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Renault Kadjar überzeugt mit feinen Manieren

Automobil : Feine Manieren auf Holperpiste und Feldweg

Seit Kurzem steht der überarbeitete Renault Kadjar im Schaufenster: optisch aufgefrischt, mit sau­beren Motoren – und leider auch erheblich teurer.

Längst spielen SUV-Modelle und Vans bei Renault eine wichtige Rolle: Captur, Kadjar, Koleos, dazu Alaskan, Scénic, Espace. Die SUVs bauen geschickt auf ent­spre­chenden Modellen des japanischen Partners Nissan auf. Kadjar und Koleos teilen ihre Technik mit dem Qash­qai und dem X-Trail von Nissan. Der Alaskan ist ein Ableger des Nissan-Pick-ups Navara –- wie auch die X-Klasse von Mercedes-Benz.

Das kleinste und erfolgreichste SUV-Modell von Renault ist der Captur. Er ist ab 16 290 Euro verfügbar. Mit 4,12 Metern Länge entspricht er etwa einem Seat Arona, Suzuki Vitara oder dem neuen T-Cross von Volkswagen. Der Kadjar (ab 22 490 Euro) hat mit 4,49 Metern solides Kompaktklasseformat, ähnlich wie Hyundai Tucson, Opel Grandland X und VW Tiguan. Eine Nebenrolle spielt der in Korea gebaute, 4,67 Meter lange Koleos (ab 35 600 Euro). Er wird bei uns nur als Diesel mit Automatik angeboten.

Die Hersteller setzen bei ihren Sport Utility Vehicles (SUVs) in der Mittelklasse mehr und mehr auf starke und teure Varianten. Der Mercedes-Benz GLA 45 AMG mit 381 PS/280 kW kostet zum Beispiel ab 57 608 Euro. Renault sieht seinen Kadjar indes eher als Soft Utility Vehicle. Nutzwert und Komfort auf Asphalt wie bei der Anfahrt zu Jagd- oder Skihütte stehen im Mittelpunkt. Bei der Neuauflage noch mehr: Der Kadjar wiegt seine Besatzung sanft über Bodenwellen und Schlaglöcher. In Schlamm und Schnee hilft eine optionale elektronische Traktionskontrolle (Extended Grip). Später wird es auch Allradantrieb geben.

Zu den feinen Manieren auf Straße wie Feldweg passt der deutlich noblere Auftritt innen: bequemere Sitze, in Optik und Haptik angenehmere Materialien, neuer Chromschmuck, unter anderem an den Luftdüsen. Auf dem digitalen Instrumentenbrett lassen sich vier verschiedene Darstellungen für Tacho und Drehzahlmesser wählen.

Über den Sieben-Zoll-Bildschirm in der Mitte bedient man wie üblich Telefon, Navi und leider auch, weil umständlich, die Radio-Lautstärke. Heizung und Lüftung werden dafür einfach über drei Drehknöpfe geregelt. An den reichlichen Innenmaßen ändert sich nichts. Der Kofferraum fasst 472 Liter, beim Umklappen der asymmetrisch geteilten Rücksitzlehne 1478 Liter.

Außen wurde der Kadjar kaum verändert. Der Kühlergrill ist etwas breiter und markanter. Hinter ihm verbirgt sich eine Jalousie. Geschlossen verringert sie den Luftwiderstand. Geöffnet wird sie nur bei hohem Kühlluftbedarf. LED-Licht haben die Topversionen serienmäßig, die anderen als Option.

Die überarbeiteten Motoren erfüllen alle die ab September obligatorische Abgasnorm Euro 6d-temp. Der 1,3-Liter-Turbobenziner leistet wahlweise 140 PS/103 kW oder 159 PS/117 kW, der 1,5-Liter-Turbodiesel 116 PS/85 kW. Die Benziner kommen mit Partikelfilter (GPF), die Diesel mit Stickoxid-Abgasreinigung (SCR-Kat). Serie sind sechs Gänge, auf Wunsch wird ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Stufen geliefert. Später kommt der 1,5-Liter-Diesel mit 150 PS/110 kW hinzu, auch mit Allradantrieb.

In der Praxis gefällt bereits das angenehm leise 140-PS-Triebwerk. 240 Nm Drehmoment ab 1600 U/min sorgen für erfreulichen Dampf bei zivilen Drehzahlen. 203 km/h Spitze und 10,4 Sekunden für den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 sind allemal genug für ein SUV-Modell, das vor allem den Komfort betont.

Der stärkere Benziner bietet wenig mehr: 260 Nm ab 1750 U/min, 210 km/h, 9,3 Sekunden. Für den Diesel mit ebenfalls 260 Nm werden 189 km/h und 11,7 Sekunden angegeben sowie 4,4 Liter Normverbrauch. Bei den Benzinern sind es jeweils 5,6 Liter Super. In der Praxis ist man auf Landstraßen in der Ebene mit einem Liter mehr gut unterwegs.

Die Modernisierung außen und innen lässt das Renault-SUV zweifellos attraktiver wirken. Besonders leicht auf dem deutschen Markt wird es der Kompaktwagen dennoch nicht haben. Viele Hersteller bieten inzwischen in Stil, Ausstattung und Technik ähnliche Modelle an, aus Korea (Hyundai, Kia) und Frankreich (Opel, Peugeot) auch zu ähnlichem Preis.

Im Cockpit des kompakten SUVs Kadjar trifft man auf Chromschmuck an Luftdüsen und Drehschaltern sowie digitale, programmierbare Instrumente. Foto: Renault

Letzterer ist beim Kadjar in der Neuauflage um 1600 auf jetzt 22 490 Euro in der Basisversion Life gestiegen – mit Radio, Klimaanlage und Tempomat, aber weitgehend ohne elektronische Helfer. Notbremsassistent, Totwinkelwarner und der Assistent für automatisches Einparken in Längs- und Querparklücken samt Ausparkfunktion stehen selbst bei der teuersten Bose-Editon für über 35 000 Euro in der Aufpreisliste.