Automobil : Halbierte Dienstwagensteuer macht Mut

Überbordende Kraft und Geländegängigkeit sind typische Kennzeichen eines Land Rover. Die Dieselproblematik, der drohende Brexit und womöglich ein sinkendes Interesse an Geländewühlern setzen dem Offroad-Spezialisten zu.

Das erste Jahrzehnt einer weithin problemlosen Zusammenarbeit mit dem indischen Mutterkonzern Tata liegt hinter Jaguar Land Rover (JLR). Die beiden britischen Marken Jaguar und Land Rover durften mit dem potenten Geldgeber im Hintergrund weithin gestalterische Freiheiten genießen und Jahr für Jahr erfolgreiche Ergebnisse vermelden.

Mittlerweile hat der britisch-indische Autohersteller mit ernsten Herausforderungen zu kämpfen, die nicht allein dem Brexit zuzuordnen sind, und die mutmaßlich Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe nach sich ziehen werden.

Sowohl auf dem britischen Heimatmarkt als auch auf dem europäischen Festland musste der traditionsreiche Autobauer im Jahr 2018 Verkaufsrückgänge zwischen einem und knapp acht Prozent verkraften. Auch auf dem chinesischen Markt kam es zu deutlichen Umsatzeinbrüchen. Demgegenüber legten die Händler in den USA – der Nummer eins in der hauseigenen Verkaufsstatistik – um sieben Prozent zu.

Wirft man bei der Marke Land Rover einen Blick auf Deutschland, so gingen im vergangenen Jahr rund 5000 weniger Fahrzeuge an die Kundschaft. Erklärungen für diese auf gut 18 000 Exemplare geschrumpfte Verkaufszahl liefert Geschäftsführer Jan-Kas van der Stelt. Einerseits führt er die allgemeine Stimmung wegen der Dieselproblematik an, „von der eine Marke wie Land Rover mit einem hohen Dieselanteil natürlich betroffen ist“. Andererseits würden viele Kunden auf den Nachfolger des bisherigen Bestsellers Evoque im April warten.

Fürs laufende Jahr ist der Kronberger Importeur zuversichtlich, dass die hiesigen 100 Händler wieder zulegen können. Dazu soll nach van der Stelts Einschätzung neben modernen V6-Dieseln mit Euro 6d-temp-Einstufung obendrein die nagelneue Dienstwagensteuer einen gewissen Anteil beitragen. „Den Anreiz einer halbierten Versteuerung sollten wir nicht unterschätzen.“ Die meisten Range Rover-Modelle seien gewerblich zugelassen. Davon profitieren könnte der Plug-in-Hybrid-Absatz der Modelle Range Rover und Range Rover Sport.

Der Gesetzgeber ermöglicht seit Jahresanfang, dass bei Fahrzeugen, die eine elektrische Reichweite von mehr als 40 Kilometern im neuen WLTP-Zyklus haben, statt des bislang üblichen einen Prozents des Bruttolistenpreises nur noch 0,5 Prozent als sogenannter geldwerter Vorteil versteuert werden muss. Bei manchem potenziellen Kunden mag diese Möglichkeit das Zünglein an der Waage sein.

Aber der große Durchbruch ist dies sicher nicht. Der Basispreis des Range Rover Sport P400e mit kombiniertem Elektro-Benziner-Antrieb beträgt 88 000 Euro, sein größerer Bruder Range Rover P400e startet bei 120 000 Euro.

Der vergleichsweise junge Mittelklasse-Geländegänger Range Rover Velar hat es zwischen Evoque und Range Rover Sport derweil nicht leicht. Mit 2861 Neuzulassungen im vergangenen Jahr liegt er in etwa auf dem Niveau des auf Wunsch siebensitzigen Discovery Sport.

Die erfolgreichste Baureihe bei Land Rover ist schon seit ein paar Jahren nicht mehr der Discovery, sondern der kompakte Range Rover Evoque – mit knapp einem Drittel aller Verkäufe. Als Plug-in-Hybrid kommt er erst nächstes Jahr in den Handel; dann kann er auch rein elektrisch fahren.

Zur Markteinführung im Frühjahr ist die neue Generation immerhin mit einem milden Hybridsystem ausgestattet. Durch einen am Motor positionierten Riemengenerator gewinnt der Evoque Bremsenergie zurück und speichert sie in einem Akku im Unterboden. Obendrein arbeitet der Generator auch als zusätzlicher Elektromotor, der das Triebwerk beim Beschleunigen unterstützt und so Verbrauchsspitzen abschneidet. Kraftstoffeinsparungen in Höhe von sechs Prozent werden erwartet. Der neue Evoque ist grundsätzlich als Fünftürer ausgelegt. Es wird also weder ein dreitüriges Coupé noch ein Cabriolet geben.

Es sind harte Zeiten für Land Rover. Das Unternehmen bietet den Herausforderungen selbstbewusst die Stirn, wie Jan-Kas van der Stelt ausführt: „Hocheffiziente Dieselmotoren werden auch weiterhin einen wesentlichen Stellenwert besitzen. Und ab 2020 bieten wir für alle Modelle eine elektrifizierte Variante an.“

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