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Im SUV-Segment drängeln die Neulinge

Im SUV-Segment drängeln die Neulinge

Welche Automodelle verkaufen sich wie frisch geschnitten Brot? Richtig, es sind Geländewagen und SUVs. Kein Wunder also, dass auch in diesem Jahr das Angebot durch zahlreiche Neuheiten weiter wächst.

Der Audi Q7 e-tron mit Plug-in-Diesel-Hybrid soll nach der Norm nur 1,8 Liter verbrauchen.
Der F-Pace, das erste Jaguar-SUV, nutzt die Technik der Mittelklasse-Limousine XE.
Auch die Sportwagenmarke Maserati will vom SUV-Boom profitieren und startet den Levante.
Seats erstes SUV, der Ateca, zeigt den kantigen Look, der schon beim Leon viel Beifall erhielt.
Der Tesla Model X mit Flügeltüren läuft rein elektrisch und bietet Platz für bis zu sieben Passagiere.
Der VW Tiguan ist das erfolgreichste SUV in Deutschland. Das neue Modell startet im April.

Die Gründe für den Boom der SUVs (Sports Utility Verhicle, auf Deutsch dem Sinn nach Geländelimousine) sind vielfältig. Fast immer nennen Käufer die höhere Sitzposition, den besseren Überblick und den bequemeren Ein- und Ausstieg. Allradantrieb und Geländegängigkeit spielen dagegen eine untergeordnete Rolle.

In diesem Jahr wächst das SUV-Angebot durch zahlreiche Neuheiten. Einige Hersteller bringen die zweite Generation ihrer SUV-Vorreiter: wie VW den neuen Tiguan und Audi den neuen Q5. Andere Hersteller starten 2016 erstmalig mit SUVs: Jaguar mit dem F-Pace, Bentley mit dem Bentayga und Seat mit dem Ateca.

Bei den SUV-Neuzulassungen im vergangenen Jahr in Deutschland war der VW Tiguan mit knapp 59 000 Exemplaren der Spitzenreiter. Auf Platz zwei kam der eine Nummer kleinere Opel Mokka mit knapp über 31 000 Zulassungen, auf Platz drei der Ford Kuga mit rund 28 500 Registrierungen, gefolgt von der zweiten Generation des Nissan Qashqai mit über 27 500 Exemplaren. Auch größere SUVs sind beliebt wie Audi Q5 (Platz acht mit über 21 000 Exemplaren) und BMW X3/X4 (Platz neun mit knapp 21 000 Fahrzeugen). Große SUVs wie Audi Q7 (rund 8400 Autos), BMW X5 (rund 10 600 Exemplare) und Mercedes ML (über 11 000 Autos) spielen eine kleinere Rolle.

Die erste SUV-Neuheit 2016 ist der Bentley Bentayga. Er basiert auf dem Audi Q7, wiegt rund 2,4 Tonnen und verfügt über einen 608 PS starken Zwölfzylinder. Der Normverbrauch beträgt 13,1 Liter, der Basispreis über 208 000 Euro, die erste Jahresproduktion ist bereits ausverkauft. Ebenfalls über 2,4 Tonnen schwer ist der Audi Q7 e-tron mit Diesel-Hybrid-Antrieb und einer Systemleistung von 275 PS. Er kommt im März. Dank der Plug-in-Hybrid-Technik, bei der der Normverbrauch mit vollgeladenen Batterien ermittelt wird, schluckt er nur 1,8 Liter. Ein City-SUV unterhalb des Audi Q3 folgt im Herbst mit dem Kürzel Q2. Und gegen Ende des Jahres wird der Audi Q5 abgelöst. Die zweite Generation bleibt der Grundlinie treu, soll aber mit Laserlicht, digitalen Instrumenten und neuesten Assistenzsystemen fit für die Zukunft werden.

