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„Nur einer meiner fünf Söhne wollte ein eigenes Auto“

„Nur einer meiner fünf Söhne wollte ein eigenes Auto“

Fahranfänger und junge Erwachsene sind heute mit den unterschiedlichsten Modellen mobil. Sie nutzen den öffentlichen Personennahverkehr, Carsharing, Elektromobilität oder auch Muskelkraft. Hier beschreibt ein Vater die Mobilität seiner fünf Söhne: eine nicht repräsentative Mobilitäts-Studie.

Philipp ist 30 Jahre alt, lebt in einer Großstadt und studiert Psychologie. Führerschein ja, eigenes Auto nein: "Mit einer Wohnung im Zentrum wär' das einfach unpraktisch, allein schon wegen dem Parkproblem." Zur Uni geht's mit der Bahn und für andere Fahrten leihen er und seine Partnerin Eileen sich ein Auto aus, am liebsten kostenfrei bei Freunden. Zusätzlich nutzt Eileen DriveNow, das Carsharing-System von BMW und Sixt. Damit stehen ihr für überschaubare Kosten verschiedene BMW- und Mini-Kompaktmodelle zur Auswahl.

Eileen ist bei DriveNow auch schon das Elektroauto BMW i3 gefahren. In der Stadt für sie ein Auto wie jedes andere, nur eben elektrisch. Dass der Elektroflitzer beim Gaswegnehmen schon ordentlich verzögert und mit dem Schwung die Batterie wieder auflädt - Fachleute sprechen von Rekuperieren - hat sie besonders überzeugt.

Der nächste Junior heißt Nic, ist 28 Jahre alt und studiert in Freiburg. Nic hat den Führerschein und ist ein Autofan. Er kennt die Modelle samt PS-Zahlen auswendig. Aber in der sonnigen Studenten-Stadt erreicht er seine Ziele per Fahrrad oder öffentlichem Nahverkehr. Für die Fahrten nach Hause ins Rheinland nutzt er drei Angebote. Entweder nimmt er einen ICE der Bahn, vorausgesetzt er erwischt ein Sparticket für 30 bis 40 Euro. Ist das nicht der Fall, sucht er sich eine Mitfahrgelegenheit über die Mitfahrzentrale. Dabei ist das Spektrum weit gestreckt, vom muffigen alten Renault-Kleinwagen, der mit vier Personen besetzt von seinem Besitzer mit maximal 90 km/h über die Autobahn "gejagt" wird, bis zum Pendler mit seinem 150 PS starken TDI-Firmenwagen, der eher auf Dauervollgas setzt. Letzte und meist teuerste Option ist ein Mietwagen. Doch auch dabei hat Nic oft Glück. Zum Beispiel wenn er Kleinwagen bucht und dann einen Kompaktwagen zum Pauschalpreis von 45 Euro erhält.

Nur ein paar Tage jünger als Nic ist Pascal, der in Bonn wohnt und sich als Musiker und im Kunsthandwerk versucht. Führerschein ja, Auto nein. Und Pascal will auch gar nicht fahren, selbst wenn er ein Auto geliehen bekäme. Der öffentliche Nahverkehr reicht ihm und die Verantwortung für ein Automobil lehnt er schlichtweg ab.

Ganz anders der 26-jährige Chris. Er besitzt den Führerschein für Zwei- und Vierräder und eigentlich geht es ihm nie schnell genug. Chris konnte sich während seiner ersten Ausbildung sogar ein großes Motorrad leisten, eine 600er-Kawasaki mit über 100 PS. Seine Auto-Erfahrungen machte er mit den verschiedenen von den Eltern geliehenen Pkws. Mittlerweile ist er stolzer Besitzer des alten, 75 PS starken Golf 3 von Mutti. Er hegt ihn, pflegt ihn und schont ihn, denn in der zweiten Ausbildung bei der Bundespolizei muss er den Gürtel enger schnallen.

Mit dem Golf fährt er teils auch längere Strecken zu Einsatzorten. Kein Problem, der 20 Jahre alte VW läuft zuverlässig und Chris kann das Gaspedal auch mit viel Gefühl bedienen. Bei einer Urlaubsreise schaffte er durch gleichmäßige Fahrt mit maximal 105 km/h Höchstgeschwindigkeit einen Sparrekord mit durchschnittlich 5,7 Litern auf 100 Kilometer. Ein Wert, den heute viele aktuelle Kompaktmodelle in der Praxis kaum unterschreiten.

Der jüngste Sohn heißt Max, und er wird bald 24 Jahre alt. Nach über zweieinhalb Jahren außerhalb Europas und einer fast kompletten Weltreise ist seine Mobilität so vielfältig wie sein Reiseleben als Rucksack-Tourist. In Asien fuhr er verschiedene Mopeds und Roller und in Australien riesige Wohnmobile. Relocation (auf Deutsch Überführung) heißt der Deal, bei dem junge, ungebundene Fahrer ein Wohnmobil kostenlos erhalten, wenn sie es in einer vorgegeben Zeit über tausende von Kilometern von einem Standort zum anderen fahren. In Kalifornien arbeitete Max als Erntehelfer und musste für Einkäufe den farmeigenen Pick-up fahren.

Er kann kein Auto-Feind sein, denn wenn er von diesen Fahrten im großen Toyota Tacoma über eine 30 Kilometer lange Schotterstrecke berichtet, bekommt er glänzende Augen. Dennoch sieht Max in Deutschland den Gebrauch von Pkw eher als Umwelt-Sünde an. So leiht er sich den Wagen seines Vaters zwar oft, aber eher widerwillig aus. Ansonsten stehen Trampen und der öffentliche Nahverkehr ganz hoch im Kurs.

Es gibt auch noch drei Cousins und eine Cousine in der Familie. Anika, mit 18 Jahren die Jüngste, fährt begeistert ihren gebrauchten Renault Twingo. Lucas, Marco und Oli haben alle drei kein Auto.

Fazit: Zehn junge Menschen in Familie und Verwandtschaft, zwischen 18 und 30 Jahren alt, die alle im urbanen Raum leben. Zwei von ihnen besitzen ein Auto. Fünf fahren gelegentlich und drei fahren gar nicht Auto.

Christian, 26, ist der einzige Sohn des Autors, der ein eigenes Auto hat. Es ist ein 20 Jahre alter Golf 3 wie dieser, der ihm aber völlig ausreicht. Foto: VW Foto: VW
Der Renault Twingo wurde bis 2007 gebaut. Er ist noch immer beliebt. Besonders gesucht sind Gebrauchte mit dem großen Faltdach. Foto: Renault Foto: Renault

Die Autofirmen stehen vor der großen Herausforderung, weiterhin auch junge Menschen für ein eigenes Auto zu begeistern.