Automobil : Ganzjahresreifen auf dem Vormarsch

Allwetterreifen ersparen den umständlichen und teuren Wechsel von Sommer- und Winterreifen. Für viele Autofahrer sind sie bereits ein durchaus brauchbarer Kompromiss.

Winterreifen ab Oktober, Sommerreifen ab Ostern. Für die meisten Fahrer ist dies die bewährte, sichere, freilich auch umständliche und teure Lösung. Reifendruck-Kontrollsysteme, bei neueren Wagen Pflicht, verteuern die Sache weiter. Mehr und mehr Fahrern ist dann auch die „O bis O“-Regel schnuppe. Sie montieren Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, die unter Bezeichnungen wie Cross Climate, All Season Contact, 4Season oder Weather Control angeboten werden. Deren Absatz steigt – derzeit rund 18 Prozent Marktanteil –, normale Sommer- und Winterreifen verlieren.

Vor fünf Jahren waren Reifen, die im Winter wie im Sommer gute Eigenschaften bieten sollen, oft noch ein schlechter Kompromiss. „Allwetterreifen durchweg schwach“, urteilte die Stiftung Warentest 2014. Anders heute die Auto-Zeitung: „Ein guter Ganzjahresreifen ist mehr als nur eine Notlösung und sichert auch im Winter das Weiterkommen.“

Fortschritt bedeuten vor allem neue Rezepturen für die Gummimischung des Laufstreifens. Sie bringen bisher gegensätzliche Forderungen viel besser unter einen Hut: zufriedenstellendes Haftvermögen auf Schnee, Eis, Nässe, aber auch bei Wärme auf trockener Straße und dazu exakte Lenkreaktion samt ordentlicher Lebensdauer.

Der Markt für die neuen Allrounder ist so gewachsen, dass es sie inzwischen von so gut wie allen Herstellern gibt – auch von Michelin und Continental, die sich am längsten sperrten. Die großen Marken landeten bei Vergleichstests prompt auf vorderen Plätzen.

Michelin sieht seinen Cross Climate eher als Sommerreifen mit Wintereignung. Der ADAC gab ihm gute Noten bei Trockenheit, Nässe und sogar Eis, dazu in Verbrauch und Verschleiß, schwächer schnitt er auf Schnee ab. Der All Season Contact von Conti steht den reinen Winterreifen näher. Mit entsprechend guten Noten auf Nässe und Schnee, aber etwas eingeschränkter Lenkpräzision bei Trockenheit.

Auch andere Fabrikate stehen näher an Winter- oder näher an Sommerreifen. Tests der Fachpresse enden nicht immer eindeutig. Sie hängen auch von der Reifengröße ab, vom Fahrzeug und natürlich von den jeweiligen Testkriterien. Wer einen Vergleich für seine spezielle Reifengröße sucht, wird auch im Internet fündig. Die Quelle sollte jedoch seriös und möglichst frisch sein.

Straßen sind bei uns im Winter vor allem nass. Auf dem Label, mit dem der Handel neue Reifen kennzeichnen muss, interessiert vor allem die Note für den Nassgriff. Sie aber sagt nicht viel. Die Hersteller geben sie sich selbst. Wichtig ist nicht nur die Bezeichnung „M+S“ (Matsch und Schnee) auf der Seitenflanke, sondern zusätzlich das kleine Dreieck mit einem Schneekristall. Dieser garantiert Mindestqualitäten auf Schnee. In Zukunft ist er die Voraussetzung dafür, dass M+S-Reifen als solche anerkannt werden.

Allwetterreifen mit einem Schneekristall genügen den Vorschriften für winterliche Fahrbahnen. Für viele Autofahrer sind sie tatsächlich ein überlegenswerter Kompromiss. Sie sind in jedem Fall geeignet für Stadt- und Zweitwagen, die wenig gefahren werden und bei plötzlichem Wintereinbruch stehen bleiben können. Stadtstraßen werden meist rasch geräumt, steile Partien sind selten. Zweitwagen sind oft klein, der schwere Motor belastet die Antriebsräder. Das sorgt für gute Wintereigenschaften. Für schwere Limousinen, für Sportwagen und selbstverständlich für Fahrten in den Wintersport werden weiter echte Winterreifen empfohlen.

Transporter, Last- und Lieferwagen sowie Mietautos nutzen Allwetterreifen seit Jahren, regelmäßiger Wechsel macht bei ihnen besondere Umstände. Das Angebot für sie ist groß. Sonderformen, etwa Runflatreifen mit Notlaufeigenschaften, oder Reifen, die sich bei einer Verletzung selbst heilen, gibt es noch selten. Serienmäßig mit Runflats ausgerüstete Wagen dürfen aber zu normalen Reifen wechseln.

Ganzjahresreifen sparen die Aufwendungen für den zweiten Rädersatz samt der Ausrüstung für das Reifendruck-Kontrollsystem, für den Räderwechsel, für das Aufbewahren der jeweils nicht benötigten Räder. Auch bei Allwetterreifen lässt sich sparen. Außer den großen Marken kommen durchaus auch weniger bekannte, aber eingeführte Hersteller wie Nokian, Vredestein, Hankook oder Yokohama in Frage. Dazu gibt es die Zweitmarken der Marktführer. So gehören Fulda und Sava zum Goodyear-Konzern, Barum, Uniroyal und General Tire zu Continental, Kleber und Goodrich zu Michelin.