Ohnmachts-Assistent als ständiger Beifahrer

Automobil : Ohnmachts-Assistent als ständiger Beifahrer

Seit der Markteinführung im Jahr 1973 (Kombi 1974) haben weltweit 30 Millionen Kunden einen VW Passat gekauft. Jetzt wurde die achte Generation überarbeitet.

Der VW Passat gilt weltweit als erfolgreichstes Modell in der Mittelklasse. Mitentscheidend für seinen Erfolg sind die niedrigen Halterkosten. Das ist das Trumpf-Ass bei Vielfahrern und Flottenkunden. VW hat jetzt den rundum aufgefrischten Passat der achten Generation vorgestellt. Allerdings durfte ihn noch keiner fahren. In fast allen wesentlichen Bereichen haben die Wolfsburger Ingenieure Hand angelegt und den Wagen auf den neuesten Stand gebracht, speziell den Kombi Variant, der mit gut 90 Prozent Anteil in der Käufergunst klar der Favorit ist. Einige Verbesserungen im überarbeiteten Passat stammen aus dem Coupé Arteon.

Der aufmerksame Betrachter erkennt den Neuen an den Matrix-Scheinwerfern, jetzt mit 44 LEDs, die die Fahrzeugfront optisch verändern. An den Touareg angelehnt sind die Heckleuchten. Innen bleibt es beim vorzüglichen Raumangebot. Auf 4,77 Metern Länge bei 2,79 Metern Radstand offeriert der Variant viel Platz auch im Fond, dazu einen großen flexiblen Gepäckraum mit 650 bis 1780 Litern Volumen. Auf Wunsch werden Sitze mit ausgefeilter Ergonomie, zertifiziert von der „Aktion Gesunder Rücken“, eingebaut. Wie schon bisher können VW-Kunden über Materialien und Verarbeitung kaum klagen.

Bei allen Motoren kehren die schärfere Abgasnorm Euro 6d-temp und Partikelfilter ein. Die Palette umfasst bei den Benzinern drei Stufen, vom 1.5 TSI mit 150/110 kW bis zu den 2,0-Litern-Vierzylindern mit 190 PS/140 kW und 272 PS/200 kW. Für Diesel-Fans stehen vier TDI zur Auswahl, darunter der 1.6 TDI mit 120 PS/88 kW, der 2.0 TDI mit 190 PS/140 kW und der 2.0 TDI mit 240 PS/176 kW.

Als Highlight gilt der neue 2.0 TDI Evo mit 150 PS/110 kW, der den CO2-Ausstoß gegenüber dem Vorgänger um 10 g/km unterbietet.

Eine Sonderrolle spielt der 1.4 TSI GTE, ein Plug-in-Hybrid, dessen rein elektrische Reichweite deutlich zunimmt. Laut der neuen WLTP-Messung sind es 55 Kilometer, nach der alten NEFZ-Norm 70 Kilometer. Zusammen kommen die Benzin- und Elektromotoren auf 218 PS/160 kW. Der als schadstofffreies Zero Emission Vehicle eingestufte und damit in Großstädten wie London von der City-Maut befreite Plug-in-Hybrid-Passat erreicht bereits jetzt die Grenzwerte der erst ab 2021 gültigen Abgasnorm Euro 6d.

Zu den wesentlichen Verbesserungen zählt die Fahrwerkseinstellung mit der adaptiven Dämpferregelung DCC, die in Zukunft über einen Schieberegler stufenlos einstellbar ist. Sie ermöglicht eine große Spreizung von „Comfort“ über „Normal“ bis „Sport“. Im Komfortbereich können zum Beispiel neue Stufen gewählt werden, darunter sänftenartig weiche; andererseits in „Sport“ sehr straffe. DCC ist allerdings nur in den stärksten Motorisierungen serienmäßig, sonst kostet es rund 1200 Euro Aufpreis. Einstellbar ist das gewünschte Fahrprofil über einen der beiden Touchscreens im Digital-Cockpit.

Dieses digitale Cockpit wurde weiterentwickelt, wodurch sich die Bedienung vereinfacht und die Displays kontrastreicher sind. Neu ist das kapazitive Lenkrad. Damit das Auto von alleine weiterfährt, musste der Fahrer bislang das Lenkrad in bestimmten Abständen fest anpacken. Das war das Signal, dass er noch aufmerksam ist. Jetzt hingegen genügt eine leichte Berührung. Der Passat 2019 kann halbautomatisch bis 210 km/h fahren – ein Meilenstein. Dabei arbeiten mehrere Assistenzsysteme zusammen.

Der neue Travel-Assistent macht den Passat zum ersten VW, der teilautomatisiert mit Reisegeschwindigkeit fährt. Das System stellt mithilfe der Navigationsdaten und einer Kamera die jeweils erlaubte Geschwindigkeit selbsttätig ein. Bestandteil des Travel Assist ist das „ACC“. Diese automatische Distanzregelung passt vorausschauend das Tempo selbstständig an, unter anderem in Ortschaften und Kurven, bei Tempolimits und an Kreuzungen.

Der „Emergency Steering-Assistent (Notfall-Lenkung) erhöht durch Bremseingriff die Sicherheit bei Ausweichmanövern.

Je nach Ausstattung ist der erneuerte Passat mit einer Armada von Assistenzsystemen ausgerüstet. Dazu zählen der Spurwechselassistent „Side Assist“ plus Ausparkassistent, der Spurhalteassistent „Lane Assist“, der Notbremsassistent „Front Assist“ mit Fußgängererkennung und der Parklenkassistent „Park Assist“. Fällt der Fahrer gesundheitsbedingt aus, übernimmt der „Emergency Assist“ das Kommando und bremst bis zum Stillstand ab.

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