Voll auf Dynamik setzt der neue Jaguar F-Pace. Das erste SUV der Marke startet im April. Bei der Entwicklung wurde Know-how der Schwestermarke Land Rover genutzt, aber es ging von Beginn an mehr um Sportlichkeit als Geländegängigkeit. Der Topmotor, ein V6 mit Kompressor, leistet 380 PS und macht den F-Pace zum Konkurrenten des Porsche Macan. Land Rover selbst - ebenso wie Jaguar im Besitz des indischen Tata-Konzerns - wird in Sachen Modellpolitik immer mutiger. In den nächsten Wochen geht das erste Kompakt-SUV als Cabrio in den Handel. Das Range Rover Evoque Cabrio eröffnet ein neues Unter-Segment und lässt sich die Vorreiter-Position mit einem Grundpreis von 51 200 Euro horrend vergüten. Mal sehen, wann Audi , BMW und Co. mit ähnlichen Varianten erscheinen.

Mut zeigt Land Rover gleich noch mal, und zwar Mut zur Lücke. Die Produktion des Land Rover Defender wurde nach fast 68 Jahren eingestellt, ohne aktuellen Ersatz im Programm. Selbst der neue Discovery, der zum Jahresende kommt, bleibt eher ein Soft-SUV und wird kaum die Freunde des "harten Landies" anlocken.

Auch die dynamische Sportwagenmarke Maserati bringt 2016 ihr erstes SUV. Mit einer Länge von knapp fünf Metern zielt der allradgetriebene Maserati Levante, der so gar nicht auf schlammige Feldwege passen will, exakt gegen den Porsche Cayenne. Das Basismodell mit 275 Diesel-PS soll rund 70 000 Euro kosten. Schon spekulieren Medien, dass über dem angekündigten V6-Biturbo mit 410 PS später ein V8 mit rund 560 PS platziert werden soll.

Mercedes-Benz hat bereits in diesen Tagen die Facelift-Version des großen GL unter dem neuen Namen GLS in den Handel gebracht. Im Herbst wird das neue rundliche Mittelklasse-SUV GLC - das C verrät, dass Größe und Technik der C-Klasse-Limousine entsprechen - von einer Coupé-Version ergänzt. Die Stuttgarter folgen damit dem Weg, den BMW bereits mit dem X3 und dem coupéartigen X4 gegangen ist.

Der Seat Ateca startet im Juli als erstes SUV der Marke. Die Technik stammt vom VW Golf VII. Mit einem besonders günstigen Einstiegspreis will Seat vor allem den asiatischen Kompakt-SUVs von Nissan, Hyundai und Co. Käufer abjagen. Die Topversion mit 190-TDI-PS könnte auch für Käufer des neuen Tiguan interessant sein. Doch der VW Tiguan, der im April in den Verkauf geht, ist eine halbe Nummer größer und entsprechend teurer. Ebenfalls neu aus dem VW-Konzern kommt im Herbst ein zweites Skoda-SUV, das größer wird als der erfolgreiche Yeti. Ob der Wagen Snowman oder Kodiak heißen wird und technisch dem längeren, zum Jahresende erwarteten Tiguan XL entspricht, ist noch nicht klar.

Ein echter Exot soll Mitte des Jahres starten. Die Rede ist vom elektrisch angetriebenen Tesla Model X. Der amerikanische Hersteller positioniert den Siebensitzer mit einer Länge von knapp über fünf Metern zwar als großes SUV. Doch die relativ rundlich und flach geformte Karosserie wirkt eher wie ein Familien-Van. Der 2,5-Tonnen-Koloss verfügt über zwei Elektromotoren mit insgesamt 510 PS und Allradantrieb. Tesla verspricht eine Beschleunigung von Null auf 100 km/h in 3,4 Sekunden, eine Spitze von 250 km/h und eine Reichweite von rund 450 Kilometer.

Zurzeit wird der Wagen in den USA in Mini-Stückzahlen an die ersten Kunden ab 80 000 Dollar verteilt. Tesla versucht, auch in Deutschland die Begehrlichkeit künstlich anzuheizen. Ohne weitere Daten und ohne den Grundpreis zu kennen, kann man auf der Tesla-Website einen Model X bestellen. Allerdings wird die Bestellung erst nach einer Anzahlung von 4000 Euro gültig.