Hart wie altes Nougat

Hart wie altes Nougat

Renaults Kompaktklasse hat bewegte Zeiten erlebt. Als Nachfolger des R18 debütierte 1992 der Mégane, der 2001 wegen affektierter Formen Schelte bekam und heute eine eher weichgespülte Erscheinung im Straßenbild ist. Es sei denn, er tritt als GT Coupé im gefälligen Sporttrikot auf.

Das Mégane GT Coupé von Renault trägt mächtig auf. Wuchtige Stoßfänger, dicke Seitenschweller und dezentes Spoilerwerk geben ihm Statur. Der 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel passt dazu nicht wirklich. Zwar arbeitet er mit anständiger Durchzugskraft. Wie es für einen Selbstzünder typisch ist, liebt er die hohen Drehzahlen jedoch nicht. So bleiben 380 Newtonmeter Drehmomentspitze zwischen 2000 und 2800 U/min ein druckvolles, aber sprödes Ereignis.

Die Laufkultur ist eher rau. Besonders sparsam ist der Diesel auch nicht. Unser Testverbrauch von 6,4 Litern im Durchschnitt ist den kräftigen Ausschlägen nach oben geschuldet, die sich die Maschine bei zügigen Autobahnpassagen leistet. Dann konsumiert sie leicht acht Liter. Für ein scharf geschnittenes Coupé bietet der Mégane jedoch ein ordentliches Kofferraumvolumen. 377 Liter fasst das Gepäckabteil mindestens, wer die Rücksitzlehnen umklappt, kommt auf bis zu 1024 Liter Volumen.

Seine Trümpfe spielt der eilige Franzose auf der Landstraße aus, wenn sein Pilot den Freuden des zügigen Fahrens frönen will. Die Lenkung arbeitet halbwegs genau und ermöglicht so strenges Kurshalten in den Kurven. Leichtes Schieben über die Vorderräder stört die Agilität nicht, im Gegenteil. Eine ins ESP eingebettete Kontrolle des Untersteuern macht dem Mégane auch dann noch Beine, wenn die Grenzen der Fahrphysik in Sicht kommen. Die kräftig zupackenden Bremsen machen ihre Sache ebenfalls gut, die sechs Gänge des Getriebes schalten sich genau und leichtgängig.

Fahraktiv ist das GT Coupé also allemal. Bei eher entspannter Fahrweise dagegen treibt es zartbesaitete Fahrer schnell an ihre Toleranzgrenze. Die übermäßig harte Federung kennt keinen Kompromiss, wer "Sport" will, bekommt ihn hier geboten. Selbst auf geringen Verwerfungen im Asphalt teilt die Federung Schläge an die Insassen aus, die fast schmerzen. Das Gleiten durch die Stadt ist kein Vergnügen, vor allem die Mitfahrer im engen Fond leiden unter der Härte von Federn und Dämpfern.

Mehr Komfort bietet der Renault bei der Bedienung. Schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, Klima-Automatik und Audioanlage gehören zum Standard. Die Vordersitze mit guter Seitenführung machen ein wenig vom rüpelhaften Federungsverhalten wett. Die Verarbeitung und der Materialmix wagen obendrein den Versuch einer Versöhnung. Und viele Ablagen und Staufächer taugen im Alltag gut.

Der Verzicht auf die GT-Ausstattung, zu der neben den auffälligen Außen-Accessoires auch das Sportfahrwerk mit strammen Dämpfern und Federn gehört, wäre ein gute Idee. Unverständlicherweise gibt es die "Expression"-Version nur mit den Basismotoren, bei denen der Benziner 115 PS/85 kW und der Diesel 110 PS/81 kW leistet. Diese beiden Ausführungen sind aber auch 5000 und 6000 Euro billiger.

Materialauswahl und Verarbeitung überzeugen. Fotos: Renault.

Zum Thema:

Ausführung:SportcoupéPreis:26 700 EuroLänge:4,30 MeterBreite:1,80 Meter Höhe:1,42 MeterRadstand:2,62 MeterLeergewicht:1456 KilogrammZuladung:450 KilogrammGepäckraum:377 - 1024 LiterAnhängelast:1300 KilogrammMotor:4-Zylinder-DieselHubraum:1995 ccmLeistung:165 PS/122 kWDrehmoment:380 Newtonmeter bei 2000 U/minAbgasnorm:Euro 5CO{-2}-Ausstoß:145 g/kmSpitze:220 km/h0 auf 100 km/h:5,8 SekundenNormverbrauch:5,6 Liter Diesel