Jaguar XE: Raubkatze will Platzhirsche aufschrecken

Automobil : Raubkatze will Platzhirsche aufschrecken

Der Verkauf der Mittelklasse-Limousine Jaguar XE schwächelt derzeit. Eine Auffrischung außen wie innen soll wieder Boden gutmachen.

Für Neueinsteiger ist es nicht immer leicht, sich auf Anhieb gegen etablierte Gegner durchzusetzen. Jaguar hatte bereits in den Jahren zwischen 2001 und 2009 mit dem X-Type erstmals einen wenig erfolgreichen Ausflug in die automobile Mittelklasse versucht. Doch der X-Type wurde von vielen nur als etwas edlere Ausführung eines Ford Mondeo, aber nie als richtiger Jaguar betrachtet, da Plattform und Antrieb aus dem Hause des damaligen Jaguar-Eigners Ford kamen.

Für den zweiten Anlauf mit der Limousine XE hat der indische Tata-Konzern, zu dem Jaguar und Land Rover seit einem guten Jahrzehnt gehören, richtig in die Taschen gegriffen: Knapp zwei Milliarden Euro wurden in ein neues Montagewerk und noch einmal 650 Millionen in eine neue Motorenfabrik investiert.

Mit dem XE versucht der britische Autobauer seit vier Jahren, in der stark umkämpften automobilen Mittelklasse vor allem den Platzhirschen Audi A4, BMW 3er und Mercedes-Benz C-Klasse Marktanteile abzujagen. Da der Absatz aber schwächelt, soll eine Überarbeitung neuen Schwung bringen.

Den XE hatten die Jaguar-Ingenieure von Grund auf neu konstruiert und dabei in hohem Maße auf Leichtbau und hohe Steifigkeit gesetzt. Über 75 Prozent der Karosserie sowie Vorder- und Hinterachse bestehen aus Aluminium. Weniger Gewicht und ein niedriger Luftwiderstandsbeiwert von 0,26 bedeuten weniger Verbrauch und damit einen geringeren CO2-Ausstoß.

Seit seinem Marktstart im Jahr 2015 hat es der XE hierzulande allerdings nicht geschafft, seinen zigtausendfach verkauften deutschen Konkurrenten ernsthaft an den Reifen zu treten. Fanden im ersten vollen Verkaufsjahr 2016 noch knapp 2800 XE einen Käufer, waren es zwei Jahre später nur noch 1100. Ein Grund dafür könnte sein, dass es den XE nur als Limousine und nicht als Kombi gibt, der in Deutschland eine große Anhängerschaft besitzt.

Diese Angebotslücke wird auch nach der aktuellen Überarbeitung bleiben, bei der allerdings umfangreiche Änderungen – vor allem bei der Innenausstattung – den hohen Anspruch an einen Jaguar besser erfüllen sollen.

Armaturentafel, Mittelkonsole und Türverkleidungen sind mit weicheren Materialien bezogen, die das bisher verwendete Hartplastik verdrängt haben. Zusätzlich stehen verschiedene Dekoreinlagen aus Holz, Aluminium oder Karbon zur Wahl. Elektrisch verstellbare Ledersitze und ein neues Multifunktions-Lederlenkrad gehören ebenso zur Serienausstattung wie der 10 Zoll große berührungsempfindliche Bildschirm sowie die Rückfahrkamera und der Spurhalteassistent.

Der nach dem Anlassen des Motors aus der Mittelkonsole ausfahrende Drehregler, bislang ein Alleinstellungsmerkmal bei Jaguar und Land Rover, wurde durch den griffgünstigen Getriebewählhebel aus dem flotten Zweisitzer F-Type ersetzt.

Aus dem elektrisch angetriebenen I-Pace stammt die digitale Instrumentenanzeige mit 12,3 Zoll großem TFT-Bildschirm, auf dem sich Fahr- und Navigationsdaten in vier unterschiedlichen Einstellungen anzeigen lassen. Je nach gewählter Ausstattung (S, SE, HSE oder R-Dynamic) ist diese im Grundpreis enthalten oder kostet 700 Euro extra.

Für 100 Euro weniger steht eine weitere Neuheit in der Aufpreisliste: Hinter der Bezeichnung ClearSight Smart View verbirgt sich eine Kamera in der Dachantenne. Von dort blickt sie auf den nachfolgenden Verkehr und überträgt ihre Bilder auf einen Bildschirm, der im rahmenlosen Innenrückspiegel integriert ist.

So hat der Fahrer selbst bei voll besetzter Rückbank mit drei Erwachsenen eine gute Übersicht nach hinten. Auf unserer ersten Testfahrt zeigte sich allerdings, dass sich das Auge beim Blickwechsel vom Straßenverlauf auf das Kamerabild erst kurze Zeit anpassen muss, um alles scharf wahrzunehmen.

Nicht nur der Innenraum, sondern auch das Blechkleid des XE wurde überarbeitet. Der Kühlergrill mit dem neuen Gitternetz ist flacher und breiter, die seitlichen Lufteinlässe im vorderen Stoßfänger sind größer geworden. Kleinere Änderungen gab es auch bei der unteren Blende am Heck. Schmaler geformt sind die Voll-LED-Scheinwerfer mit ihren dunklen Reflektoren sowie die LED-Rückleuchten. Blinker mit Lauflicht zeigen die Fahrtrichtung an. Alle XE-Modelle rollen jetzt auf mindestens 18 Zoll großen Felgen.

Das Motorenangebot wurde gestrafft, ein Diesel und zwei Benziner mit jeweils vier Zylindern und 2,0 Litern Hubraum stehen zur Wahl. Der Diesel leistet 180 PS/132 kW, die Turbo-Benziner bringen es auf 250 PS/184 kW und 300 PS/221 kW. Bei allen Motorisierungen übernimmt eine Achtstufenautomatik von ZF die Kraftübertragung. Vier angetriebene Räder sind serienmäßig im stärkeren Benziner und aufpreispflichtig beim Diesel (2250 Euro).

Statt mit hartem Plastik sind Armaturentafel und Konsole im XE jetzt mit weichen Materialien bezogen. Foto: Jaguar

Die Preise des aufgefrischten XE liegen trotz besserer Ausstattung auf dem bisherigen Niveau und beginnen bei 43 690 Euro. Darin enthalten sind drei Jahre Garantie und sämtliche in diesem Zeitraum anfallenden Inspektionen. Die überarbeitete Limousine kann bei den Jaguar-Händlern bereits in Augenschein genommen werden.

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