonders großen Stationen.

Insgesamt stellen sich die Tankstellen für 2040 auf ein wachsendes Geschäft ein, da laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt mit einem starken Anstieg im Logistikbereich die Gesamtfahrleistung um über 20 Prozent steigen wird.

Als Vision zeigt eine von Aral in Auftrag gegebene Studie auch Landeplätze für elektrische Lufttaxis und Unterstellräume für E-Bikes und E-Scooter.

7. Händler und Hersteller der Zukunft: Die ganze Branche wandelt sich.

Zwar wird es auch 2040 noch Autohändler geben, allerdings hat die Mobilitätswende bis dahin auch deren Aufgaben stark verändert. Das margenstarke Geschäft mit den Elektroautos halten die Hersteller im Direktvertrieb allein in der Hand. Den Vertragshändlern bleibt die Auslieferung der Verbrenner-Modelle und der Servicebereich.

Auch die Hersteller-Welt sieht 2040 anders aus. Eine Reihe von Newcomern und Start-ups wetteifert nicht ohne Erfolg mit den Marken alter Schule um besonders pfiffige Elektro- und Öko-Modelle. Gleichzeitig werden einige Traditionshersteller die Pkw-Produktion zu Gunsten lohnenderer Geschäftsfelder komplett eingestellt haben.

Eine Parallel-Welt stellen Hobby-Autos dar. Schon heute repräsentieren Oldtimer und Youngtimer zusammen ein Marktvolumen von rund zehn Milliarden Euro. Der hohe Reparatur-Bedarf der „Schätzchen“ wird 2040 für viele Händler und Werkstätten zum Rettungsanker.

8. Reservate für Selbstfahrer und Auto-Touristen

Gegenwärtig buchen reiche Japaner und Amerikaner bei ihrer Neuwagen-Abholung in Deutschland oft ein paar Tage „German-Autobahn-Driving“, um den Spaß an unlimitierter Hochgeschwindigkeitsfahrt zu genießen. Spätestens mit der einbremsenden Hoheit autonom fahrender Mobile ist dieser Reisespaß hinfällig oder verschiebt sich ganz auf Rennstrecken.

Vision Urbanetic nennt Mercedes-Benz seine Studie eines kleinen, selbstfahrenden Busses. Bis zu zwölf Passagiere finden im großzügigen Innenraum Platz. Foto: Daimler
Der People Mover von ZF und e.Go wird bereits Ende 2019 Realität: Der autonome Shuttle-Bus für 15 Passagiere steht stellvertretend für viele ähnliche Konzepte. Foto: e.GO Moove GmbH
So stellt sich Aral die Tankstelle der Zukunft vor. Neben Ladesäulen für Elektroautos und einer Wechselstation für Batterien gibt es alle noch verfügbaren Treibstoffe sowie mehr Service und Landeplätze für Drohnen. Foto: Aral
Der Elektro-Zweisitzer Uniti One: klein, leicht, günstig. So ähnlich werden die autonomen City-Flitzer der Zukunft aussehen. Foto: Uniti

Da die derzeit existierenden Rennstrecken jedoch meist durchgehend ausgebucht sind, wird es 2040 noch andere Gebiete für „puren Fahrspaß“ geben. Beeindruckende Landschaft und wunderschöne Straßen gibt es nicht nur in Eifel, Hunsrück und Bayerischem Wald. Deutlich gekennzeichnete Selbstfahrer-„Reservate“ werden für Auto-Touristen und Sportwagen- sowie Oldtimer-Freunde zu neuen Freizeitstätten. Vermutlich werden die autonomen Mobile aus diesen Sektoren ausgesperrt.