Meistert jetzt auch unbefestigte Wege

Automobil : Im Abenteuerdress auf Kundenfang

Der Absatz des einstigen Flaggschiffs Superb schwächelt. Daher hat Skoda die Limousine und den Kombi etwas frisch gemacht.

Zu Beginn dieses Jahrtausends wagte Skoda mit dem Superb den Sprung in die obere Mittelklasse. Man griff dazu einen Namen aus der großen Geschichte des Unternehmens auf: Superb hieß bereits eine 5,20 Meter lange Limousine, die im Jahr ihres Erscheinens 1935 einen Schönheitspreis als elegantester Wagen einheimste.

Das konnte man von der ersten Generation der Neuzeit so nicht sagen, denn ihre Karosserie erinnerte stark an den VW Passat, mit dem sie auch die Technik teilte. Entsprechend bescheiden waren die Zulassungszahlen in Deutschland. Die hiesige Skoda-Kundschaft dachte wirtschaftlich und war mit den Platzverhältnissen im Octavia, der etwas oberhalb des VW Golf antrat, durchaus zufrieden.

Das änderte sich erst mit dem Erscheinen der zweiten Generation des Superb. Die Karosserie mit ihren eleganten, fließenden Linien knüpfte an den Namensgeber aus den 1930er Jahren an. Sprungartig erhöhten sich die Verkäufe von rund 5000 jährlich auf das Dreifache. Dieser Erfolg wiederholte sich mit der dritten Serie im Jahre 2016, als es auf eine Stückzahl von 25 000 zuging. Dies bröckelte aber infolge der SUV-Mode und des neuen Flaggschiffes Kodiaq, sodass die Tschechen dem Superb nach dreieinhalb Jahren Bauzeit nun eine Modellpflege und einen Ausbau des Angebots um eine robuste Ausführung zukommen lassen.

Äußerlich sind die Scheinwerfer vorn unmittelbar an den Grill herangerückt, der in der Sportline-Ausstattung dunkel umrandet ist und sonst verchromt erscheint. Die senkrechten Stäbe im Kühlergrill hat man verdoppelt, die Leuchten schmaler als bisher gezeichnet. Die ebenfalls schmaler gewordenen Nebellampen glitzern als LED-Kristalle, eine böhmische Handwerkskunst, auf die sich die Skoda-Designer immer wieder als Quelle der Inspiration berufen. Am Heck betont eine Chromleiste die Breite und kennzeichnet auf den ersten Blick die kommenden Superb-Jahrgänge.

Auch im Innenraum sieht der überarbeitete Superb durch die Verwendung von etwas mehr Chrom wertvoller als bisher aus. An seiner Maßstäbe setzenden Geräumigkeit wird nicht gerüttelt: Die hintere Beinfreiheit macht ihn als Chauffeurswagen tauglich, und an die Gepäckraumgröße kommt keiner in seiner Klasse heran. In der Limousine, die in Deutschland nur zehn Prozent der Verkäufe ausmacht, passen 625 Liter unter die Gepäckraumabdeckung, im Kombi gar 660 Liter.

Ist man nur zu zweit unterwegs, wird der Superb Combi zum Kleintransporter, der dachhoch fast zwei Kubikmeter fasst. Da keine Ladekante überwunden werden muss, lässt sich Transportgut jeglicher Art leicht einschieben.

Erstmals bietet Skoda eine robuste Scout-Ausführung des Superb an. Sie ist für Kunden gedacht, die hin und wieder den Asphalt verlassen wollen. Deshalb hat das Modell Allradantrieb, steht anderthalb Zentimeter höher in den Rädern und zeigt vorn wie hinten Unterfahrschutz. Die Radkästen, Seitenschweller und unteren Teile der Türen werden mit Kunststoffleisten vor Kratzern bewahrt, wenn es auf dem Feldweg durch die Büsche geht. Der Superb Scout ist nur als Combi erhältlich, den Skoda schon lange mit großem C schreibt, weil das angeblich vornehmer aussieht.

Für den Superb Scout gibt es zwei Motorisierungen: ein Dieseltriebwerk mit 2,0 Litern Hubraum und 190 PS/140 kW und ein Benzinmotor gleicher Größe, aber viel mehr Leistung: 272 PS/200 kW. Obwohl der Diesel, der bei der Produktion mehr technischen Aufwand erfordert, in der Regel teurer verkauft wird, hat Skoda ihn mit 46 150 Euro billiger gemacht als den stärkeren Benziner, für den 1300 Euro mehr bezahlt werden müssen. Beides ist kein Pappenstiel.

Die Motorenpalette des modellgepflegten Superb ist überschaubar: Außer den beiden im Scout verfügbaren Aggregaten sind noch zwei Benzinmotoren mit 190 PS/140 kW und 150 PS/110 kW im Angebot. Das Einstiegsmodell für 28 850 Euro ist mit einem handgeschalteten Sechsganggetriebe zu haben, alle anderen Ausführungen übertragen die Kräfte mit Hilfe einer DSG-Automatik. Die Aufpreise für die jeweiligen Kombis betragen einen runden Tausender.

Die Chromumrandungen im Innenraum lassen den aufgefrischten Superb wertvoller als bisher wirken. Foto: Skoda
Ein Skoda Superb OHV aus dem Jahr 1948 mit 2,5-Liter-Sechszylindermotor und 55 PS/40,5 kW Leistung. Foto: Skoda

Auf ersten Testfahrten zeigten sich die Motoren durchzugskräftig und gut gedämmt, passend zum Anspruch, Fahrzeugen von sogenannten Premiumherstellern in Vergleichstests durchaus den Auspuff zu zeigen. Der große Skoda bietet hohen Fahrkomfort und lässt sich präzise durch Kurven steuern. Auf Wunsch gibt es adaptive Dämpfer.

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