1. Leben
  2. Motor

Neue Automodelle 2020: Durstige Verbrenner vor dem Aus

Neue Automodelle 2020 : Durstige Verbrenner vor dem Aus

Im Lauf des Jahres werden durstige Motoren verschwinden und elektrifizierte Modelle stark zunehmen. Künftig werden hohe Verbrauchs- und CO2-Werte massiv bestraft.

3,6 Millionen Neuwagen wurden im vergangenen Jahr bei uns verkauft, fünf Prozent mehr als 2018. Das ist das zweitbeste Ergebnis nach 2009 mit der Abwrackprämie. 2020 werden 3,3 Millionen angepeilt, davon wieder ein Drittel SUV und Geländewagen für mehr Geld und mehr Marge. Von Tristesse ist die Branche weit entfernt, auch wenn die erste große internationale Automobilausstellung des Jahres, der Genfer Salon, wegen des Coranvirus abgesagt worden ist.

155 PS hatte das neue Auto 2019 im Schnitt, gut 31 000 Euro klingelten in der Händlerkasse. Und rund 130 Gramm Kohlendioxid (CO2) emittierte es pro Kilometer – mehr als der Jahrgang 2018, und das noch nach der alten NEFZ-Verbrauchsmessung. Das neue WLTP-Messverfahren ergibt sogar Werte über 150 g/km. Letzteres muss sich ändern – massiv. Im neuen Jahr gilt „95 Gramm“ für alle Neuwagen – entsprechend 4,1 Liter Normverbrauch bei Benzin und 3,6 Liter bei Diesel. Nur Kleinstwagen schaffen die Hürde. Ein VW Polo (80 PS) steht bereits mit 125 Gramm in der Liste (WLTP), eine Mercedes E-Klasse mit Werten bis 200, schwere Geländewagen wie ein Porsche Cayenne mit Zahlen bis über 300.

Im laufenden Jahr gilt noch Milde vor Strafe. Ab 2021 aber kostet jedes Gramm über dem Limit, das für jede Marke je nach Gewicht leicht unterschiedlich gilt, für jedes Auto 95 Euro Strafe. Es geht es um Milliarden. Allerdings können exorbitante CO2-Werte über besonders sparsame Modelle ausgeglichen werden, vor allem elektrisch. Der Stromverbrauch während der Fahrt wird (abseits aller Realität) mit null Verbrauch und null Emissionen gerechnet. Der Verbrennungsmotor wird entweder ganz ersetzt oder wenigstens zeitweise abgeschaltet. E-Modelle, Hybride und Plug-in-Hybrid Electric Vehicles zum Laden an der Steckdose (PHEV) stehen vor einer großen Zukunft.

Bald 200 neue und überarbeitete Modelle stehen an im neuen Jahr.

Der neue Volkswagen Golf erscheint als GTI mit 245 PS, als R mit 333 PS, dazu als supersauberer GTD mit 184 PS und doppelter Ad-Blue-Einspritzung (twin dosing). Dazu gibt es Hybride und PHEV-Versionen.

Der offene T-Roc verbindet Cabrio-Feeling mit SUV-Qualitäten. Im Sommer folgt der überarbeitete Tiguan, im Herbst der Golf als Kombi. Ihm wird gegen Jahresende der Arteon als Shooting Brake zur Seite gestellt – als nobler Kombi mit Coupé-Optik und Motoren bis 350 PS. Hinzu kommt der neue Caddy, alles freilich überragt vom ID.3 samt der SUV-Version ID.4. Beide läuten konzernweit eine neue Elektroauto-Generation ein mit eigener Linie, viel Platz und hohen Reichweiten.

Bei Audi steht der neue A3 in den Startlöchern. Die Auswahl an PHEV- und e-Modellen wächst – bis hin zum e-tron GT auf Basis des Porsche Taycan mit 590 PS. Dieser erste Elektro-Porsche (bis 761 PS, 1050 Nm Drehmoment, bis 450 Kilometer Reichweite, Preise bis 185 456 Euro) wurde „Auto des Jahres“. Er tritt vor allem gegen Tesla an.

Bei Seat startet im April der neue Leon als Limousine und Kombi mit VW-Golf-Technik. Im Herbst werden dazu der Tarraco als PHEV und der el-Born als erstes spanisches Elektromodell erwartet – auf Basis des VW ID.3. Groß heraus kommt dazu die neue Seat-Topmarke Cupra mit eigenen Ableitungen von Ateca und Leon, dazu mit dem Formentor, dem ersten eigenständigen Modell ohne Parallele bei Seat.

