Renault Zoe: Neue Fitness für den Europameister

Automobil : Der Europameister zeigt sich jetzt noch fitter

Der Renault Zoe ist der erfolgreichste Elektro-Kleinwagen in Europa. Jetzt wurde er außen und innen aufgefrischt und bietet neue Technik.

Der Renault Zoe fährt seit Jahren in der Spitzengruppe der Elektromodelle. Gut 160 000 Zoe wurden seit der Premiere 2013 in Europa verkauft, mehr als von allen anderen. Im letzten Jahr waren es bei uns 6300 und 2019 bis Ende September schon rund 7650.

Das ist mehr als ein Achtungserfolg bei gut 99 000 Autos, die Renault bis Ende September insgesamt absetzte. Und gerade der Zoe zeigt, was kleine E-Modelle heute können. Außen und innen gehört er in die Polo-Corsa-Klasse. 92 PS/68 kW, 135 Spitze und 300 Kilometer Reichweite waren durchaus genug für ein Stadt- und Zweitfahrzeug.

Der hohe Preis wurde durch Steuervorteile, niedrige Wartungs- und sehr niedrige Betriebskosten – vor allem beim Anschluss an die häusliche Steckdose – immerhin zum Teil aufgewogen.

In allen diesen Kriterien ist der neue Zoe ganz der alte. Die Karosseriemaße (4,09 Meter Länge) änderten sich außen und innen nicht. Vorn gibt es viel Platz, in der zweiten Reihe reicht es zur Not auch für drei. Der Kofferraum ist sehr ordentlich für die Klasse: 338 bis 1225 Liter. Fünf Türen gibt es immer, eine gerade für kleine Fahrzeuge nützliche, geteilte Rücksitzlehne für die Basisausstattung aber nicht. Die neue Front mit LED-Scheinwerfern und größerem Renault-Rhombus, aufklappbar zum Anschluss des Ladekabels, sowie die breiteren Rückleuchten fallen nur dem Kenner auf.

Innen herrscht Wohlfühl-Atmosphäre. Die Materialien wirken sehr viel hochwertiger und bestehen großenteils aus Recycling-Material, unter anderem aus verwerteten Getränkeflaschen. Der Zehn-Zoll-Bildschirm vor dem Fahrer zeigt die üblichen Informationen wie das gefahrene Tempo oder das aktuelle Tempolimit, zusätzlich den momentanen und durchschnittlichen Energieverbrauch und, ganz wichtig, die restliche Batterie-Reichweite. Über einen zweiten Schirm in der Mitte wird das Easy-Link-System, unter anderem mit Radio, bedient. Die Koppelung mit dem Smartphone ermöglicht Navigation.

Angeboten wird der neue Zoe mit zwei Motoren: 108 PS/80 kW und 135 PS/100 kW, Drehmoment 225 und 245 Nm. Die stärkere Maschine bringt in den Daten wenig mehr: Spitze 140 statt 135 km/h, Beschleunigung von null auf hundert in 9,4 statt 11,4 Sekunden.

Der Zoe macht Spaß. Schon mit 108 PS und noch mehr mit 135. Wer drauftritt, gewinnt den Spurt an der Ampel fast immer. Auf der Straße fährt er sich wie ein gewohntes Auto mit Getriebeautomatik – mit kräftigem Antritt aus dem Stand, mit präziser Lenkung, mit gutem Komfort und besonders leichter Bedienung. Steht der Wählhebel E-Shifter auf „B“,erzeugt der E-Motor beim „Gaswegnehmen“ Strom und verzögert dabei so kräftig, dass man die Fußbremse nur ganz selten braucht.

Auch die Batterie steht in zwei Versionen zur Wahl: 41 und 52 Kilowattstunden, Reichweite nach Norm 300 und 400 Kilometer, im Winter wegen der Heizung etwa 200 und 250. Bei ersten Testfahrten blieb der Verbrauch im Bereich von 11 bis 14 kWh pro 100 Kilometer, also sogar unter dem Normwert von 17 kWh.

Die leere 41-kWh-Batterie auf 80 Prozent aufzuladen, erfordert an der 50-kW-Gleichstromquelle 50 Minuten. Mit dem serienmäßigen Chameleon-Charger und maximal 22 kW dauert die komplette Ladung knapp drei, an der häuslichen Schukodose mit 2,3 kW rund 27 Stunden. Die 52-kWh-Batterie braucht 20 Prozent mehr Zeit. In der Praxis ist der Akku selten völlig leer, mit der häuslichen Steckdose kommt man allemal zurecht.

Der neue Renault Zoe steht bereits im Schaufenster. Das Basismodell „Life“ für 21 990 Euro hat 109 PS und 41 kWh und bietet bereits Klimaanlage, schlüssellosen Zugang und LED-Scheinwerfer. Die Topversion „Intense“ für 27 900 Euro hat 135 PS und 52 kWh und dazu unter anderem Leichtmetallräder und zusätzliche elektronische Helfer wie zum Beispiel eine Rückfahrkamera.

Alle Preise freilich gelten ohne Batterie. Diese lässt sich mieten. Für monatlich 74 Euro ist eine Jahresfahrleistung von 7500 Kilometer erlaubt. Wer im Monat 124 Euro bezahlt, kann unbegrenzt Kilometer machen. Für 8090 Euro kann man die Batterie aber auch kaufen. Das Basismodell kostet dann 29 990 Euro, die Topversion 35 990 Euro.

Über den zentral platzierten Touchscreen wird das serienmäßige, vernetzte Multimedia-Navigationssystem Easy Link bedient. Foto: Renault

Die Preise sind stolz. Sie werden es dem Renault Zoe schwer machen, weiterhin in der Spitzenposition zu bleiben, auch wenn (wie bei allen Elektroautos) 4000 Euro Prämie vom Nettopreis abgezogen werden können. Ein Seat Mii-electric oder Skoda Citigo-e, im Format knapper, als Stadt- und Zweitfahrzeug dennoch geeignet, ist abzüglich Prämie bereits für 16 300 Euro zu haben.

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