Die unterschiedlichen Bau- und Stilarten in der Motorradbranche

Retro liegt im Trend : Bobber, Café Racer, Scrambler und Co.

Die unterschiedlichen Bau- und Stilarten in der Motorradbranche sind für Laien nicht leicht auseinanderzuhalten.

Längst sind Motorräder Lifestyle-Produkte. Die Hersteller verkaufen nicht nur Nutzfahrzeuge, etwa für den Weg zur Arbeit, sondern – je nach Bauart des Bikes – ganz unterschiedliche Lebensgefühle. Welche unterschiedlichen Modellarten es zu kaufen gibt, haben wir beispielhaft zusammengestellt.

Selbst das klassische Motorrad, wie Kinder es wohl vor 20, 30 Jahren noch gezeichnet hätten, hat heute Hip-Potenzial und heißt nun Naked Bike („naked“, englisch für nackt). Das ist ein Motorrad, das ganz pur daherkommt, ohne Verkleidung, Koffer oder andere Accessoires.

Es gibt eine zeitgenössische Variante – etwa Triumph Speed Triple, Ducati Monster 1200 oder Kawasaki Z 900 – und eine, die moderne und Retro-Elemente verbindet (Honda CB 650 R, Yamaha XSR 700 oder Husqvarna Svartpilen 701). Dem aktuellen Retro-Trend folgen beispielsweise Triumph Street Twin, Royal Enfield Interceptor 650 oder BMW R nineT.

Auch der Café Racer, orientiert sich an der Vergangenheit. Sein Ursprung liegt im England der 1960er Jahre. Damals bildete sich eine junge Szene heraus, die die serienmäßigen, zweizylindrigen Bikes von BSA, Norton oder Triumph durch Tieferlegung, Einzelsitzbank und vielleicht noch einer kleinen Lenkerverkleidung modifizierte. Frei nach dem Vorbild der Maschinen, die damals regelmäßig beim vielleicht berühmtesten Straßenrennen, der Tourist Trophy auf der Isle of Man, zum Einsatz kamen. Heute zeigen sich etwa Kawasaki W 800 Café, Suzuki SV 650 X oder Moto Guzzi mit V7 III Racer in diesem Stil.

Der Ursprung des Scramblers („to scramble“ für klettern) liegt ebenfalls in den USA. Dort rüsteten Bastler mit simplen Mitteln wie Stollenreifen und hoch gelegtem Auspuff Straßenmotorräder auf – eher theoretische – Geländetauglichkeit um. Und schon bald folgte die Industrie und löste einen kleinen, wenn auch kurzen Boom aus.

Heute aber sind Scrambler wieder aktuell. Ducati hat um sein Modell Scrambler mittlerweile gleich drei Baureihen (Sixty-Two, Scrambler und 1100) und etliche Versionen etabliert. Auch Triumph hat mit der Scrambler 1200 XE und der Street Scrambler zwei Modelle im Programm. Die Weiterentwicklung der Scrambler-Idee war in den 1970er Jahren die Enduro: Ein Bike, das man auf der Straße bewegen konnte, das aber beispielsweise dank längerer Federwege und eines Motorschutzes und auch im härteren Gelände eine gute Figur machte. Yamaha begründete damals mit der XT 500 dieses Segment und damit auch den Trend, per Zweirad noch in die entlegensten Winkel dieses Planeten zu reisen.

Heute bieten viele Hersteller Sport-Enduros in der Mittelklasse an: BMW F 850 GS, KTM 790 Adventure R, Moto Guzzi V 85 TT. Sie führen aber auch Reise-Enduros für die ganz große Tour: BMW R 1250 GS, Honda CRF 1000L Africa Twin oder Yamaha XT 1200 Super Ténéré.

Ebenfalls für die große Fahrt, wenn auch nicht über Stock und Stein, stehen der Tourer beziehungsweise der Bagger („bag“ für Koffer) bereit: Eine Vollverkleidung für lange, möglichst entspannte Etappen, ein ausuferndes Gepäcksystem und ein bequemer Sozius-Platz sind die charakteristischen Merkmale.

Eine Ikone im Segment ist die GL 1800 Gold Wing, die Honda seit 2018 wieder im Programm hat. Aber auch BMW K 1600 Bagger, Harley-Davidson CVO Road Glide oder Yamaha FJR 1300 sind Protagonisten.

Kaum für die ganz lange, dafür aber für die rasend schnelle Fahrt gemacht sind die vollverkleideten Supersportler. Mit einem Leistungsvermögen von rund 200 PS und einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 300 km/h sind Aprilia RSV4 1100 Factory, BMW S 1000 RR, Ducati Panigale V4 R oder Suzuki GSX-R 1000 nichts anderes als Rennmaschinen für die Straße.

Entschleunigung dagegen heißt das Motto beim Chopper. Chopper („to chop“ für abhaken, zerschneiden) waren in den 1960er Jahren Ausdruck der Individualität zunächst nur einiger weniger Bastler, die heute wohl Customizer hießen. Sie bauten die Serienmotorräder nach ihren ganz eigenen Vorstellungen um. Lange Gabel, höherer Lenker, tiefere Sitzbank, schmalerer Vorderreifen – das waren und sind bis heute die klassischen Merkmale.

In den 1980er Jahren boomte der Typ, nahezu jeder große Hersteller bot auch Chopper an, heute sind sie seltener geworden. Ein moderner Vertreter ist die Harley-Davidson Breakout. Stattdessen bestimmen Cruiser, Motorräder zum Flanieren und puren Genussfahren die Modell-Palette von Harley und dessen US-Konkurrenten Indian. Klassische Cruiser (Harley-Davidson Heritage Classic) und Sportcruiser (Indian Scout) buhlen ebenso um die Gunst der Kunden, wie die Power-Cruiser XDiavel von Ducati und Audace von Moto Guzzi.

Und auch weitere Stile, einst in Hinterhöfen dem Wunsch nach mehr Individualität entsprungen, werden heute vom Band angeboten. Wie der Bobber. Der heißt so, weil im Sinne einer Gewichtsoptimierung alles Unnötige weggelassen wurde – auch der Vorderradfender. Dieser Kotflügel wurde kurzerhand nach hinten gedreht und über dem Hinterrad montiert. Alternativ wurde der hintere Fender auch gekürzt („gebobbt“). Eine tiefe Sitzposition mit Einzelsattel statt Sitzbank sowie Ballonreifen bestimmen das Erscheinungsbild von Honda CMX 500 Rebel, Triumph Bobber und von Harley-Davidson HD Street Bob.

Das ist ein Flat Tracker: die Indian FTR 1200. Foto: dpa-tmn/Indian
BMWs Modell F 850 GS ist eine Enduro. Foto: David Daub/BMW/David Daub

Bleibt noch der aus Rennsport stammende Flat Tracker. Flat Track-Rennen erinnern auf den ersten Blick an Speedway oder Sandbahnrennen, unterscheiden sich aber in Bezug auf die Maschinen deutlich. So verfügen Flat Tracker immer über Vollfederung und Bremsen. Indian, selbst sehr erfolgreich im Flat Track-Sport, hat mit der FTR 1200 nun einen Flat Tracker für die Straße im Programm. Und eine Gewichtsklasse tiefer huldigen die wiederbelebte italienische Kultmarke Fantic mit der Caballero 500 Flat Track und die Franzosen von Mash mit der Dirt Track 650 dem Flat Track-Sport.

(dpa)
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