Fahrbericht : Knurriger Packesel mit kraftvollem Trab

Der Opel Astra Sports Tourer kommt mit dem 145 PS starken Dreizylindermotor gut vom Fleck. Der Fahrkomfort überzeugt.

Der Opel Astra war mal das meistverkaufte Auto der Marke mit dem Blitz. Lange lieferte er sich ein Kopf-an-Kopf-Duell mit dem meist beliebteren VW Golf, doch diese Zeiten sind lange vorbei. Dabei ist er gewiss nicht nur ein Kompaktauto unter vielen. Vor allem als Sports Tourer, wie Opel seine Kombis heute modisch nennt, begleitet er seine Nutzer laufruhig und komfortabel durch den Alltag, schleppt mit seinem großen Laderaum mühelos den Bedarf fürs traute Heim aus Baumarkt oder Gartencenter nach Hause und überrascht obendrein sogar als Benziner mit erfreulich günstigem Treibstoffverbrauch.

27 280 Euro kostet der Opel-Kombi mit der kräftigsten Motorversion und der höchsten Ausstattungsstufe Elegance, damit liegt er 1000 Euro über dem Preis der Limousine. Dafür gibt es ein umfangreiches Paket von Assistenzsystemen und 145 PS/107 kW Leistung, die der aufgeladene Dreizylinder aus gerade mal 1,2 Liter Hubraum schöpft.

Der optionale elektronische Schlüssel entsperrt die Tür, der Fahrersitz rückt elektrisch unterstützt in die richtige Position, dann beginnt die Suche nach dem Startknopf. Beim ersten Mal zumindest, denn wer sein Versteck hinter dem lederbezogenen Lenkrad entdeckt hat, wird in künftig mühelos ertasten können.

Das Triebwerk erwacht mit dem charakteristischen Rumpeln zum Leben, die Laufruhe gehört nicht zu den Stärken des Dreizylinder-Verbrennungsmotors. Dafür überzeugt die Maschine mit erheblicher Durchzugskraft. 225 Newtonmeter Drehmomentspitze stellt der 1,2-Liter-Benziner bei 2000 Umdrehungen in der Minute bereit. Den Leistungsabruf per Gaspedal quittiert er spontan und ohne spürbaren Verzug. 9,6 Sekunden vergehen beim Sprint von 0 auf 100 km/h. Stolze 220 km/h zeigt der digitale Tacho bei Höchstgeschwindigkeit an.

Die Schaltung des manuellen Sechsganggetriebes funktioniert präzise und mit kurzen Wegen. Als Alternative bietet sich ausschließlich für diese Motorisierung eine stufenlose Automatik an. Sie kostet allerdings fast 2000 Euro Aufpreis.

Die handgeschaltete Version des Sports Tourer verlangt fleißige Gangwechsel, denn bei weniger als 1500 U/min wird die Maschine unwillig und noch knurriger. Das Fahren in der Stadt ist gerade so im vierten Gang möglich, Tempo-30-Zonen lassen sich nur im dritten Gang durchqueren. Die Übersetzungen sind allerdings aus gutem Grund lang ausgelegt. Die niedrigen Drehzahlen wirken sich überaus positiv auf den Treibstoffverbrauch aus. Im WLTP-Prüfzyklus ergibt sich beim Astra Kombi mit 145 PS ein Normverbrauch von 5,6 Litern Super auf 100 Kilometer. In der Praxis lag sein Konsum kaum darüber, 5,7 Liter ermittelten wir. Bei betont sparsamer Fahrweise ist reichlich Luft nach unten. Auf Teilstrecken genügten 4,7 Liter für 100 Kilometer. Bei 48 Litern Treibstoff-Vorrat an Bord wird der Opel Kombi zum seltenen Gast an den Tankstellen.

Den Sports Tourer kauft, wer viel zu transportieren hat. Ob Sportausrüstung oder Pflanzerde, schon im Normallfall passen mindesten 540 Liter in den Kofferraum. Wer die Lehnen der Rückbank nach vorne klappt, erhält nicht nur eine ebene Ladefläche, sondern steigert das Volumen auf 1630 Liter. Die Ladekante stellt beim Verstauen des Gepäcks keine große Hürde dar, sie siedelt nur 65 Zentimeter über dem Asphalt. Unter zu geringer Zuladung leidet der Sports Tourer ebenfalls nicht, 515 Kilogramm darf er einpacken. Gering fällt dagegen seine Anhängelast aus. Bei 1250 genehmigten Kilogramm darf er lediglich mittelgroße Caravans oder leicht Transportanhänger ins Schlepp nehmen.

Das Fahrwerk verwöhnt mit ausgewogenem Komfort, ist sanft genug auf schlechter Strecke, um die harten Schläge wegzufedern, und in Kurven stramm genug, um auf Kurs zu bleiben. Lenkung und Bremsen unterstützen den Chauffeur immer ebenso angemessen wie die passend konturierten Sitze mit dem Gütesiegel der „Aktion gesunder Rücken“. Die gibt es auf Wunsch und noch viele Extras mehr, die bislang eher in höheren Autoklassen zu finden waren. Das LED-Matrix-Licht etwa, ein Bose-Audiosystem, die beheizbare Frontscheibe, Sitzheizung und Kühlung. Echtzeit-Navigation sowie kabelloses Laden des Smartphones gehören ebenfalls dazu.

Von den drei Rundinstrumenten ist nur der Tacho in der Mitte digital dargestellt, die anderen beiden analog. Foto: Opel
Bei umgeklappten Rücklehnen entsteht eine ebene Ladefläche. Das Ladevolumen steigt von 540 auf 1630 Liter. Foto: Opel

Der Astra Kombi ist ein solider Begleiter im Alltag oder auf der Urlaubsreise. Seine Bedienung und Fahrbarkeit sind einfach, seine Talente vielfältig. Und die 1000 Euro Aufpreis zur Limousine gehen durchaus in Ordnung. Schließlich gibt es beim Sports Tourer in der Länge rund 30 Zentimeter mehr Auto als beim Schrägheck-Astra.