Gute Autositze sind für Vielfahrer von enormer Wichtigkeit

Automobil : Der Kampf gegen das Kreuz mit dem Kreuz

Gute Autositze sind für Vielfahrer von enormer Wichtigkeit. Deshalb gibt es spezielles Gestühl.

 Rückenschmerzen sind bei Vielfahrern der häufigste Grund für Krankschreibungen. Tausende Dienstwagenfahrer und Außendienstler sind Stammgäste beim Orthopäden und Physiotherapeuten. Die Krankenkassen bestätigen das und bieten den Versicherten Rückenschulungen und andere Prophylaxen an. Denn das Behandeln von Wirbelverschleiß und Schulterverspannung kostet sie Milliarden.

Die Zahl derer, die sich wegen Schmerzen im Kreuz behandeln lassen, ist in den vergangenen Jahren um 50 Prozent gestiegen, 2017 waren das fast eine halbe Million Menschen. Als Vielfahrer gilt, wer täglich mehr als 90 Minuten in seinem Auto verbringt. Das trifft auf 40 Prozent aller Autofahrer zu. Für die zumindest ist Hilfe schon viel früher und vor allem günstiger zu haben. Ergonomisch korrekt geformte Autositze können der Wirbelsäule Halt geben und so folgenschwere Schädigungen nicht nur bei jenen verhindern, die jedes Jahr viele Tausend Kilometer im Auto zurücklegen.

Einer der Hersteller, die das Kreuz mit dem Kreuz schon seit Jahren ernst nehmen, ist Opel. Früh begannen die Rüsselsheimer damit, ihre Sitze von Experten konstruieren und von weiteren kontrollieren zu lassen. Hilfestellung gab es von der Aktionsgemeinschaft gesunder Rücken (AGR), die ihr Kürzel gewissermaßen als Prüfsiegel für korrekt gestaltetes Gestühl vergibt.

Bewertet werden dabei die Verstellwege, das Verhältnis von Sitzfläche zu Lehne, der Härtegrad der Polsterung und das Vorhandensein und die Wirksamkeit einer Lendenwirbelstütze. Selbst das Sitzklima spielt eine Rolle, denn sowohl eine kalte Lehne im Winter als auch eine schlecht belüftete im Sommer kann einem Rückenleiden Vorschub leisten. Ein durchgeschwitztes Hemd ist nicht nur unangenehm, sondern birgt auch nach dem Aussteigen ein erhebliches Verkühlungspotenzial.

Besonders kleine oder besonders große Menschen müssen im Auto Gleichheit erfahren und eine korrekte Haltung einnehmen können. Die Sitzfläche muss lang sein, um den Oberschenkeln genügend Auflage zu geben, eine gute Lehne führt bis über die Schulterblätter hinaus, um sie zu stützen. Eine zu weiche Polsterung führt zu Verspannungen, eine zu harte wird als unkomfortabel empfunden.

Ein entscheidendes Kriterium für das Sitz-Gütesiegel ist die Lendenwirbel- oder Lordosenstütze. Sie muss sich einerseits in der Höhe justieren lassen, um verschieden großen Fahrern zu genügen, andererseits in ihrer Intensität variabel sein, denn nur so vermag sie den unteren Teil der Wirbelsäule wirksam zu stützen.

Nicht nur die Sitzentwicklung ist ein kostspieliges Unterfangen, auch die Produktion geht ins Geld. „Zehn bis zwölf Prozent der Gesamtkosten eines Autos gehen auf das Konto der Sitzanlage“, sagt Jonas Eisenbraun, Sitzentwickler bei Opel. Dabei sind nicht nur die Einrichtung von Verstellmöglichkeiten und das Material entscheidende Faktoren, sondern auch das Dogma des Leichtbaus führt zu noch höheren Anforderungen an elektrische Justierung und Sitzklimatisierung.

Zehn Kilogramm konnten bei der Bestuhlung des neuen Astra eingespart werden. Rund 400 Euro verlangt Opel als Aufpreis für den Sitz mit AGR-Siegel, die Krankenkassen subventionieren diese Kosten leider nicht. Autositze mit AGR-Siegel bieten zudem DS Automobiles, Ford, Hyundai, Mercedes-Benz, Peugeot, Recaro und Volkswagen an.

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