Skoda feiert 125 Jahre – und entwickelt den Enyaq, ein Elektro-SUV in Coupéform mit 306 PS und 500 Kilometern Reichweite. Neue Plug-in-Modelle sind der Superb IV und der neue Octavia RS.

Ford reaktiviert den Puma, jedoch nicht mehr als Sportcoupé, sondern als kompakten Crosser, eine Mischung aus Kleinwagen und SUV. Der 4,20 Meter lange und 1,54 Meter hohe Puma ist auch als Hybrid und zu Preisen ab 23 150 Euro zu haben. Ähnlich schick ist der neue Kuga, knapp einen halben Meter länger, bestellbar als Hybrid und als PHEV. Den neuen Explorer, ein XXL-SUV mit sieben Sitzen, gibt es nur als Plug-in-Hybrid. Sogar der Mustang wird als Mach-E zum Elektriker.

Der neue Opel Corsa ist ab Frühjahr auch in der E-Version erhältlich. Astra und Insignia werden optisch und mit neuen Motoren aufgefrischt. Auch in die X-Modelle und in die Transporter Vivaro-e und Zafira Life-e zieht Elektrik ein.

BMW brannte im letzten Jahr geradezu ein Feuerwerk an Premieren ab. Jetzt folgen unter anderem das 2er Gran Coupé und das 4er-Coupé sowie neue Motoren. Hybrid- und PHEV-Modelle nehmen zu, im Spätjahr kommt der elektrische iX4 auf Basis des i3. Die Studie Concept i4, ein elektrisches Gran Coupé, verweist auf den BMW i4, der ab 2021 gebaut wird. Der Elektromotor leistet 530 PS/390 kW, bis zu 600 Kilometer Reichweite sind angekündigt. Auch Mini fährt elektrisch: der Countryman als Plug-in, der Cooper SE mit Elektroantrieb.

Bei Mercedes-Benz steht die überarbeitete E-Klasse bereit, dazu kommt im Herbst die neue S-Klasse in die Schaufenster. Vorher ergänzen zahlreiche Coupé- und AMG-Ableitungen das Programm, bis 2022 sollen alle Modelle als „e“ oder „EQ“ elektrifiziert werden. Smart gibt es, optisch leicht verändert, nur mehr mit Elektroantrieb.

Peugeot verkündet stolz, mit zusätzlichen Plug-in- und Elektrodellen sowie mit sparsamen Motoren keine Probleme mit der 95-Gramm-Hürde zu haben.

Ähnliches gilt für Toyota dank zahlreicher Hybridmodelle. Die neue Generation des Kleinwagens Yaris ist auch wieder als Hybrid zu haben, dazu erscheint der neue Supra, das Coupé-Gegenstück zum gemeinsam entwickelten Z4-Roadster von BMW. In Planung ist zudem ein kleiner Crosser auf Yaris-Basis. Mit dem Mirai 2 erscheint die Neuauflage des seit 2015 in Kleinserie gebauten Brennstoffzellen-Modells.

Citroën zeigt den Ami One, einen 2,50-Meter-Winzling nach Smart-Vorbild. Die aus Citroën hervorgegangene Edelmarke DS hat die 4,93 Meter lange Oberklasse-Limousine DS 9 entwickelt. Als Motorisierungen sind ein 225 PS/165 kW leistender Benziner, ein gleich starker Plug-in-Hybrid sowie zwei weitere Plug-in-Versionen mit 250 PS/184 kW und 360 PS/264 kW angekündigt. Der DS 9 kommt in der zweiten Jahreshälfte zunächst in China auf den Markt.

Renault verpflanzt die Elektrik des Zoe in den Captur und später in den Twingo. Die Studie Morphoz gibt einen Ausblick auf die nächste Generation der Elektroautos. Auf Knopfdruck kann der Wagen um 40 Zentimeter auf 4,80 Meter verlängert werden. So dient er sowohl als wendigen Stadtfahrzeug als auch als komfortable Reiselimousine. 400 Meter Reichweite sollen möglich sein.

