Neuvorstellung : Maßgeschneidert für den Stadtverkehr

Der Elektro-Kleinwagen Seat Mii ist dank 6000 Euro Umweltprämie nicht teurer als ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.

Die Elektromobilität schreitet voran. Immer mehr Menschen denken über Verkehrslösungen für die Stadt und das nahe Umland nach, die auch ihre persönlichen Bedürfnisse berücksichtigen. Da kommen die kleinen elektrisch betriebenen City-Cars, die in den nächsten Monaten zahlreich eingeführt werden, gerade recht. 

Die meisten Autofahrer wünschen sich Elektroautos, die kompakt genug für die Stadt, preiswert und möglichst günstig in den Betriebskosten sind. Nach den neuesten Beschlüssen der Bundesregierung wird der Kauf noch stärker gefördert. Die Prämie steigt von bisher 4000 auf 6000 Euro. Das wird viele, die bisher noch zögern, freuen und den Absatz der vor Ort sauberen Elektroautos ankurbeln.

Der neue Elektro-Kleinwagen Seat Mii electric kostet nach dem Abzug dieser Umweltprämie noch 14 370 Euro. Der Listenpreis ist mit 20 750 Euro angegeben. Der von Fachleuten ermittelte Energiepreis von 2,80 Euro pro 100 Kilometer Fahrstrecke lässt aufhorchen. Nicht nur die Betriebs-, auch die Wartungskosten liegen deutlich unter denen eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor. Fehlt nur noch dass der Strom auch aus regenerierbaren Quellen kommt.

Bei einem ersten Probegalopp haben wir uns in dem kleinen Stromer, der 83 PS/61 kW Leistung und 212 Nm Drehmoment bietet, rundum wohlgefühlt, sei es beim Ein- und Ausstieg, im elegant gestylten Innenraum oder bei der Sitzposition. Das alles bei für Fahrten in der Innenstadt angenehm kompakten Außenabmessungen. Mit 3,56 Metern Länge passt der Mii in fast jede Parklücke. Er lässt sich dank des kleinen Wendekreises gut rangieren. Nicht nur beim Parken ist der Kleinwagen stadttauglich. Der Viertürer mit großer Heckklappe überzeugt auch beim Großeinkauf. Ins Gepäckabteil passen 251 bis 923 Liter.

Als Verkehrsteilnehmer muss der Seat Mii ernst genommen werden. Beim Ampelstart ist er zum Beispiel in 3,9 Sekunden von null auf 50 km/h. Das Drehmoment von 212 Newtonmetern steht sofort parat. Wieselflink und fast geräuschlos huscht er auch durch enge Gassen. Seine Stärken spielt er besonders im Stadtverkehr aus.

Auf der Autobahn muss man dann die Reichweiten-Anzeige genau im Auge behalten. Da kann nach etwa 150 Kilometern die Suche nach einer Ladesäule notwendig sein. In der Spitze läuft er bis zu 130 km/h. Drei Fahrstufen stehen zur Auswahl: Normal, Eco und Eco Plus. Betätigt man die Eco-Plus-Taste, wird die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h begrenzt. Das erhöht die Reichweite beträchtlich. Nach der neuen wirklichkeitsnahen WLTP-Verbrauchsnorm kommt dieses Elektroauto mit einer Batteriefüllung bis zu 259 Kilometer weit.

Die Begrenzung auf etwa 90 km/h hat es uns immer noch erlaubt, auf der Autobahn rund um Madrid auf der rechten Spur mitzuschwimmen. Zusätzlich kann die Stärke der Bremsrekuperation, die Rückgewinnung elektrischer Energie beim Bremsen, gewählt werden. Sie ist grundsätzlich moderat, im B-Modus jedoch besonders hoch. Dann sorgt sie für optimale Energierückgewinnung, bremst aber den Mii beim Loslassen des Fahrpedals so stark ab, dass man das Bremspedal oft gar nicht mehr treten muss.

Mit einer zu Hause installierten Wallbox (900 Euro) kann die leere Batterie, deren Kapazität 32,3 kWh beträgt, bei einer Ladeleistung von 7,2 Kilowatt in rund vier Stunden auf 80 Prozent aufgeladen werden. An Schnellladestationen mit 40 kW Leistung, wie sie zum Beispiel an Autobahntankstellen zur Verfügung stehen, dauert es eine halbe Stunde, bis dieser Wert erreicht ist.

Eine spezielle App erleichtert die Nutzung dieses Fahrzeugs. Zum Beispiel kann der Fahrer jederzeit aus der Ferne den Ladezustand der Batterie überprüfen, die Klimaanlage einschalten und sich vergewissern, dass der Wagen abgesperrt ist. Auf den Akku gibt es eine zusätzliche Garantie, die acht Jahre und 160 000 Kilometer umfasst und eintritt, wenn die Batteriekapazität auf weniger als 70 Prozent sinken sollte. Der Käufer kann unter fünf Ausstattungspaketen wählen. Die Serienausstattung reicht allerdings bereits bis zur Climatronic.

Der Seat Mii wird künftig ausschließlich als fünftüriges Elektroauto gebaut. Auf einen Verbrennungsmotor verzichtet die spanische Volkswagen-Tochter ebenso wie Skoda bei seinem Modell Citigo. Die Konzernmutter Volkswagen bietet den weitgehend baugleichen e-Up noch als Benzin-Modell an.

Das hellgraue Armaturenbrett besteht aus preiswertem Hartplastik-Material. Foto: Seat

 Im Februar rollt der Mii electric zu den ersten Kunden. Seat will bis zum Jahr 2021 sechs weitere Elektrofahrzeuge einführen, darunter reine E-Autos und Plug-in-Hybride, deren Batterien ebenfalls an der Steckdose aufgeladen werden können und die bis zu 50 Kilometer Reichweite im Elektrobetrieb bieten.