Sauberer Diesel soll Audi A4 attraktiver machen

Automobil : Sauberer Diesel soll Audi A4 attraktiver machen

Audi hat seine Mittelklasse-Limousine A4 nach vier Jahren Bauzeit überarbeitet. Zum strafferen Design gesellen sich Mildhybrid-Motoren.

Jetzt erst Recht. Es mutet wie eine Trotzreaktion von Audi an, wenn nach den umfangreichen Betrugsvorwürfen wegen unzureichender Abgasreinigung bei den Dieselmotoren jetzt gerade die sportlichsten Versionen der meistverkauften Baureihe, des A4, auf den Diesel setzen.

Den S4, der ab 62 600 Euro erhältlich ist, treibt ein 3,0-Liter-V6-Diesel mit satten 347 PS/255 kW und 700 Newtonmetern Drehmomentspitze an. Den elektrischen Kompressor versorgt ein 48-Volt-Bordnetz mit Energie. Das soll zu einer Verbrauchsminderung von 0,4 Liter führen. Beim Spitzenmodel verteilt eine achtstufige Automatik die Kraft auf alle vier Räder. Der Quattro-Allradantrieb mit Differenzialsperre gehört zur Serienausstattung.

Es geht auch günstiger. Der umfassend renovierte A4 verfügt in der Basisversion über einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel mit 136 PS/100 kW. Diese Ausführung kostet ab 33 600 Euro. Insgesamt finden sich im Motorenangebot drei Benzin- und fünf Dieseltriebwerke, deren Leistungsspektrum bis 347 PS/255 kW reicht.

Bemerkenswert ist der neue 2,0-Liter-Diesel mit 163 PS/120 kW. Er gefällt mit einer sehr harmonischen Kraftentfaltung und spontanem Ansprechverhalten. Auch bei der Laufruhe ist er ein Vorbild. Der Normverbrauch von 4,1 Litern kann sich sehen lassen. 41 700 Euro kostet die A4-Limousine in dieser Ausführung, die Kombiversion Avant ist knapp 2000 Euro teurer.

Unterwegs zeigt der A4, dass Fahrwerk und Karosserie den Stand der Technik repräsentieren. Das Blech aus Stahl und Aluminium zeigt sich äußerst verwindungssteif, Knarzen oder Zirpen ist ihm fremd. Das führt zu einem perfekten Kurvenverhalten. Die Federung leistet dabei einen bedeutsamen Beitrag.

Überaus zielgenau lässt sich der Audi am Zügel führen, bleibt spurtreu auf dem gewünschten Pfad und überrascht selbst im Grenzbereich nicht mit unliebsamen Allüren. Die Lenkung ist ein Musterbeispiel für Präzision und liefert stets klar interpretierbare Rückmeldungen vom Traktionszustand der angetriebenen Vorderräder. Der A4 fährt sich spielerisch einfach und macht Spaß.

Die Geräuschentwicklung ist dabei gering. Beim 163-PS-Diesel muss man zweimal hinhören, um überhaupt zu erkennen, dass es sich um einen Selbstzünder handelt. Vor allem die Dämmung zum Innenraum ist gelungen. Gerne schließen wir die Fenster, um den Luxus leiser Fortbewegung zu genießen.

Die Erneuerung der Baureihe schließt jedoch nicht nur neue Antriebe ein. Audi hat die Karosserie nicht nur an den weichen Stellen wie Stoßfängern oder Kühlergrill aufgefrischt, sondern Geld in neue Werkzeuge investiert, um die Linien an den Flanken nach oben ziehen und die Front- und Heckpartien umgestalten zu können. So gibt es neue Scheinwerfer, eine neue Lichtgrafik für die Rückleuchten sowie einen neuen Diffusor

Das verschafft dem A4 eine optisch stärkere Präsenz und einen selbstbewussteren Auftritt. LED-Licht gehört zur Grundausstattung. Nur die den Gegenverkehr nichtblendende Matrix-Version der LED-Scheinwerfer kostet extra.

Innen stellt Audi beim Material-Mix sein Know-how gekonnt und weitaus charmanter als mit den Abgastricksereien der Vergangenheit unter Beweis. Aus dem Vollen gedrehte Knöpfe und Schalter zieren das Cockpit. Auf der Armaturentafel thront ein gut zehn Zoll großer Touchscreen. Er wird für alle wesentlichen Bedienungsfunktionen genutzt. Die Führung durch die Menüs ist schlüssig und gelingt flink. Die Darstellungen auf dem Bildschirm sind messerscharf.

Im breit wirkenden Cockpit des A4 ragt in der Mitte der Instrumententafel das große MMI-Touch-Display auf. Es ist leicht zum Fahrer geneigt. Foto: Audi
Die Form der Rückleuchten bleibt, die Lichtgrafik ist aber neu gestaltet. Foto: Audi

Auf den Malkasten auf der Mittelkonsole verzichtet Audi beim A4 künftig. Endlich hat der Hersteller erkannt, dass es zumindest während der Fahrt ein oft hoffnungsloses Unterfangen ist, über diese Zeichenfläche Buchstaben einzugeben. Besser funktioniert heute die Sprachsteuerung des Infotainmentsystems. Mit seltenen Ausrutschern erkennen die Algorithmen, was der Chauffeur oder sein Copilot fordern. Selbst Ortsnamen im nicht wirklich deutschsprachigen Südtirol erkennt der Computer mit perfekter Auffassungsgabe.

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