Bei Honda steht der „e“ im Mittelpunkt des Modellprogramms, ein origineller Kleinwagen in Retro-Stil mit Hinterradantrieb. Dazu gesellt sich der neue Jazz – auch als Hybrid

Hyundai erneuert seine Bestseller i10, i20 und i30. Die Schwestermarke Kia setzt auf den neuen Sorento, dazu den überarbeiteten Rio und zusätzliche Plug-in-Hybride. Einen Blick in die Zukunft der Elektromobilität gewährt die stromlinienförmige Studie Prophecy (Prophezeiung). Statt eines Lenkrades gibt es Joysticks.

Auch Mazda ist unterwegs ins Elektrozeitalter. Der MX-30 ist ein 4,40 Meter langer Wagen mit 200 Kilometern Reichweite. Die „First Edition“ soll ab Sommer voraussichtlich ab 33 990 Euro angeboten werden. Eine Besonderheit sind die schmalen hinteren Freestyle-Türen, die sich entgegengesetzt der Fahrtrichtung öffnen.

Mitsubishi präsentiert mit dem Space Star wieder einen kompakten, geräumigen, rundum vernünftigen und dazu preiswerten Kleinwagen: 3,85 Meter lang, 875 Kilogramm leicht, bis 912 Liter Laderaum, genügend Leistung (ab 71 PS), ab 10 490 Euro.

Bei Alfa Romeo soll der Tonale endlich Stückzahlen bringen – als stylisches kompaktes SUV-Modell unterhalb des Stelvio. Fiat setzt auf Hybridversionen von Panda und 500. Und betreibt „Flottenpooling“ mit Tesla. Die US-Elektriker sind sauber laut Gesetz. Der Hersteller kann CO2-Rechte (Supercredits) verkaufen. Mit ihnen können andere Marken hohe CO2-Werte ausgleichen. Dieser Ablasshandel soll, so ätzen Branchenkenner, Tesla so viel einbringen, dass davon das neue Werk in Brandenburg bezahlt werden kann.

Die rumänische Renault-Tochter Dacia hat mit dem Sandero nach wie vor das preiswerteste Auto in Deutschland: 4,08 Meter lang, neu mit dem Dreizylinder aus Twingo und Clio, 73 PS, 158 km/h schnell, 6990 Euro. Neuerdings ist der Sandero auch in einer Erdgas-Version zu haben. Für den Duster wird sogar Elektrik vorbereitet. Die Studie Spring Electric verweist auf das erste Elektroauto von Dacia, das 2021 auf den Markt kommen soll.

Volvos erstes vollelektrisches Modell ist der XC40 Recharge P8 AWD. Die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse entwickeln zusammen 408 PS/300 kW Leistung und 660 Nm Drehmoment. Die Reichweite ist mit 400 Kilometern angegeben. Das Modell kostet ab 62 000 Euro und kann ab sofort bestellt werden.

Audi A3 Sportback. Foto: Audi/TOM BAUER, Audi
Citroën Ami. Foto: Citroen
Cupra Formentor. Foto: Cupra
DS 9. Foto: DS/Style DS, DS
Ford Puma. Foto: Ford
Mazda MX-30. Foto: Mazda
Mercedes-Benz E-Klasse. Foto: Daimler AG/Mercedes-Benz AG - Global Commun
Mitsubishi Space Star. Foto: Mitsubishi
BMW Concept i4. Foto: BMW
Dacia Spring Electric. Foto: Dacia
Hyundai Prophecy. Foto: Hyundai
Mini Cooper SE. Foto: Mini/Bernhard Filser, Mini
Opel Corsa-e. Foto: Opel
Peugeot 3008 Plug-in-Hybrid. Foto: Peugeot
Polestar Precept. Foto: Volvo
Porsche Taycan. Foto: Porsche
Renault Morphoz. Foto: Renault
Seat el-Born. Foto: Seat
Skoda Octavia. Foto: Skoda
zweite Generation des Toyota Mirai, 2020. Foto: Toyota
Volvo XC40 Recharge. Foto: Volvo
Skoda Enyaq. Foto: Skoda
Alfa Romeo Tonale. Foto: Alfa Romeo
Ford Kuga. Foto: Ford
zweite Generation des Toyota Mirai, 2020. Foto: Toyota
Toyota Mirai. Foto: Toyota

Volvos Elektromarke Polestar hat die Studie Precept vorgestellt, einen viertürigen Grand Tourer mit niedriger Silhouette und durchgehendem Glasdach, das auch die herkömmliche Heckscheibe ersetzt. Die Seitenspiegel werden von Kameras abgelöst.