Automobil : Elegant oder rasant durch den Sommer

Es ist erstaunlich, was Hersteller aus einem Kleinwagen machen können. Das zeigt unser Vergleich zwischen dem Fiat 500C Collezione und dem Abarth 595C Pista. Der Erste ist modisch elegant, der Zweite auf Tempo getrimmt.

Was BMW mit dem Mini geschafft hat und VW mit dem Käfer nicht, führt Fiat mit seinem Kleinwagen 500 seit 2007 erfolgreich vor: ein Stück Automobilgeschichte dauerhaft in die Gegenwart zu verpflanzen und ein bestimmtes Lebensgefühl zu vermitteln. In diesem Falle ein italienisches, wie es in deutschen Köpfen verankert ist. Wir haben uns aus dem 500er-Angebot die Themen Tempo und Mode zum Doppeltest herausgepickt: den Abarth 595C Pista und den Fiat 500C 1.2 Collezione.

Wie sie aussehen: Der Begriff Knutschkugel ist zwar schon durch den BMW-Kabinenroller Isetta besetzt, passt aber auch auf den Fiat 500 und zwar nicht nur auf das Ur-Modell von 1957. Der aktuelle Entwurf von 2007 ist ein Werk des italienischen Designers Roberto Giolito, der allerdings zuvor mit dem Sechssitzer Multipla eine weniger glückliche Hand hatte. Mit einer sanften Modellpflege 2015 hat man den Kleinwagen aktuell gehalten. Besonders gelungen finden wir die Rückleuchten, die ein Feld in Wagenfarbe umschließen.

Der Abarth versucht, vor allem mit dem Heck und vier Auspuffendrohren Eindruck zu machen, von der Seite mit 17-Zoll-Leichtmetallfelgen. Besonders in zweifarbiger Ausführung zeigt der 500 Collezione (so viel wie Sammlerstück) modische Eleganz, die durch einen schmalen kupferfarbenen Streifen unterstrichen wird, dessen Färbung sich an den Felgen wiederholt.

Was sie können: Beide Kleinwagen widerlegen auf ihre Art die Meinung, dass ein Auto nur dazu da sei, von A nach B zu gelangen. Denn sie machen wirklich Freude – und das bereits beim Einsteigen. Mit dem Abarth 595C (das C steht für Cabrio-Limousine) kann man ein bisschen Rennfahrer spielen, vor allem, wenn man den Sport-Knopf drückt. Dann ändert sich die Motorcharakteristik so, dass die 160 PS plötzlich spürbar werden – auch fürs Gehör. Markengründer und Rennfahrer Carlo Abarth hat einst einen Großteil seines Vermögens mit blubbernden Auspufftöpfen gemacht.

Keinerlei Lust auf Ampelrennen zeigt die Motorisierung des Collezione mit ihren 69 Pferdestärken. Die Leistung des braven 1,3-Liter-Vierzylinders älteren Datums reicht gut aus, um im Verkehr mitzuschwimmen. Auch mit ihm muss man sich auf der Autobahn nicht zwischen den Lastern einreihen, sondern kann zügig vorbeiziehen. Beide Testwagen übertrugen die Kräfte mit einem handgeschalteten Fünfgang-Getriebe.

Wie’s innen zugeht: Gelobt sei, was schwarz ist: So könnte man das Innere des Abarth beschreiben, wo einem ebenso wie außen das Skorpion-Markenzeichen ins Auge sticht. Von außen mag man angesichts der hinten abgerundeten Dachpartie kaum glauben, dass vier mittelgroße Erwachsene auf voll beledertem Gestühl mitfahren können.

Da sich die Vordersitze mit gekippter Lehne leicht bis ganz nach vorn schieben lassen, gestaltet sich der Zustieg für die beiden Fondpassagiere einfacher als befürchtet. Das weit nach hinten reichende Faltdach kann man auch in voller Fahrt mehrstufig binnen 16 Sekunden öffnen. Ganz zum Schluss klappen noch Dachkantenspoiler und Heckscheibe ein.

Auch im 500 Collezione geht’s innen eher dunkel zu, solange das Verdeck geschlossen bleibt. Der obere Teil der Sitze ist mit Kunstleder bezogen. Mit 185 Litern ist der Stauraum angesichts der Außenlänge von 3,66 Metern gar nicht so übel. Eine große Heckklappe gibt’s aber nur im 500er mit festem Dach. Im 500C und im 595C muss man alles durch eine Ladeluke schieben, die 76 mal 34 Zentimeter misst. Eine gemeine deutsche Sprudelkiste ist 33 Zentimeter hoch. Zwei davon lassen sich schräg von oben mit viel Geschick hineinbugsieren. Dieses Problem teilt das Auto mit einem Mitbewerber, dem DS 3 Cabrio.

Zudem entsteht eine 13 Zentimeter hohe Stufe, wenn man den Laderaum durch Umklappen der hinteren Sitzlehnen nach vorn verlängert. Wer regelmäßig etwas transportieren muss, sollte sich lieber den fünfsitzigen Fiat Panda anschauen.

Fiats Sportmarke Abarth hat auf Basis des 500 den rasanten 595 Pista entwickelt. Er ist auch mit Faltverdeck erhältlich. Foto: Abarth
Den 500 Collezione gibt’s mit einem Armaturenträger in Weiß und Beige. Foto: Fiat
Der Innenraum des Abarth 595 Pista ist ganz in Schwarz gehalten. Foto: Abarth

Was sie kosten und verbrauchen: Der 500er-Einstiegspreis liegt bei 12 890 Euro, immerhin gut 4000 Euro unter dem des einfachsten Mini. Der getestete 500C Collezione steht allerdings mit 19 190 Euro in der Preisliste, für den Abarth 595C Pista werden 24 290 Euro verlangt. Dabei entfallen jeweils 2600 Euro auf das Verdeck. Die Abarth-Preise beginnen bei 18 890 Euro für eine Motorisierung mit 145 PS. Als Testverbrauch ermittelten wir 6,2 Liter Super für den Fiat und 7,8 Liter für seinen Abarth-Bruder.